Cloud-Kommunikation absichern Cloud-Telefonie: Wenn Ausfälle Millionen kosten

Ein Gastbeitrag von Christian Stredicke 4 min Lesedauer

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Cloudbasierte Telefonanlagen sind praktisch, doch ein Ausfall kann die gesamte Unternehmenskommunikation lahmlegen. Ohne Backup-Strategie drohen schnell Millionenverluste.

Ein Ausfall der Cloud-Telefonie kann die gesamte Unternehmenskommunikation lahmlegen. Eesiliente Backup-Strategien sind deshalb Pflicht.(Bild: ©  nsit0108 - stock.adobe.com)
Ein Ausfall der Cloud-Telefonie kann die gesamte Unternehmenskommunikation lahmlegen. Eesiliente Backup-Strategien sind deshalb Pflicht.
(Bild: © nsit0108 - stock.adobe.com)

Wenn Cloud-Telefonie ausfällt, steht die Kommunikation im Unternehmen still. Das kann zu potenziellen Millionenschäden führen. Es ist höchste Zeit, technische Schwachstellen zu erkennen und robuste Schutzkonzepte zu entwickeln.

Cloud-Telefonie: Ein Komfort mit Risiken

Cloudbasierte Telefonanlagen und VoIP-Technologie haben sich in vielen deutschen Unternehmen als Standard etabliert und das aus gutem Grund: Sie ermöglichen standortunabhängige Kommunikation, unterstützten hybride Arbeitsmodelle und erlauben schnelle Skalierungen. Doch dieser Komfort birgt auch Risiken. Denn wenn zentrale Dienste bei großen Cloud-Anbietern wie zuletzt im Juni Google Cloud oder Cloudflare ausfallen, steht die Kommunikation im Unternehmen plötzlich still und das bietet Potenzial für dramatische Folgen.

Laut dem Cloud Report 2025 von Bitkom können rund zwei Drittel der deutschen Unternehmen nicht mehr ohne Cloud-Lösungen arbeiten. Was viele dabei unterschätzen: Ein Ausfall kann nicht nur operative Prozesse lähmen, sondern auch ein erhebliches finanzielles Risiko darstellen. Das US-Beratungsunternehmen Gartner hat berechnet, dass eine Minute Ausfallzeit im Schnitt 5.150 Euro kostet. Ein ganztägiger Stillstand verursacht damit Schäden in Millionenhöhe.

Ein Dominoeffekt bei zentralen IT-Strukturen

Die Ursache für die Verwundbarkeit liegt oft in der zentralisierten Struktur vieler Cloud-Dienste. Fällt ein System aus, reißt es in der Regel weitere Anwendungen mit sich. Besonders kritisch ist das für die Unternehmenskommunikation, die immer stärker in die Cloud verlagert wird. Ausfälle bei der Cloud-Telefonie haben direkte Auswirkungen auf die Erreichbarkeit von Mitarbeitenden, die Durchführung von Kundengesprächen oder den Ablauf interner Meetings.

Oft fehlt es an Notfallplänen und technischer Redundanz. Dabei gibt es bewährte Methoden, wie Betriebe sich absichern können: von Multi-Cloud-Strategien bis zu Backup-Konzepten. Ziel muss es sein, die digitale Widerstandsfähigkeit langfristig zu stärken und sich nicht blind auf einen Anbieter zu verlassen.

Multi-Cloud oder Hybrid: Die bessere Absicherung

Ein bewährtes Mittel gegen Totalausfälle sind sogenannte Multi-Cloud-Lösungen. Hierbei verteilen Unternehmen ihre Kommunikationsdienste auf mehrere Anbieter: etwa Cloud-Telefonie über einen europäischen Anbieter und Videokonferenzen über einen anderen spezialisierten Dienst. So lassen sich die Stärken verschiedener Systeme kombinieren und im Fall eines Ausfalls flexibel reagieren.

