Verborgene Spillover-Effekte Erhebliche wirtschaftliche Kosten durch Netzsperren im Internet

Ein Gastbeitrag von Peter Schmitz 2 min Lesedauer

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Eine Studie von Analysys Mason und Cloudflare beleuchtet die wirtschaftlichen Folgen von Netzsperren, bei denen per IP- oder DNS-Blockierung der Zugriff auf Inhalte eingeschränkt wird. Jüngste Vorfälle in Spanien, Italien, Frankreich, Österreich und Belgien zeigen die oft unterschätzten Kosten für Gesellschaft, Unternehmen und digitale Infrastruktur.

Netzsperren sind laut einer von Cloudflare beauftragten Studie in den meisten Fällen ein ineffizientes und kostenintensives Mittel zur Bekämpfung rechtswidriger Online-Inhalte. (Bild: ©  Best - stock.adobe.com)
Netzsperren sind laut einer von Cloudflare beauftragten Studie in den meisten Fällen ein ineffizientes und kostenintensives Mittel zur Bekämpfung rechtswidriger Online-Inhalte.
(Bild: © Best - stock.adobe.com)

Die zentralen Ergebnisse der Studie „The economic cost of network blocking“ zeigen: Netzsperren, insbesondere wenn sie aufgrund urheberrechtlicher Ansprüche verhängt werden, bringen lediglich einem kleinen Kreis privater Akteure messbare Vorteile (zumeist Rechte­inhaber), doch die wirtschaftlichen Kosten tragen weitaus mehr Beteiligte. Betroffen sind neben Internetnutzern auch zahlreiche Unternehmen und Dienstanbieter, die in den meisten Fällen weder Entschädigung noch Regresse erwarten können.

Verborgene Spillover-Effekte

Des Weiteren zeigen die Recherchen, dass Netzsperren nicht isoliert wirken. Sie haben unmittelbare und oftmals unbeabsichtigte Auswirkungen auf unbeteiligte Dritte. Dazu gehören Fehlfunktion von Diensten, Einschränkungen beim Zugang zu cloudbasierten Anwendungen und generelle Beeinträchtigungen der Netzneutralität. Netzsperren können zudem das technische Gefüge des Internets nachhaltig stören, indem sie zentrale Infrastruktur­kom­po­nen­ten wie das DNS- oder Routing-System kompromittieren. Langfristig droht eine Fragmentierung und Schwächung der globalen Internetarchitektur – mit erhöhten Kosten für sämtliche Marktteilnehmer.

Zweifel an der Wirksamkeit

Neben den wirtschaftlichen Kosten wird im Rahmen der Erhebungen auch die Frage aufgeworfen, wie wirksam Netzsperren tatsächlich sind. Das Problem: Nutzer finden häufig Wege, Sperren zu umgehen, etwa durch VPNs oder alternative DNS-Dienste. Der gewünschte Schutzeffekt – die Unterbindung des Zugriffs auf illegale Inhalte – wird daher häufig verfehlt, während die Gesellschaft als Ganzes die Kosten trägt.

Empfehlungen für eine zeitgemäße Regulierung

Statt weitreichender Netzsperren sprechen sich die Experten von Analysys Mason für alternative Maßnahmen aus. Im Zentrum steht dabei die konsequente Entfernung rechts­widriger Inhalte direkt an der Quelle. Dieser Ansatz minimiert kollaterale Schäden und verhindert, dass legale Dienste und Nutzer ungewollt von Blockierungen beeinträchtigt werden. Darüber hinaus wird die Implementierung klarer Sicherheitsvorkehrungen empfohlen, darunter eine verpflichtende Kosten-Nutzen-Analyse vor dem Erlass von Sperrmaßnahmen, die Information betroffener Nutzer und die Einrichtung effektiver Rechtsmittelverfahren.

Relevanz für politische Entscheidungsträger

Mit Blick auf aktuelle Diskussionen um digitale Grundrechte, Netzneutralität und den Schutz des Innovationsstandorts Europa liefert die Studie wichtige Impulse für die Politik. Sie mahnt eine differenzierte und verantwortungsbewusste Regulierung an, die sowohl den Schutz legitimer Interessen als auch die langfristige Gesundheit des Internets als gemeinsame Ressource in den Blick nimmt.

Fazit

Netzsperren sind laut Studie in den meisten Fällen ein ineffizientes und kostenintensives Mittel zur Bekämpfung rechtswidriger Online-Inhalte. Sie richten deutlich höhere volkswirtschaftliche Schäden an, als es der zu bekämpfende Missstand rechtfertigen würde. Der Fokus sollte vielmehr auf den Schutz der Nutzer, die Wahrung der Netzneutralität sowie auf nachhaltige und verhältnismäßige Alternativen gelegt werden.

Über die Studie

Über die Studie: Der von Cloudflare bei Analysys Mason in Auftrag gegebene Report „The economic cost of network blocking“ analysiert Netzsperren und deren wirtschaftliche sowie technische Auswirkungen ausführlich. Der Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie häufig privatwirtschaftliche und kurzfristige Interessen mit der Stabilität und Offenheit des Internets als globalem öffentlichen Gut kollidieren. Das Papier bietet zudem Entscheidern praxisnahe Empfehlungen, wie regulatorische Eingriffe künftig effizienter, rechtssicherer und volkswirtschaftlich verträglicher gestaltet werden können.

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