Digitale Kaperfahrt Cyberbedrohungen auf hoher See

Ein Gastbeitrag von Ulf Baltin 2 min Lesedauer

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Die weltweite Schifffahrt funktioniert vor allem mithilfe der Interkonnektivität nautischer Technologien. Durch den immensen Datenaustausch an sämtlichen Endpoints entstehen zwangsläufig Schwachstellen, die mehr und mehr als Zielscheibe für Cyberattacken dienen. Der folgende Überblick verdeutlicht, welche Maßnahmen Unternehmen ergreifen können, um sich wirksam dagegen abzusichern.

Der Einsatz von KI zur Identifizierung hochwertiger Ziele auf See könnte eine natürliche Weiterentwicklung für Cyber-Piraterie sein.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Der Einsatz von KI zur Identifizierung hochwertiger Ziele auf See könnte eine natürliche Weiterentwicklung für Cyber-Piraterie sein.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Auf der ganzen Welt wird die Schifffahrtsindustrie digitalisiert und dadurch anfälliger für Cyberangriffe. Bedrohungsakteure haben die maritime Branche als lukratives Ziel erkannt, denn Schiffe integrieren immer mehr vernetzte Systeme und verbinden sich mit digitalen Netzwerken. Die Folge: eine vergrößerte Angriffsfläche. Oft weist die Betriebstechnologie von Schiffen Sicherheitslücken auf, wie zum Beispiel eine mangelnde Authentifizierung. Dadurch können Angreifer Netzwerke mit schadhaften Befehlen überfluten, bevor die Besatzung reagieren kann.

In einem realistischen Szenario, das im Cyber-SHIP Lab der Universität Plymouth durchgespielt wurde, nutzten Angreifer eine Phishing-E-Mail, um Malware auf einem Containerschiff zu installieren. Die Malware wartete auf GPS-Koordinaten und überlastete dann die Kommandosysteme. Ergebnis: Die Brücke wurde außer Kraft gesetzt und die Motoren auf Vollleistung gebracht wurden. Innerhalb von 2,5 Minuten kam das Schiff vom Kurs ab und lief auf Grund, wodurch eine wichtige Schifffahrtsrinne für Tage blockiert wurde. Dieser Zwischenfall würde Unterbrechungen des Handelsverkehrs in einem Volumen von über 1,6 Milliarden US-Dollar verursachen.

Zunehmende Cybervorfälle in der Schifffahrtsbranche

Ähnliche Vorfälle zeigen, dass die Risiken für die Schifffahrt zunehmen. Der NotPetya-Angriff 2017 traf den Schifffahrtriesen Maersk schwer. Kürzlich meldeten auch andere Unternehmen wie MarineMax und Brunswick Corporation Cyberangriffe mit erheblichen finanziellen Schäden. Bedrohungsakteure zielen mit hoher Treffsicherheit auf die europäische Frachtschifffahrt ab.

Parallel hinkt die Schifffahrtbranche bei der Cybersicherheit hinterher. Schiffe operieren oft in abgelegenen Gebieten mit eingeschränkter Konnektivität – eine erhebliche Beeinträchtigung für viele Sicherheitslösungen. Ältere Systeme, die bereits bis zu 30 Jahre im Einsatz sind, erschweren Sicherheitsmaßnahmen zusätzlich. Regulierungsbehörden beginnen jedoch, Cybersicherheitsanforderungen einzuführen, um dem wachsenden Risiko zu begegnen. Eine strenge Kontrolle der Lieferketten und Zulieferer ist ebenfalls von großer Bedeutung.

Empfehlungen zur Stärkung der maritimen Cybersicherheit

Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören die Implementierung verlässlicher Protokollierung zur Erkennung von Eindringlingen, Notfallpläne, die regelmäßig getestet werden, strenge Lieferantenkontrolle und Überwachung der Schiffsinfrastruktur. Hinzu kommen Zero-Trust-Strategien mit Netzwerksegmentierung, kontinuierlicher Zugangskontrolle und Validierung, kontrollierte Software-Updates, um Angriffe auf die Software-Lieferkette zu vermeiden, sowie Mitarbeiterschulungen zum Bewusstsein für Cyberrisiken. Die Nutzung von zuverlässigen maritimen Abwehrstrategien und Plattformen zum Schutz von Endgeräten in abgeschotteten Schiffsumgebungen ist ebenfalls essenziell.

Ausblick auf zukünftige Cyberbedrohungen

Es wird erwartet, dass sowohl staatliche Akteure als auch nicht-staatliche Akteure wie Piraten in Zukunft verstärkt Cyberangriffe auf die Schifffahrt durchführen werden. Der Einsatz von KI zur Identifizierung hochwertiger Ziele auf See könnte eine natürliche Weiterentwicklung für Cyber-Piraterie sein. Da Angreifer die enormen potenziellen Erträge durch Erpressung, Sabotage oder Datendiebstahl erkennen, ist davon auszugehen, dass maritime Cyberbedrohungen von allen Seiten kommen werden.

Über den Autor: Ulf Baltin ist Managing Director bei BlackBerry DACH.

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