Windows 10 Support-Ende 2025 Zwischen teurem Support und digitaler Souveränität

Von Thomas Kress 5 min Lesedauer

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Das Aus für Windows 10 zwingt Unternehmen zum Umdenken. Statt teurem Support oder blindem Upgrade geht es jetzt um digitale Weitsicht – und um geopolitische Verantwortung.

Thomas Kress ist IT-Sicherheitsexperte und Inhaber der TKUC Group mit den Marken TKUC und TheUnified.(Bild:  Oliver Wagner)
Thomas Kress ist IT-Sicherheitsexperte und Inhaber der TKUC Group mit den Marken TKUC und TheUnified.
(Bild: Oliver Wagner)

Am 14. Oktober 2025 endet der offizielle Support für Windows 10. Auf den ersten Blick eine weitere planbare Zäsur in der Windows-Geschichte – in Wahrheit jedoch ein Wendepunkt. Denn was als technischer Übergang erscheint, ist in Wahrheit ein Weckruf. Unternehmen stehen vor der Wahl: Den kostenpflichtigen Extended Support von Microsoft buchen oder den Sprung zu Windows 11 wagen. Doch dahinter steckt mehr als nur eine Lizenzentscheidung. Es geht um digitale Weichenstellungen, um geopolitische Abhängigkeiten und um strategische Selbstbestimmung. Wer glaubt, mit einem Upgrade oder einem Wartungsvertrag sei alles getan, irrt. Die Frage ist vielmehr: Wie wollen wir in Zukunft IT gestalten – reaktiv oder souverän?

Microsofts Extended Security Updates (ESU) bieten die Möglichkeit, Windows 10 über das offizielle Support-Ende hinaus weiter zu betreiben – gegen steigende Gebühren. Für viele Unternehmen mag das auf den ersten Blick bequem erscheinen, doch bei genauer Betrachtung offenbart sich eine teure Zwischenlösung ohne nachhaltige Perspektive. Denn Sicherheit ohne Weiterentwicklung ist wie ein Flickenteppich: kurzfristig hilfreich, langfristig riskant.

Gleichzeitig bedeutet der Wechsel zu Windows 11 nicht automatisch eine Verbesserung. Zwar bringt das neue System moderne Sicherheitsfunktionen wie Secure Boot, TPM 2.0 oder eine stärkere Integration von Microsoft-Diensten – doch es bindet Unternehmen noch enger an den US-Konzern. Die Anforderungen an Hardware steigen, Konfigurationsfreiheiten nehmen ab, und die Cloud-Zentrierung wächst. Datenschutz, Transparenz und Kontrolle bleiben dabei oft auf der Strecke. Besonders für regulierte Branchen und sicherheitskritische Infrastrukturen wird das schnell zur Herausforderung.

Darüber hinaus bringt Windows 11 für Administratoren, IT-Leiter und Entscheider zusätzliche Aufgaben: Kompatibilitätstests, Hardware-Upgrades, Neudefinition von Gruppenrichtlinien und intensive Schulung der Anwender. Und nicht zuletzt bedeutet ein Betriebssystemwechsel auch neue Risiken für die Business Continuity. Anwendungen, die bisher problemlos liefen, funktionieren unter Windows 11 möglicherweise nicht mehr oder nur eingeschränkt – gerade bei maßgeschneiderten Softwarelösungen oder veralteten, aber betriebsrelevanten Anwendungen.

Digitale Souveränität ist kein Luxus, sondern Überlebensstrategie

Inmitten geopolitischer Spannungen, wachsender Cyberbedrohungen und zunehmender Regulierung gewinnt der Begriff der digitalen Souveränität an Relevanz. Was bisher gern als Schlagwort in politischen Papieren geführt wurde, wird plötzlich konkret: Wie unabhängig ist unsere digitale Infrastruktur wirklich? Wer kontrolliert unsere Betriebssysteme, unsere Daten, unsere Updatezyklen? Welche Rolle spielen gesetzliche Vorgaben wie der US Cloud Act – und was passiert, wenn geopolitische Interessen plötzlich in Geschäftsmodelle eingreifen? Es geht nicht mehr nur um Kosten, sondern um unternehmerische Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit in Krisensituationen.

Open-Source-Alternativen wie Linux bieten in dieser Situation neue Optionen. Sie sind längst keine Exoten mehr, sondern stabile, wartbare und benutzerfreundliche Betriebssysteme mit Langzeitsupport. Ubuntu LTS, Fedora, openSUSE oder auch europäische Projekte wie der Sovereign Cloud Stack zeigen, dass es Wege gibt, die nicht von einem einzigen Anbieter abhängig sind. Wer sich hier öffnet, gewinnt nicht nur Kontrolle, sondern auch Flexibilität und Sicherheit. Natürlich erfordert ein solcher Wechsel Mut, Planung und Schulung – aber er eröffnet eine IT-Architektur, die auf Offenheit, Transparenz und strategischer Resilienz basiert.

