Kommentar von Arjan van Staveren, Snowflake Daten und KI – auf dem Weg zu einer sicheren und rechtskonformen Strategie

Von Arjan van Staveren 5 min Lesedauer

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Gesetze zur Datennutzung und -verwaltung ändern sich ständig – auch im Hinblick auf Künstliche Intelligenz (KI). Unternehmen, die auch in Zukunft erfolgreich sein wollen, sollten sich deshalb durch eine vorausschauende Compliance- und Data-Governance-Strategie absichern.

Der Autor: Arjan van Staveren ist Country Manager Deutschland bei Snowflake(Bild:  www.berndducke.de)
Der Autor: Arjan van Staveren ist Country Manager Deutschland bei Snowflake
(Bild: www.berndducke.de)

Gemessen an dem Hype, den Künstliche Intelligenz derzeit erlebt, könnte man meinen, dass Unternehmen bereits alles daransetzen, um das Maximum aus der neuen Technologie herauszuholen. Doch weit gefehlt: Tatsächlich haben laut einer Umfrage des ifo-Instituts bisher erst 13,3 Prozent der deutschen Firmen KI-Tools und -Modelle im Einsatz. Bei weiteren 9,2 Prozent ist dies in Planung und immerhin 36,7 Prozent diskutieren mögliche Anwendungsszenarien.

Wo diese derzeit liegen, verdeutlichen die Ergebnisse einer Befragung, die Snowflake im Rahmen seiner Data Cloud World Tour in Berlin unter 270 Expertinnen und Experten aus den Bereichen IT und Data Science durchführte: Zu den wichtigsten drei Anwendungsbereichen gehören laut den Befragten die Informationsbeschaffung (45 %), dicht gefolgt von Chatbots (44 %) sowie Prognosen und Automatisierungen (39 %). Im Zentrum steht dabei vor allem die Verbesserung der Kosten- und Zeiteffizienz – für immerhin 60 Prozent stellt das die spannendste Einsatzmöglichkeit von KI dar.

Diejenigen, die sich jetzt schon intensiv mit den neuen Möglichkeiten auseinandersetzen, haben die Chance, sich einen erheblichen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Doch Achtung: Innovationsgeist ist nur die halbe Miete. Mindestens ebenso wichtig wird es zukünftig nämlich sein, flexibel mit den neuen Regularien mitwachsen zu können.

Neue Gesetze stellen Unternehmen auf die Probe

Die Menge an Daten, die jedes Jahr verarbeitet wird, wächst exponentiell. Die Gesetzgebung hinkt dieser Entwicklung zwar regelmäßig hinterher, ist aber ebenso bemüht, sich den neuen Voraussetzungen zeitnah anzupassen. Wie sehr nicht nur einzelne Branchen, sondern die gesamte Wirtschaft durch solch neue Richtlinien ins Straucheln geraten können, hat die Einführung der DSGVO im Mai 2018 eindrucksvoll bewiesen. Zwar war die neue Verordnung, die eine vereinheitlichte Verarbeitung personenbezogener Daten zum Ziel hatte, bereits lange angekündigt, und trotzdem ächzte die Mehrzahl der Unternehmen unter der enormen Mehrarbeit. Andere – vor allem kleinere Betriebe – fühlten sich aus Angst, unwissentlich gegen die neue Gesetzgebung verstoßen zu können, wie gelähmt.

Ein ähnliches Chaos könnte allen, die Künstliche Intelligenz nutzen, nun bald erneut bevorstehen. Im Rahmen des AI Acts möchte die Europäische Union KI-Anwendungen bestimmten Risikogruppen zuordnen – je riskanter die Anwendung, desto strenger die Regulierung. Wann genau die neue Verordnung in Kraft treten könnte, ist allerdings noch unklar. Das bedeutet, dass sich Unternehmen in Sachen KI auch weiterhin auf unsicherem Terrain bewegen. Sicher ist jedoch eines: Letzten Endes werden sich nur diejenigen durchsetzen können, denen es gelingt, sich neu eingeführten Vorschriften flexibel anzupassen. Darwins Leitspruch „Survival of the Fittest“ gilt eben auch im Unternehmenskontext.

Die Bedingungen ändern sich – und das rasant

Deutsche Unternehmen stehen derzeit vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Den Einsatz innovativer KI-Modelle zu erproben und gleichzeitig der sich ständig wandelnden Gesetzeslage gerecht zu werden, sind zwei davon – und die Implementierung eines Data-Governance-Rahmenwerks ist Teil der Lösung. Mithilfe einer effektiven und umfassenden Data-Governance-Strategie bekommen Unternehmen die Chance, personenbezogene Informationen und andere sensible Daten sicher zu speichern, zu verwalten, nahezu in Echtzeit zu überwachen und zu schützen – und zwar sowohl bei der internen als auch bei der externen Zusammenarbeit. Dies gilt für Datenänderungen genauso wie für neu eingehende sensible Daten, ohne dass ein manuelles Eingreifen und eine Anpassung bestehender sicherer Arbeitsabläufe erforderlich sind.

