Risiken der vernetzten Welt, Teil 5

Daten-Crash im intelligenten Auto

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Wo das intelligente Auto an seine Grenzen stößt

Die örtlichen, zeitlichen, verkehrstechnischen und -rechtlichen Bedingungen werden kalkuliert – aber: „Hohes Tempo und fehlende Mittelleitplanke – Landstraßen sind für autonome Autos die größte Herausforderung“, vertraute Werner Huber, Leiter Forschungsgruppe Fahrerassistenz und Perzeption bei BMW der Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ an.

Die Sensor-Daten werden von bis zu 200 Computern verarbeitet. Bei einem Unfall soll das in Europa ab 2018 vorgeschriebene eCall-System automatisiert Hilfe holen. Umgekehrt soll Dieben demnächst der Motor aus der Ferne abgestellt werden können.

Fernab von der „Safety“ stehen auch noch die Fragen nach der „IT Security“ im Raum. Denn die fahrenden Rechenzentren sind nach Ansicht von Andry Rakotonirainy, Professor der Australischen Queensland University, sicherheitstechnisch auf dem Stand der 1980er Jahre. Die Probleme gehen dabei schon vor Fahrtantritt los.

Menschliche Interaktion ist nicht immer erwünscht

Offenbar dienen die intelligenten Systeme den Dieben als Einstiegshilfe. 2012 sollen in Großbritannien „ungewöhnlich“ viele BMW gestohlen worden sein: Mit Elektronik für 30 Dollar scheinen Nachschlüssel hergestellt worden zu sein. „Jeder Idiot“ könne das, entrüsteten sich die Sicherheitsberater der Firma Sophos seinerzeit.

Betroffen war aber nicht nur BMW, sondern auch Opel, Renault, Mercedes, Volkswagen und Toyota sowie der Porsche Cayenne. Im Januar 2015 wurde bekannt, dass eine Sicherheitslücke im BMW-System ‚ConnectedDrive‘ es erlaubte, die Autos per Mobilfunk in Minutenschnelle und spurlos von außen zu öffnen. BMW will die Daten künftig per 'https' verschlüsseln, streitet aber ab, dass sie bislang unverschlüsselt waren. Unbeantwortet bleibt, welcher Algorithmus bislang verwendet wurde.

Entkommen kann man den Risiken kaum: 2013 demonstrierten die Wissenschaftler Charlie Miller und Chris Valasek an einem Ford Escape, dass sie mithilfe eines Notebooks die Bremsen außer Kraft setzten konnten. Dabei war der Laptop noch per Kabel mit der Fahrzeugsteuerung verbunden. Das Kabel soll sich jedoch auch durch ein klein wenig Hardware im Wert von 20 US-Dollar ersetzen lassen. Manche Fahrzeuge lassen sich womöglich auch ganz ohne physischen Zugang kompromittieren.

Im Sommer 2014 prüften Miller und Valasek 20 Fahrzeuge. Am leichtesten sollen sich demnach die aktuellen Modelle von Jeep Cherokee, Cadillac Escalade und Infiniti Q50 angreifen lassen. Die Hersteller Ford, GM und Toyota müssen sich wegen der logischen Löcher in ihren Fahrzeugen derzeit mit einer Sammelklage herumschlagen. Am wenigsten anfällig sollen die jüngsten Varianten von Dodge Viper, Audi A8 und Honda Accord sein.

Risiken der zunehmenden Vernetzung

Als ob die Angriffsfläche nicht schon groß genug wäre, können Autofahrer ihre intelligenten Fahrzeuge nun noch mit sozialen Medien, Smartphones und Smart Watches sowie Datenbrillen vernetzen. Auch die Kopplung mit dem Heimnetz ist möglich, etwa um per „Fernsteuerung“ einzuparken oder (Stand-)Heizungen zu bedienen.

Ob das eine gute Idee ist, steht auf einem anderen Blatt: In einer Studie warnt der Telekommunikationsanbieter BT davor, dass kompromittierte Telefon über Bluetooth, USB, WLAN und andere Schnittstellen Schadsoftware ins Auto liefern könnten. Zumindest im Bereich der Hard- und Software konnten die Entwickler bereits Erfahrungen mit Malware sammeln.

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