Interview mit Prashanth Nanjundappa, Progress, über die Zukunft von DevOps „Unternehmen sollten ihre Entwickler behandeln, als wären sie zahlende Kunden“

Das Gespräch führte Stephan Augsten 3 min Lesedauer

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Verschiedene Ansätze schicken sich aktuell an, die DevOps-Idee zu erweitern oder gar zu revolutionieren – und könnten zu einem neuerlichen Paradigmenwechsel in den Unternehmen führen.Im Interview spricht Prashanth Nanjundappa, Vice President Product Management bei Progress, über seine Sicht der Dinge.

Prashanth Nanjundappa: „Unternehmen setzen am besten auf einen Entwickler-zentrierten Fokus [...].“(Bild:  Progress Software)
Prashanth Nanjundappa: „Unternehmen setzen am besten auf einen Entwickler-zentrierten Fokus [...].“
(Bild: Progress Software)

Herr Nanjundappa, angesichts des aktuellen Mindshifts in der DevOps-Welt sprechen Sie auch von Cutting-Edge-Trends. Wie wird sich der DevOps-Ansatz Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Unternehmen werden zunehmend auf Platform Engineering setzen. Dieser Technologieansatz baut auf den Grundlagen von DevOps auf, unterscheidet sich davon aber in mehrfacher Hinsicht.

Eine solche Strategie betrachtet den Technologie-Stack ganzheitlich und umfasst vereinheitlichte Plattformen, durchgängige Automatisierung sowie Self-Service-Infrastrukturen. Zudem hat sie einen deutlich größeren Einfluss- und Wirkbereich. Dieser Ansatz wird bei der Bereitstellung von Software und für operative Intelligenz eine immer wichtigere Rolle spielen.

Wie muss man sich die größere Reichweite von Platform Engineering vorstellen, was fällt alles darunter?

Der Einflussbereich vergrößert sich rasant. An aktuellen Platform-Engineering-Initiativen von Unternehmen sind verschiedenste Teams beteiligt, etwa Teams für Unternehmensarchitektur, nfrastruktur und Betrieb, Site Reliability Engineering, IT-Sicherheit sowie Data und Analytics. Schaut man sich diese Teams an, dann wird der Einflussbereich des Platform Engineering auch Infrastrukturmanagement, Containerisierung und Orchestrierung sowie Monitoring und Observability umfassen.

Inwiefern müssen Unternehmen ihre Organisationsstrukturen anpassen, um von DevSecOps, Platform Engineering und agilen Konzepten optimal zu profitieren?

Sie müssen die Silos zwischen Entwicklung, Sicherheit und Betrieb durch funktionsübergreifende Teams aufbrechen. Zudem sollten sie einheitliche und konsistente Umgebungen für Entwicklung und Betrieb schaffen und für eine enge Zusammenarbeit der Teams für Infrastruktur und Betrieb sowie Site Reliability Engineering sorgen. Die einheitlichen Umgebungen ermöglichen dann automatisch bessere agile Prozesse.

Und wie muss sich die Zusammenarbeit zwischen Software-Entwicklern und Security/Compliance-Teams in Zukunft verändern, um den Anforderungen gerecht zu werden?

Insbesondere vor dem Hintergrund des Platform Engineering sollten sich Entwickler und Security- und Compliance-Teams an gemeinsamen Zielen orientieren. Dazu zählen Sicherheit, Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit.

Ebenso wie DevOps erfordert auch das Platform Engineering eine enge Zusammenarbeit durch funktionsübergreifende Teams. Sicherheits- und Compliance-Anforderungen sollten in den Entwicklungslebenszyklus eingebunden werden – idealerweise sind automatisierte Compliance-Prüfungen und Audits feste Bestandteile der Infrastrukturprozesse.

Welche neuen Plattform-Services sind in den nächsten Jahren zu erwarten? Wie wird KI die Automatisierung und Personalisierung vorantreiben?

KI-Algorithmen können etwa Workload-Muster analysieren und die Ressourcenzuweisung automatisch anpassen oder Anomalien erkennen und automatische Reaktionen auf Incidents auslösen. Chatbots sind in der Lage, Entwickler und Betriebsteams bei Routineaufgaben zu entlasten und bei der Problemlösung zu unterstützen.

Für personalisierte Anwendungserlebnisse können unter anderem KI-basierte Empfehlungsmechanismen sorgen, die Entwicklern beispielsweise Toolchains vorschlagen, die am besten zu den Nutzerrollen einer Anwendung passen. Die Möglichkeiten sind praktisch unbegrenzt, aber Risiko und Sicherheit müssen dabei immer sorgfältig ausbalanciert werden.

Welche Herausforderungen bringt die Integration verteilter KI-Komponenten in Plattformen mit sich?

Der Umgang mit Fehlertoleranzen, Ausfällen und Wiederherstellung ist bei verteilten KI-Komponenten sehr komplex. Deshalb ist es eine große Herausforderung, die Zuverlässigkeit und Robustheit des Gesamtsystems zu gewährleisten. Auch eine konsistente Performance sicherzustellen und das System an dynamische Umgebungen anzupassen, in denen Knoten auf unvorhersehbare Weise hinzukommen oder verschwinden können, ist alles andere als trivial.

Welche Trends, wie die Abwanderung von Tech-Talenten, machen ein innovatives Veränderungsmanagement in Unternehmen notwendig?

Unternehmen müssen ihr Veränderungsmanagement anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. In innovativen Technologieunternehmen verfolgen die DevOps-Teams beim Change Management häufig einen Engineering-getriebenen Ansatz. Dabei gewährleisten sie durch umfassende Automatisierung einen schnellen Bereitstellungszyklus und sorgen gleichzeitig dafür, dass Änderungen sicher bereitgestellt werden.

Diese Balance ist der entscheidende Faktor. Unternehmen müssen ein Gleichgewicht zwischen Flexibilität und Stabilität finden. Qualität und Zuverlässigkeit dürfen nicht unter einer schnellen Einführung leiden.

Welche neu entstehenden Tools, Standards und Best Practices sollten Entwickler und Unternehmen Ihrer Meinung nachverfolgen?

Unternehmen setzen am besten auf einen Entwickler-zentrierten Fokus und behandeln ihre Entwickler so, als wären sie zahlende Kunden. Dazu gehört es, ihnen eine Plattform zu bieten, die es ihnen erlaubt, sich auf den Code zu konzentrieren und sich nicht mit Details der Infrastruktur auseinandersetzen zu müssen.

Dabei sollten die Unternehmen einen Cloud-nativen und erweiterbaren Ansatz verfolgen. Wenn die Entwickler ihre bevorzugten Technologien in die Plattform einbinden können, verbessern sich Flexibilität und Skalierbarkeit.

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