Eine Data-Governance-Strategie, die dauerhaften Erfolg garantiert, muss allerdings nicht nur effizient und skalierbar sein – ihr Blick muss sich stets mit einem Auge auch in die Zukunft richten. Die Technologie schreitet schnell voran, sodass es immer schwieriger wird, mit den Fortschritten in den Bereichen Sicherheit und Governance Schritt zu halten. Für Unternehmen ist es deshalb umso wichtiger, schon heute über die Rahmenbedingungen und Gesetze nachzudenken, mit denen in den kommenden Jahren zu rechnen ist. Generative KI und derzeit aufkommende Large Language Models (LLMs) sind gute Beispiele für die Veränderungen, die die Technologie derzeit durchlebt.

Unternehmen brauchen eine zukunftssichere Datenstrategie

Mit der zunehmenden Verbreitung von LLMs in Unternehmen steigt die Menge sensibler Daten, die von diesen Modellen für Trainingszwecke verarbeitet werden. Dies birgt jedoch die Gefahr, dass die Modelle gegen verschiedene Compliance-Anforderungen verstoßen – insbesondere im Kontext von Datenschutzbestimmungen wie der DSGVO. Aktuell fehlt ein klar definierter Prozess, um Daten aus bereits trainierten Modellen zu entfernen, was die Herausforderung für Unternehmen zusätzlich verstärkt.

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Obwohl der von der Europäischen Union geplante AI Act solche Aspekte voraussichtlich berücksichtigen wird, unterliegen Gesetze zur Nutzung und Verwaltung von Daten ständigen Veränderungen. Unternehmen müssen daher in der Lage sein, flexibel und umfassend auf diese Veränderungen zu reagieren, indem sie auf automatisierte Sicherheits- und Compliance-Workflows setzen. Eine zunehmende Automatisierung in diesen Bereichen reduziert nicht nur das Risiko von Störungen in bestehenden Abläufen, Produkten und Erfahrungen – sie minimiert auch potenzielle Fehler durch manuelle Eingriffe, wodurch das Gesamtrisiko von Sicherheits- und Compliance-Verstößen weiter verringert werden kann.

Übergreifende Zusammenarbeit ist ein absolutes Muss

Um eine Datenstrategie erfolgreich zu skalieren, ist eine effektive Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Teams unabdingbar. Häufig arbeiten Expertinnen und Experten für Sicherheit, Governance und Compliance getrennt von den Datenteams, die für die Modernisierung der IT-Infrastruktur verantwortlich sind. Diese Trennung kann jedoch zu enormen Reibungsverlusten führen, da unterschiedliche Ansichten über Sicherheit und Compliance bestehen. Ein Beispiel ist die mögliche Zurückhaltung des Compliance-Teams aufgrund von Bedenken bezüglich gesetzlicher Vorschriften, während Datenplattformteams technologische Innovationen vorantreiben möchten.

An dieser Stellschraube müssen Unternehmen unbedingt drehen, um sich nicht selbst im Weg zu stehen. Datenverantwortliche und Compliance-Beauftragte sollten aktiv in Datenplattform-Teams integriert sein und eng mit Datenarchitekten zusammenarbeiten. Eine solche Kooperation über die verschiedenen Teams hinweg ermöglicht ein gemeinsames Verständnis für die bestehenden Herausforderungen und unterstützt die Skalierung der Strategie mit minimalen Störungen.

Die passende Datenplattform mit Multi-Cloud-Fähigkeiten, hoher Automatisierung und entsprechenden Sicherheitsmechanismen kann dabei helfen, die einzelnen Stränge miteinander zu verbinden. Automatische Klassifizierung und skalierbare Zugriffsrichtlinien sind dabei entscheidende Funktionen. So können Unternehmen eine konsistente Anwendung von Sicherheits-, Governance- und Compliance-Maßnahmen über verschiedene Technologie-Stacks und -Services hinweg ermöglichen.

Wer morgen profitieren will, muss heute handeln

Dass ChatGPT für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, ist gerade einmal ein Jahr her. Inzwischen zählt das generative KI-Tool aus dem Hause OpenAI weit über eine Milliarde Besuche pro Monat und laut der aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie haben 15 Prozent der Deutschen ChatGPT schon einmal benutzt. Welchen Stand KI-Technologien in den kommenden zwölf Monaten erreichen werden, ist nur schwer einzuschätzen – sicher ist jedoch, dass das Tempo auf absehbare Zeit nicht abnehmen wird. Umso wichtiger ist es für Unternehmen, die von den neuen Möglichkeiten profitieren wollen, dass sie schon heute beginnen, an dem nötigen Compliance- und Data-Governance-Rahmenwerk zu arbeiten. Nur so werden sie auf lange Sicht in der Lage sein, auf der Welle zu schwimmen, anstatt unter ihrem Gewicht unterzugehen.

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