SIEM vs. XDR Ist SIEM wirklich tot?

Ein Gastbeitrag von Dino Huber 4 min Lesedauer

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Die Frage „Ist SIEM tot?“ sorgt derzeit für lebhafte Diskussionen in der Cyber Security Community. SIEM war lange Zeit das Fundament der Sicherheits­architektur von Unternehmen, aber neuere Entwicklungen wie XDR stellen die Relevanz traditioneller SIEM-Systeme in Frage. Viele IT-Sicherheits­verantwortliche fragen sich, ob es an der Zeit ist, auf modernere Lösungen umzusteigen.

XDR bietet viele Vorteile gegenüber traditionellen SIEM-Systemen, wie bessere Erkennung und reduzierte Fehlalarme.(Bild:  ipopba - stock.adobe.com)
XDR bietet viele Vorteile gegenüber traditionellen SIEM-Systemen, wie bessere Erkennung und reduzierte Fehlalarme.
(Bild: ipopba - stock.adobe.com)

Security Information and Event Management (SIEM) Systeme werden in zahlreichen Unternehmen weltweit eingesetzt. Laut Gartners „2023 Magic Quadrant for Security Information and Event Management“ nutzen 85 Prozent der großen Unternehmen SIEM-Systeme zur Sicherheitsüberwachung. Die zentrale Stärke von SIEM liegt in der umfassenden Aggregation und Langzeit-Speicherung von Sicherheitsdaten, die eine detaillierte Analyse und Berichterstattung ermöglichen. So entsteht eine zentrale Plattform für die Überwachung und das Management von Sicherheitsvorfällen. Dennoch sind Nutzer von SIEM-Systemen mit Herausforderungen wie hoher Komplexität und erheblichen Kosten konfrontiert.

Herausforderungen und Grenzen von SIEM

Traditionelle SIEM-Systeme haben ihre Grenzen. Ihre Bedrohungserkennung basiert überwiegend auf festen Regeln, was bedeutet, dass neuartige Angriffe teilweise übersehen werden können. Zudem erzeugen die von SIEM-Anbietern vordefinierten Regeln oft eine Alarm Fatigue, eine Flut an Meldungen, darunter auch falsch positive. Sicherheitsexperten stehen dann vor der Herausforderung, die dringlichsten Meldungen herauszufiltern, da die Priorisierung des Systems diese nicht unbedingt aufzeigt. Alternativ zu den vordefinierten Regeln, können auch eigene, zutreffendere SIEM-Regeln und -Trigger verwendet werden. Die Anzahl an Meldungen lässt sich damit reduzieren, jedoch sind der zeitliche Aufwand und die benötigten Ressourcen für eine solche Konfiguration erheblich. Die Komplexität der Systeme führt außerdem dazu, dass hohe Expertise und kontinuierliche Wartung erforderlich sind, um sie effektiv zu nutzen. Diese Limitierungen werfen die Frage auf, ob traditionelle SIEM-Systeme den modernen Sicherheitsanforderungen noch gewachsen sind.

Aufkommen und Vorteile von XDR

Extended Detection and Response (XDR) wird als die nächste Evolutionsstufe in der Cyber Security betrachtet. XDR bietet eine integrierte Lösung zur Erkennung und Reaktion auf Bedrohungen über mehrere Sicherheitslayer hinweg, einschließlich Endpunkt-Geräten, Servern, Netzwerken, Anwendungen und Cloud-Services. Durch die Kombination von Endpoint Detection and Response (EDR) und Managed Detection and Response (MDR) bietet XDR eine verbesserte Übersicht und reduziert die Anzahl an Warnmeldungen durch fortschrittliche Filtermechanismen und intelligente Korrelationstechniken. Dies führt zu präziseren Alarmierungen im Vergleich zu traditionellen SIEM-Systemen.

Laut einer Umfrage der Enterprise Strategy Group (ESG) aus dem Jahr 2023 planen 60 Prozent der befragten Unternehmen, XDR innerhalb der nächsten zwei Jahre zu implementieren. Eine weitere Studie von IDC aus dem Jahr 2023 zeigt, dass 70 Prozent der Sicherheitsteams von einer verbesserten Bedrohungserkennung durch XDR berichten. Zu den Hauptvorteilen von XDR zählen die automatisierte Reaktion auf Bedrohungen, die Entlastung des Sicherheitsteams durch weniger manuelle Eingriffe und der proaktive Ansatz, der die Sicherheit und Resilienz von IT-Systemen nachhaltig erhöht.

