Die Allianz veröffentlicht ihr Risk Barometer 2025, das die größten Risiken deutscher und internationaler Unternehmen identifiziert. Cybervorfälle und Betriebsunterbrechungen bleiben auf den obersten Plätzen. Mittlerweile wachsen allerdings die Sorgen vor dem Klimawandel sowie über politische Unsicherheit.
Die Sorge vor Extremwettern, Naturkatastrophen und daraus resultierenden Betriebsunterbrechungen steigt in Unternehmen – hinsichtlich des Klimawandels zurecht.
(Bild: Allianz Commercial / Allianz Global Corporate & Specialty SE)
„Viele Unternehmen benennen Cyber als größtes Risiko, das durch die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI) sogar noch verschärft wird. Angesichts der zunehmenden Technologieabhängigkeit wird es wahrscheinlich auch in Zukunft ein Hauptrisiko für Unternehmen bleiben. Der CrowdStrike-Vorfall im Sommer 2024 hat uns vor Augen geführt, wie abhängig wir alle von sicheren IT-Systemen sind“, sagt Rishi Baviskar, Global Head of Cyber Risk Consulting bei Allianz Commercial.
Cybervorfälle besorgen Unternehmen aller Größen
Egal, welche Größe: Cybervorfälle gelten nach wie vor als größtes Geschäftsrisiko für Unternehmen. Im restlichen Ranking gibt es der Allianz zufolge jedoch erhebliche Unterschiede. Kleinere Unternehmen sind eher besorgt über lokale und unmittelbare Risiken wie die Einhaltung von Vorschriften, makroökonomische Entwicklungen und Fachkräftemangel. Es gebe jedoch auch Anzeichen dafür, dass einige der Risiken, die traditionell eher größere Unternehmen beschäftigen, auch kleinere Unternehmen betreffen würden. Hier nennt die Allianz den Klimawandel, politische Risiken und Gewalt.
Dies sind die größten Bedrohungen für deutsche Unternehmen 2025.
(Bild: Allianz Commercial / Allianz Global Corporate & Specialty SE)
Im Vergleich zum Risk Baromenter 2024 hat sich auf Platz eins und zwei in Deutschland nichts verändert. Die Naturkatastrophen steigen hinsichtlich ihrer Bedrohung von Platz fünf auf Platz drei. Und der Fachkäftemangel wird in deutschen Unternehmen nicht mehr wie im Vorjahr als viertgrößtes Risiko wahrgenommen, sondern rutscht auf Platz acht.
1. Cybervorfälle
2. Betriebsunterbrechungen
3. Naturkatastrophen
4. Änderungen von Gesetzen und Vorschriften
5. Feuer oder Explosion
Vanessa Maxwell, Chief Underwriting Officer von Allianz Commercial, kommentiert die Ergebnisse: „2024 war ein außergewöhnliches Jahr für das Risikomanagement. Die Ergebnisse unseres jährlichen Allianz Risk Barometer spiegeln die Unsicherheit wider, mit der viele Unternehmen weltweit konfrontiert sind. Die Vernetzung der Top-Risiken ist in diesem Jahr besonders auffällig, denn Klimawandel, neue Technologien, Regulierung und geopolitische Risiken sind zunehmend miteinander verflochten. Dies führt zu komplexen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung. Unternehmen müssen Resilienz ganz oben auf ihre Agenda setzen, und sich konsequent um die Verbesserung ihres Risikomanagements und ihrer Widerstandsfähigkeit bemühen.“
Betriebsunterbrechungen bedingt durch andere Risiken
Seit zehn Jahren sind Betriebsunterbrechungen im Risk Barometer auf Platz eins oder zwei der größten Bedrohungen für Unternehmen. Sie sind meist eine Folge von Cyberattacken, aber zunehmend auch von Naturkatastrophen. Als Beispiele nennt die Allianz die Huthi-Angriffe im Roten Meer, die zu Unterbrechungen der Lieferkette führten, da Containerschiffe umgeleitet werden mussten. Und auch der Einsturz der Francis Scott Key Bridge in Baltimore hatte direkte Auswirkungen auf globale und lokale Lieferketten.
Laut Allianz treten Disruptionen der Lieferkette mit globalen Auswirkungen etwa alle 1,4 Jahre auf. Dadurch würden für Unternehmen wirtschaftliche Schäden entstehen, die zwischen fünf und zehn Prozent der Produktkosten ausmachen würden. „Das Streben nach technologischem Fortschritt und Effizienz wirkt sich auf die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten aus. Automatisierung und Digitalisierung haben Prozesse erheblich beschleunigt. Bei effektiver Umsetzung erhöhen diese Technologien die Widerstandsfähigkeit, indem sie bessere Datenanalysen, Vorhersagen und agilere Reaktionsmöglichkeiten bieten. Aus diesem Grund wird der Aufbau und die Investition in Resilienz für jedes Unternehmen wichtiger“, sagt Michael Bruch, Global Head of Risk Advisory Services bei Allianz Commercial.
Sorge vor Klimawandel und politische Unsicherheit nehmen zu
Auf Platz drei in Deutschland und auch weltweit stehen in diesem Jahr der Klima und die damit verbundenen Naturkatastrophen. Laut Munichre übersteigen die versicherten Schäden im Jahr 2024 bereits zum fünften Mal 100 Millarden US-Dollar. Die versicherten Schäden durch das Hochwasser in Süddeutschland beliefen sich dem Gesamtverband der Versicherer zufolge allein im Juni 2024 auf etwa zwei Milliarden Euro.
Stand: 08.12.2025
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Auch Geopolitik und Protektionismus bleiben der Allianz zufolge auf dem Radar von Unternehmen. Vor allem für große Unternehmen seien geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten ein erhöhtes Risiko. Die Angst vor Handelskriegen und Protektionismus nehme zu. Des Weiteren würden Analysen, unter anderem der Allianz zeigen, dass die Exportbeschränkungen für kritische Rohstoffe in den letzten zehn Jahren um das Fünffache gestiegen seien.
„Die Auswirkungen neuer Zölle werden ähnlich sein wie bei (Über-)Regulierung: steigende Kosten für alle betroffenen Unternehmen“, erklärt Ludovic Subran, Chefökonom bei der Allianz. „Nicht jede Regulierung ist von Natur aus ‚schlecht‘. In den meisten Fällen ist es die Umsetzung, die das Unternehmensleben erschwert. Nicht nur die Anzahl der Regeln, sondern auch eine effiziente Verwaltung sollte im Mittelpunkt stehen. Eine gründliche Digitalisierung der Behörden ist dringend erforderlich. Allerdings werden wir wohl auch im Jahr 2025 noch vergeblich auf eine entsprechende digitale Strategie warten. Stattdessen drohen Handelskriege. Die Aussichten sind nicht rosig.“