Ein anderer Weg ist die Hybridlösung, bei der Unternehmen bestimmte Funktionen weiterhin lokal (On Premises) betreiben, während sie andere auslagern. Beispielsweise kann eine firmeneigene Telefonanlage mit einer lokalen Firewall kombiniert werden. Diese erkennt ungewöhnlichen Datenverkehr frühzeitig und kann proaktiv eingreifen. Zwar erfordern On-Premises-Lösungen mehr Wartungsaufwand, bieten aber maximale Kontrolle insbesondere beim Datenschutz.

Auch ein Betrieb durch spezialisierte externe Dienstleister ist möglich, um Skalierungsvorteile mit Kontrolle zu vereinen.

Ohne Backups keine Resilienz

Ein zentrales Element jeder Ausfallsicherheitsstrategie ist die regelmäßige Erstellung von Backups. Bei einem Kundenfall ermöglichte ein extern gespeichertes Backup die schnelle Wiederherstellung nach einem Hackerangriff. Damit konnte auf die Lösegeldzahlung verzichtet werden. Automatisierte Sicherungskopien, die auf externe Server übertragen werden, sollten Standard sein. Problematisch wird es, wenn Cloud-Anbieter keine exportierbaren Backups bereitstellen. In solchen Fällen kann ein Ausfall zur vollständigen Lähmung führen, ohne Wiederherstellungsoption.

Ein weiterer oft unterschätzter Risikofaktor ist die Integration externer Codequellen. Viele Open-Source-Bibliotheken sind in Unternehmen im Einsatz, ohne dass klar ist, wer die Kontrolle darüber hat. Sicherheitslücken wie die XZ-Komprimierungsbibliothek haben in der Vergangenheit gezeigt, wie groß das Risiko sein kann. Sie erforderten hektische Notfall-Patches in kritischen Infrastrukturen. Die EU arbeitet aktuell mit der sogenannten SBOM-Initiative (Software Bill of Materials) an einer höheren Transparenz, doch wie wirksam diese Maßnahmen sein werden, bleibt abzuwarten.

Sicherheit braucht mehr als Vertrauen

Viele Unternehmen verlassen sich blind auf ihre Cloud-Anbieter und das ist ein riskanter Fehler. Einer aktuellen Umfrage zufolge halten nur 44 Prozent ihre IT-Infrastruktur für widerstandsfähig. Gleichzeitig passen 46 Prozent ihre Sicherheitsstrategie nicht an aktuelle Bedrohungen wie generative KI an.

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Besonders kritisch ist die Verwendung von Cloud-Diensten, die Gesprächsinhalte analysieren, um damit KI-Systeme zu trainieren. Oft werden diese Daten später in anderen Kontexten genutzt, schlimmstenfalls sogar zur Analyse der Konkurrenz. Die genauen Nutzungsbedingungen sind häufig schwer verständlich und bevorzugen meist den Anbieter. Daher ist es ratsam, nur mit Diensten zu arbeiten, die keine Inhalte analysieren und transparent mit Nutzerdaten umgehen.

Wer seine digitale Kommunikationsinfrastruktur absichern will, braucht mehr als nur technische Lösungen. Es braucht ein Bewusstsein für Risiken, unabhängige Systeme und einen klaren Plan für den Ernstfall. Unternehmen sollten sich jetzt mit Notfallstrategien, Backup-Konzepten und Anbietertransparenz beschäftigen, bevor es zu spät ist. Denn wie Ex-Intel-CEO Andy Grove es auf den Punkt brachte: Nur die Paranoiden überleben.

Über den Autor: Christian Stredicke ist Gründer und CEO der Vodia Networks Inc. und entwickelt seit über 20 Jahren digitale Kommunikationssysteme und IP-Telefonanlagen für Unternehmen weltweit. Das Unternehmen bietet flexible, sichere und skalierbare Systeme für Branchen wie das Gesundheitswesen, die Hotellerie und den öffentlichen Sektor. Die Telefonanlagen werden am Hauptsitz in Boston sowie am Standort in Berlin entwickelt.

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