Univention Summit 2025: Experten diskutieren Wege zu digitaler Souveränität „Es ist noch nicht zu spät für digitale Souveränität!“

Von Elke Witmer-Goßner 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Beim Univention Summit 2025 in Bremen kamen über 750 Experten aus IT, Politik und Wirtschaft zusammen, um über Wege hin zu mehr digitale Souveränität zu diskutieren. Im Fokus stand die Frage, wie Europa sich von der Abhängigkeit großer US-IT-Konzerne lösen kann.

„Ready for Digital Sovereignty?“ – mehr als 750 Teilnehmende (ca. 520 vor Ort und 250 via Live-Stream) kamen zum Univention Summit 2025 zusammen, um sich über Wege zu mehr digitaler Souveränität auszutauschen.(Bild:  Univention)
„Ready for Digital Sovereignty?“ – mehr als 750 Teilnehmende (ca. 520 vor Ort und 250 via Live-Stream) kamen zum Univention Summit 2025 zusammen, um sich über Wege zu mehr digitaler Souveränität auszutauschen.
(Bild: Univention)

Musk, Bezos, Zuckerberg – diese US-Oligarchen stehen im Schulterschluss mit US-Präsident Donald Trump für ein neues politisches und wirtschaftliches Selbstverständnis der USA, für absolutes Streben nach Macht und noch mehr Geld. Sie trampeln wie apokalyptische Reiter über Wettbewerbsregeln und gute Handelsbeziehungen hinweg, erklären Lügen zur Wahrheit, während wir ihre Reittiere trotz allem und sehenden Auges weiter mit unseren Daten füttern. Klingt dystopisch?

Digitalisierung ohne Abhängigkeit

Prof. Dr. Martin Andree, Medienwissenschaftler an der Universität Köln und Gastredner in Bremen, warnt seit langem eindringlich vor der zunehmenden Dominanz weniger US-amerikanischer Technologiekonzerne wie Alphabet (Google), Meta (Facebook, Instagram), Apple und Amazon. Diese Unternehmen kontrollieren einen Großteil des Internetverkehrs und schränken somit die Vielfalt der digitalen Medienlandschaft erheblich ein. Diese Konzentration gefährde nicht nur den fairen Wettbewerb, sondern auch die demokratische Meinungsbildung, da die Plattformen bestimmen, welche Informationen sichtbar sind und welche nicht.

Andree fordert daher dringend politische Maßnahmen, um die digitalen Märkte zu öffnen, die Macht dieser Konzerne zu begrenzen und damit nicht weniger als unsere Demokratie vor dem Einfluss der digitalen Monopole zu schützen.

Hochkarätige Diskussionen zur digitalen Zukunft

Doch wie sich der technischen Monopolisten erwehren – wenn es dafür vielleicht schon zu spät ist? Der Univention Summit stand unter dem Motto „Ready for Digital Sovereignty?“. Eine zentrale Forderung: Verwaltung und Bildung müssen verstärkt auf Open-Source-Software und offene Standards setzen, um Kontrolle über IT-Infrastrukturen zu behalten bzw. zu einem gewissen Grad wieder zu erlangen. Die geopolitischen Entwicklungen, insbesondere in den USA, darin waren sich Experten wie Publikum sehr einig, verschärften die Dringlichkeit dieser Maßnahmen.

In Keynotes und Panels wurde deutlich, dass digitale Souveränität ein entscheidender Standortfaktor ist. Univention-CEO Peter Ganten betonte, dass der Kampf um digitale Unabhängigkeit noch nicht verloren sei – neue Technologien könnten durchaus für Disruption sorgen. Cybersicherheitsforscher Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker hob hervor: „Es kommt nicht darauf an, wo die Daten liegen, sondern wer sie verwaltet.“

Es muss mehr Open Source in die Verwaltung!

Auf dem hochkarätig besetzten Panel diskutierten Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter, Jutta Horstmann (Leiterin ZenDiS), Dr. Laura Dornheim (CDO Stadt München), Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Ann Cathrin Riedel (LOAD e.V.) und Peter Ganten über Strategien und ganz konkrete Schritte für mehr digitale Souveränität in den Verwaltungen. Unter anderem ging es dabei um das Für und Wider föderativer Strukturen, die Sinnhaftigkeit staatlicher Regulierung und Notwendigkeit digital souveräner IT-Infrastrukturen sowie darum, den Einsatz von Open Source schon bei der Beschaffung mitzudenken.

Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker: Europäische Digitalsouveränität verlangt die Reduzierung der Abhängigkeiten von globalen digitalen Wertschöpfungsketten bei gleichzeitiger eigener Entwicklung souveräner Technologien.(Bild:  VIT / ewg)
Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker: Europäische Digitalsouveränität verlangt die Reduzierung der Abhängigkeiten von globalen digitalen Wertschöpfungsketten bei gleichzeitiger eigener Entwicklung souveräner Technologien.
(Bild: VIT / ewg)

Jutta Horstmann vom ZenDiS, sieht in digitaler Abhängigkeit „eine offene Flanke, die ausgenutzt werden könnte. Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter plädierte für Open Source als strategische Grundlage für die öffentliche Verwaltung, während Nextcloud-Gründer Frank Karlitschek feststellte: „Europa hat die Werkzeuge, nutzt sie aber nicht ausreichend.“

Bildergalerie
Bildergalerie mit 14 Bildern

Lösungen für mehr digitale Unabhängigkeit sind da

Über solche Werkzeuge konnten sich die mehr rund 520 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der begleitenden Ausstellung informieren, wo über 40 Softwareanbieter ihre Lösungen für digitale Unabhängigkeit zeigten. Univention nutzte den Summit zur Vorstellung der neuen Version 5.2 des Univention Corporate Server (UCS) und präsentierte Entwicklungen für UCS, Nubus für Kubernetes und UCS@school. Neu präsentiert wurde zudem die Kollaborationsplattform OpenCloud der Heinlein Gruppe für sicheres Filesharing, da digital souverän gehostet.

Auf der Bühne gehörten unter anderem Vorträge zum erfolgreichen Open-Source-Projekt openDesk, über den neuen Verzeichnisdienst für Schleswig-Holstein oder das zentrale IAM für Schulen in Brandenburg zu den Highlights.

Fazit: Open-Source als Schlüssel zur digitalen Souveränität

Der Univention Summit machte deutlich, dass digitale Unabhängigkeit machbar ist – mit Open-Source-Technologien als Fundament. Die Forderung nach politischen Weichenstellungen und gemeinschaftlichen Strategien für mehr digitale Autonomie wurde nicht nur einmal bekräftigt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 14 Bildern

(ID:50368076)

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zur IT-Sicherheit

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung