Der edle Kugelschreiber als Abhörvorrichtung

Wanze im Werbegeschenk

| Autor / Redakteur: Gernot Zehner, Ultima Ratio GmbH / Stephan Augsten

Eine sprachgesteuerte Funkwanze mit Knopfbatterie als Energiequelle.
Eine sprachgesteuerte Funkwanze mit Knopfbatterie als Energiequelle. (Bild: Ultima Ratio GmbH)

Für viele Unternehmen ist es selbstverständlich, sich im Advent mit einem Werbegeschenk für die fruchtbare Zusammenarbeit zu bedanken. Aber so manche kleine Aufmerksamkeit ist nur für den Absender ein Geschenk: Es kommt durchaus vor, dass sich im Präsent eine Wanze versteckt, wie dieser Beitrag zeigt.

Auch wenn sich alle Aufmerksamkeit gerade auf die Nachrichtendienste richtet: Nicht nur die NSA hört interessiert mit! Branchen-Insider schätzen, dass rund 60 Prozent der deutschen Unternehmen schon einmal Opfer eines Lauschangriffs waren – oder es gerade im Moment sind. Viele, ohne es auch nur zu ahnen.

In den wenigsten Fällen geht es den Lauschern dabei um Hochtechnologie, Gefahrenabwehr oder geheime Rezepturen: Oftmals wollen gierige Mitbewerber mit entsprechender krimineller Energie lediglich Einblick ins Tagesgeschäft, um Kunden oder Mitarbeiter abzuwerben. Dabei werden die meisten Angriffe gar nicht oder erst sehr spät bemerkt, da die Abhörgeräte immer kleiner, leistungsfähiger und günstiger werden.

Möchte ein Mitbewerber eine Abhörvorrichtung im Chefbüro platzieren, kann er sich viel Aufwand sparen, indem er den technischen Winzling in einem attraktiven Geschenk versteckt. Trifft das Präsent den Geschmack des Unternehmers, platziert der die Wanze freiwillig auf seinem Schreibtisch – und der Absender des reibt sich die Hände.

Unverdächtige Gadgets und Geräte als Trojaner

Das größte Problem der findigen Lauscher ist, die Abhörvorrichtung möglichst nah am Informanten zu platzieren – und so zu verstecken, dass dieser keinen Verdacht schöpft. Werbegeschenke sind besonders perfide, weil sie angenehme Emotionen auslösen und damit selbst misstrauische Menschen für sich einnehmen.

Noch cleverer ist es, das Geschenk nicht an den Chef selbst zu schicken, sondern an jemandem in seinem Umfeld, der damit nichts anfangen kann: Einen Ventilator etwa an den Prokuristen, der empfindlich gegen Zugluft ist. So stehen die Chancen gut, dass das Präsent weitergereicht – und so am Ende auch noch von einer vertrauenswürdigen Person übergeben wird.

Auch eigene Mitarbeiter bauen Wanzen im Unternehmen ein: Wer innerlich gekündigt hat, einen Dienstschlüssel besitzt und häufiger Überstunden leistet, kann sich dafür viel Zeit nehmen. Nicht selten werden Betriebsangehörige bestochen, damit sie den Einbau übernehmen. Wenn sie dann im Besprechungsraum eine Steckerleiste gegen ein präpariertes Exemplar austauschen, fällt das niemandem auf.

In einer Münchner Unternehmensberatung wurde sogar ein nachgebautes Handy mit SIM-Karte in einer solchen Steckerleiste gefunden. Dessen Mikrofon ließ sich per Anruf jederzeit unbemerkt ein- und ausschalten. So konnte der Lauscher die Gespräche von jedem Ort der Welt aus unerkannt verfolgen.

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