XDR integriert Echtzeitdaten aus Endpunkten, Netzwerken und der Cloud und nutzt fortschrittliche Analysen und Maschinelles Lernen, um Bedrohungen effizienter zu erkennen und darauf zu reagieren. Automatisierte Reaktionen auf Sicherheitsvorfälle verkürzen die Reaktionszeit erheblich und reduzieren das Risiko von Schäden. Durch die Verringerung der Anzahl an Fehlalarmen wird das Sicherheitsteam entlastet und kann sich auf die wirklich kritischen Vorfälle konzentrieren.

Synergieeffekte: SIEM und XDR gemeinsam nutzen

Trotz der Vorteile von XDR bedeutet dies nicht zwangsläufig den Tod von SIEM. Vielmehr können SIEM und XDR in Kombination ihre Stärken ausspielen. Während SIEM eine umfassende Datenaggregation und Langzeit-Speicherung bietet, stellt XDR fortschrittliche Erkennungs- und Reaktionsfähigkeiten bereit. Durch die Integration von Echtzeitdaten aus Endpunkten, Netzwerken und der Cloud sowie die Automatisierung von Reaktionen auf Sicherheitsvorfälle können Unternehmen eine bessere Übersicht, reduzierte Fehlalarme und schnellere Reaktionszeiten erzielen.

Für eine erfolgreiche Integration empfiehlt es sich, XDR schrittweise in bestehende SIEM-Umgebungen einzubinden und APIs sowie Integrations-Tools zu nutzen, um beide Systeme miteinander zu verbinden. Diese Kombination kann Unternehmen helfen, eine ganzheitliche Sicherheitsstrategie zu entwickeln, die sowohl die Stärken von SIEM als auch die innovativen Funktionen von XDR nutzt.

Dennoch ist die Kombination von SIEM und XDR nicht die richtige Lösung für jedes Unternehmen. Eine Sicherheitsstrategie muss individuell an die spezifischen Anforderungen und Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens angepasst werden. IT-Dienstleister können hierbei eine wertvolle Unterstützung bieten, indem sie ihre Expertise einbringen und maßgeschneiderte Lösungen entwickeln, die auf die spezifischen Sicherheitsanforderungen des Unternehmens abgestimmt sind.

Ausblick und Zukunftsperspektiven

Wie bei vielen Themen, kann auch hier der zunehmende Einfluss durch Künstliche Intelligenz nicht außer Acht gelassen werden. Eine aktuelle Untersuchung des BSI zeigt, dass die Zukunft der Cyber Security erheblich durch Künstliche Intelligenz beeinflusst wird, da die Technologie sowohl Angreifenden als auch Verteidigenden neue Möglichkeiten bietet. Moderne SIEM- und XDR-Systeme enthalten deshalb oft KI-Module, die in der Lage sind, Anomalien und Muster in großen Datenmengen zu erkennen. Diese Systeme können potenzielle Bedrohungen vorhersagen und Gegenmaßnahmen einleiten, womit traditionelle Systeme meist überfordert sind. KI-gestützte Systeme lernen zudem kontinuierlich und passen sich an neue Bedrohungen an.

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Darüber hinaus ermöglicht KI eine effizientere Analyse großer Datenmengen und die Identifikation von Bedrohungen, die menschliche Analysten übersehen könnten. Diese Technologien können eine effektive Ergänzung zu bestehenden Sicherheitsinfrastrukturen darstellen und die Fähigkeit zur proaktiven Bedrohungserkennung und -abwehr erheblich verbessern.

Schlussfolgerung

Die wichtigste Erkenntnis ist, dass traditionelle SIEM-Systeme nicht zwangsläufig obsolet sind, sondern sich weiterentwickeln müssen. Statt einer Revolution ist eine Evolution notwendig, um den steigenden Anforderungen der Cyber Security gerecht zu werden. Die Integration von SIEM in breitere Sicherheitsstrategien, einschließlich der Nutzung von XDR, kann dabei helfen, die Sicherheitsinfrastruktur zu stärken.

SIEM ist also nur dann tot, wenn es nicht mit der Zeit geht und weiterentwickelt wird. Unternehmen sollten die Chancen nutzen, die neue Technologien mitbringen, um ihre Sicherheitsmaßnahmen zu modernisieren und sich für die zukünftigen Herausforderungen der Cyber Security zu wappnen. Durch die Kombination der Stärken kann eine robuste und resiliente Sicherheitsarchitektur aufgebaut werden, die den komplexen und dynamischen Bedrohungen der heutigen Zeit gewachsen ist.

Über den Autor: Dino Huber ist Geschäftsführer der DATAGROUP Cyber Security Einheit.

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