Zudem gehen viele Initiativen inzwischen über reine Betriebssysteme hinaus. Projekte wie GAIA-X oder das OSB Alliance-Projekt „Phoenix“ arbeiten an einem europäischen Gegenmodell zu den dominierenden Hyperscalern. Ziel ist es, eine vertrauenswürdige Cloud-Infrastruktur zu schaffen, die auf europäischen Werten basiert und mit offenen Standards arbeitet. Wer solche Angebote in seine IT-Strategie integriert, baut nicht nur Redundanz, sondern echte Zukunftsfähigkeit auf.

Ein Blick auf internationale und nationale Best Practices zeigt, dass der Weg zu mehr Unabhängigkeit und offenen Systemen nicht nur möglich, sondern erfolgreich gangbar ist. Die französische Gendarmerie Nationale etwa hat über 80.000 Arbeitsplätze auf Ubuntu migriert – mit jährlichen Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe. Auch deutsche Kommunen wie Schwäbisch Hall oder das Auswärtige Amt setzen auf Open-Source-Ansätze mit hoher Stabilität und Akzeptanz. Selbst wenn das bekannte „LiMux“-Projekt in München zurückgefahren wurde, haben viele Lessons Learned aus diesem Vorhaben später zum Aufbau robusterer Migrationsstrategien geführt.

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Auch ein Blick nach Asien lohnt sich. Dort setzen Unternehmen schon lange auf Alternativen, Wettbewerbslösung zu M365 haben dort Marktanteile, die vergleichbar sind mit den Marktanteilen, die Microsoft in Deutschland hat und dies zu wesentlich geringeren Kosten.

Jetzt ist die Zeit für strategische Entscheidungen

Unternehmen, die heute nur auf das nächste Microsoft-Produkt setzen, ohne die Chance zum strukturellen Wandel zu nutzen, verschenken Potenzial. Denn genau jetzt ist der Moment, um grundlegende Fragen zu stellen: Welche Systeme sind kritisch? Wo können alternative Plattformen eingesetzt werden? Wie kann Know-how aufgebaut und transformiert werden? Wer frühzeitig pilotiert, Risiken realistisch bewertet und Mitarbeitende mitnimmt, wird langfristig profitieren – finanziell, sicherheitstechnisch und strategisch. Sicherheit entsteht nicht durch blinden Technologiewechsel, sondern durch mündige Architekturentscheidungen. In Zeiten, in denen IT nicht nur Werkzeug, sondern Fundament unternehmerischen Handelns ist, brauchen wir mehr Weitblick, mehr Eigenverantwortung – und mehr Mut, digitale Wege selbst zu bestimmen.

Wer sich hingegen für die kurzfristig bequemere Lösung entscheidet und sich über Jahre hinweg an kostenpflichtige Supportverträge bindet, verliert wertvolle Zeit – Zeit, in der nachhaltige Transformationsprozesse angestoßen werden könnten. Die Umstellung auf offene Systeme mag anfangs mit Aufwand verbunden sein, doch sie schafft langfristig Unabhängigkeit, Innovationsfreiheit und nicht zuletzt ein höheres Sicherheitsniveau. Denn eine heterogene, modular aufgebaute IT-Landschaft mit transparenten Komponenten ist weniger anfällig für Angriffe und gezielter kontrollierbar als eine zentralisierte, proprietäre Umgebung.

Auch wirtschaftlich kann sich die Diversifizierung lohnen. Die zunehmende Kommerzialisierung und Verschärfung der Lizenzbedingungen großer Anbieter führt zu einer kontinuierlichen Kostensteigerung. Open-Source-basierte Alternativen hingegen bieten kalkulierbare, oft sogar sinkende TCO (Total Cost of Ownership), insbesondere wenn Unternehmen Kompetenzen intern aufbauen oder externe Partnerschaften gezielt einsetzen.

Ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor für den Umstieg ist das Thema Change Management. Die technologische Transformation kann nur dann gelingen, wenn auch die Mitarbeitenden mitgenommen werden. Kommunikation, Schulung und ein aktiver Support im Alltag sind dabei entscheidend. Führungskräfte sollten als Multiplikatoren agieren, Pilotgruppen können Akzeptanz fördern und helfen, reale Probleme frühzeitig zu erkennen. Nur so kann ein Kulturwandel in der IT-Landschaft stattfinden, der nicht nur Systeme betrifft, sondern auch Menschen.

Über den Autor

Thomas Kress ist IT-Sicherheitsexperte und Inhaber der TKUC Group mit den Marken TKUC und TheUnified. Nachdem er über 25 Jahren als IT-Consultant und Projektmanager für namhafte Unternehmen arbeitete, beschloss er, sich im Bereich IT-Sicherheit und Telekommunikation selbstständig zu machen. Seither betreut er u.a. Projekte für Konzerne wie die Deutsche Bank, Orange Business Services oder die Gothaer Versicherung, sowie eine Reihe Industrieunternehmen des deutschen Mittelstandes. TheUnified bietet professionelle IT-Security Lösungen, um Unternehmen perfekt vor Cyberangriffen zu schützen.

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