Indiens Regierung nimmt Entscheidung zurück Staatliche Pflicht-App für neue Handys sorgt in Indien für Kritik

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Die indische Regierung will mit einer vorinstallierten App auf neuen Smart­phones stärker gegen Cyberbetrug vorgehen. Doch dies löst scharfe Kritik aus. Bürgerrechtler warnen, Nutzer könnten ihre Privatsphäre verlieren. Nun wurde die Idee verworfen.

Nachdem in Indien Stimmen laut wurden, die sich gegen eine vorinstallierte App auf Smartphones aussprachen, wurde eine entsprechede Verordnung, die Schutz vor Cyberbetrug bieten sollte, zurückgenommen.(Bild:  © terovesalainen - stock.adobe.com)
Nachdem in Indien Stimmen laut wurden, die sich gegen eine vorinstallierte App auf Smartphones aussprachen, wurde eine entsprechede Verordnung, die Schutz vor Cyberbetrug bieten sollte, zurückgenommen.
(Bild: © terovesalainen - stock.adobe.com)

Indiens Regierung hatte geplant Smartphone-Hersteller zu verpflichten, eine staatliche App für größere Cybersicherheit auf alle Neugeräte vorzuinstallieren. Die Anordnung der Abteilung für Telekommunikation sollte demnach für alle Smartphones, die im Land hergestellt oder zum Ge­brauch in Indien importiert werden, gelten. Die Verordnung vom 28. November 2025 stieß un­mittelbar nach der Veröffentlichung durch das Kommunikationsministerium auf scharfe Kritik von Bürgerrechtlern, die eine Verletzung der Nutzer-Privatsphäre befürchten.

Pflicht für Hersteller, Freiwilligkeit für Nutzer

In einer Mitteilung des Ministeriums hatte Kommunikationsminister Jyotiraditya Scindia klar gestellt, die Anwendung sei „komplett demokratisch und freiwillig“. Die Nutzer könnten die vorinstallierte App auf ihrem Gerät nach eigenem Belieben aktivieren, um ihre Vorteile zu nutzen, aber auch jederzeit deaktivieren oder wieder löschen. Die Mitteilung sorgte in Indien zunächst für Verwirrung. In der Anordnung stand, die Hersteller sollten sicherstellen, dass die Funktionen der App weder deaktiviert noch beschränkt würden. Dass sie von den Nutzern gelöscht werden könne, ging daraus zunächst nicht hervor.

Die Anwendung „Sanchar Saathi“, übersetzt etwa: Kommunikations-Begleiter,sollte laut dem Ministerium unter anderem helfen, die Bürger des Landes vor Cyberbetrug zu schützen. Auch könne dadurch der Kauf von gefälschten Geräten verhindert werden. Durch die Vorinstallation der App, die sich von einem Regierungsportal herunterladen lässt, würden mehr Nutzer er­reicht. Die Verfügung sollte für alle Smartphones gelten, die im Land hergestellt oder zum Gebrauch in Indien importiert werden.

Blockierte oder auf Schwarze Listen gesetzte sogenannte IMEI-Nummern könnten durch die neue App identifiziert werden, hieß es. Jedes Gerät mit einem Mobilfunkmodul – ge­ge­ben­en­falls also auch Tablets oder Notebooks – hat eine solche 15-stellige IMEI (International Mobile Equipment Identity).

Kritik an der App

Mittlerweile hat indiens Regierung ihre umstrittene Entscheidung wieder zurückgenommen. Gleichzeitig erfahre die Sanchar Saathi-App zunehmend Akzeptanz, hieß es in einer Mitteilung des Kommunikationsministeriums. Die Regierung habe deshalb beschlossen, „den Handy-Her­stellern die Vorinstallation nicht vorzuschreiben“. Bisher hätten 14 Millionen Nutzer die App heruntergeladen. Geplant war, den Herstellern 90 Tage Zeit zu geben, um sicherzustellen, dass die App vorinstalliert wird. Auch wurden sie dazu aufgerufen, Software-Updates für bereits hergestellte Geräte oder solche in den Verkaufskanälen in Indien bereitzustellen. Betroffen von der Anordnung wären neben indischen Herstellern auch ausländische Produzenten wie etwa Apple aus den USA, Samsung aus Südkorea oder auch chinesische Technologieunternehmen wie Xiaomi gewesen.

Dabei hatten Kritiker jedoch einen Zugriff der Behörden auf geschützte Daten befürchtet. Das Ziel der Regierung, gegen IMEI-Betrug vorzugehen, sei zwar legitim, erklärte die indische Grup­pe Internet Freedom Foundation, die sich für den Datenschutz und die Freiheit der Bürger in der Informationsgesellschaft einsetzt, „aber die gewählten Mittel sind unverhältnismäßig, rechtlich brüchig und strukturell feindselig gegen die Privatsphäre der Nutzer und ihre Auto­no­mie.“ Die oppositionelle Kongresspartei sprach von dem Versuch, eine „Überwachungs-App“ einzu­führ­en. „Und das ist lächerlich“, hieß es von ihr auf X.

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