Update: Weiterhin Ausnahmesituation Ransomware-Angriff auf Berliner Flughafen

Aktualisiert am 30.09.2025 Quelle: dpa 4 min Lesedauer

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Rund eine Woche nach dem Cyberangriff auf den Berliner Flughafen kommt es dort immer noch zu Verspätungen und Ausfällen. Mittlerweile ist klar, dass ein Ransomware-Angriff auf einen Drittanbieter an den Störungen schuld ist.

Wer von Berlin aus mit dem Flugzeug reisen will, muss sich aufgrund eines Cyberangriffs auf längere Wartezeiten einstellen.(Bild: ©  Bojan - stock.adobe.com)
Wer von Berlin aus mit dem Flugzeug reisen will, muss sich aufgrund eines Cyberangriffs auf längere Wartezeiten einstellen.
(Bild: © Bojan - stock.adobe.com)

Auch Tage nach dem Cyberangriff auf Collins Aerospace am Abend des 19. Septembers 2025 hat der Berliner Flughafen noch mit Problemen bei der Passagierabfertigung und Gepäckaufgabe zu kämpfen. Reisende müssen sich weiterhin auf Verspätungen und einzelne Flugausfälle einstellen, weil ein IT-System nach einem Cyberangriff vor gut einer Woche immer noch nicht läuft. Es herrsche weiter eine Ausnahmesituation, sagte ein Flughafensprecher. Am Sonntag, den 28. September 2025, wurden demnach bis mittags acht Ankünfte und sechs Abflüge gestrichen. Insgesamt waren rund 600 Flüge für 88.000 Passagiere geplant. Wann alles wieder funktioniert, dazu gab der Sprecher keine Prognose ab. Es könne noch mehrere Tage dauern. Auch die Flughäfen in London, Dublin und Brüssel waren durch die Cyberattacke eingeschränkt.

Am Nachmittag des 22. Septembers hatte der Berliner Flughafen noch mitgeteilt, dass die Betriebsabläufe stabil liefen und sich die Beeinträchtigungen im Rahmen halten würden. Am 24. September folgte ein Update, in dem es hieß, dass „die Bereitstellung einer funktionsfähigen und sicheren Software“ noch mehrere Tage dauern könne. Der Flughafen Berlin-Brandenburg habe weitere Experten hinzugezgen und arbeite intensiv an einer Lösung. Der Deutschen Presse-Agentur (DPA) zufolge arbeiteten inzwischen 20 IT-Experten des Dienstleisters Collins rund um die Uhr an der Wiederherstellung, sagte der Flughafen-Sprecher. Das System müsse ganz neu aufgebaut werden. Für die Gepäckabfertigung sei ein vorläufiges Alternativ-System zum Laufen gebracht worden.

Ransomware-Attacke ist schuld

Der Cyberangriff legte die gemeinsamen elektronischen Systeme für die Abfertigung von Passagieren und Gepäck lahm, die über die Plattform des Anbieters Collins Aerospace liefen. Wie die Cybersicherheitsagentur der Europäischen Union (Enisa) nun erklärte, steckte hinter dem Cyberangriff eine Ransomware-Attacke. Die britischen Behörden haben einen Verdächtigen festgenommen. Der Mann stehe unter Verdacht, gegen das Gesetz zur Bekämpfung von Computer- und Cyberkriminalität verstoßen zu haben, teilte die National Crime Agency (NCA) der Nachrichtenagentur PA zufolge mit. Der Mann wurde unter Auflagen wieder freigelassen.

Ransomware-Angriffe gehören seit Jahren zu den größten Bedrohungen für Firmen und öffentliche Einrichtungen. Besonders kritisch sind Attacken auf Infrastrukturen wie Transport, Energie oder Gesundheitssysteme, da sie für die Funktionsfähigkeit des Alltags unverzichtbar sind.

Vor Neustart der Systeme gründliche Prüfung nötig

Der Berliner Flughafensprecher betonte, man versuche alles, was möglich sei, um die Abläufe zu organisieren. Zunächst sei nur ein Flug abgesagt worden. „Bevor wir unser System wieder koppeln, müssen wir hundertprozentig sicher sein, dass keine Schadprogramme mehr ent­halten sind.“ Zuvor werde es daher eine gründliche Prüfung geben. Einen Zeitrahmen dafür könne man noch nicht mitteilen.

Fluggäste wurden weiterhin gebeten, im Internet einzuchecken und ihr Gepäck nach Möglichkeit selbstständig an den Automaten aufzugeben. Auf der Internetseite des Flughafens war zu sehen, dass frühmorgens viele Flüge ohne Verspätung gestartet waren. Dann kam es im Laufe des Vormittags aber immer wieder zu verspäteten Starts. Meist lag die Verzögerung aber unter einer Stunde.

Wegen der Attacke meldeten die Flughäfen Berlin, Brüssel, Dublin und London Heathrow Probleme bei der Passagierabfertigung. Die anderen großen deutschen Flughäfen waren nicht betroffen.

An den Flughäfen hatte es daraufhin am Samstag (20.9.) und Sonntag (21.9.)Warteschlangen und Verspätungen bei einem Teil der Flüge gegeben. Zum Teil arbeiteten die Fluglinien mit Papier und Stift statt mit den üblichen Computern. Später wurden Tablets eingesetzt. Koffer konnten ihren Besitzern erst am nächsten Tag nachgeschickt werden.

Mehr als zehntausend zusätzliche Passagiere wegen Marathon

Der Berliner Flughafen hatte bereits am Wochenende angekündigt, dass die Rückflüge der Marathonläufer schwierig werden könnten: mit 95.000 Passagieren würden viel mehr Menschen erwartet als an einem normalen Montag mit 75.000 bis 85.000.

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Der Londoner Großflughafen Heathrow teilte mit, das Einchecken und der Einstieg in die Flugzeuge könne bei manchen Flügen länger dauern als gewohnt. Passagiere wurden auf­gerufen, den Status ihrer Verbindungen zu prüfen, bevor sie zum Flughafen fahren. Der größte Teil der Flüge in Heathrow könne dank Ersatzlösungen durch die Fluggesellschaften aber planmäßig durchgeführt werden.

Der Flughafen in Brüssel teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, die meisten Flugverbindungen könnten stattfinden. Allerdings mussten 40 der 277 geplanten Abflüge gestrichen werden. Zudem wurden 23 von 277 Ankünften annulliert. Der Check-In erfolge nun hauptsächlich mit Laptops und iPads. Wann man wieder zum normalen Verfahren zurückkehren könne, sei noch unklar.

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