Datengetriebene Ansätze datenschutzkonform umsetzen. Datenkompetenz stärkt Resilienz und Datenschutz

Ein Gastbeitrag von Magdalena Pawlitko 5 min Lesedauer

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Wir leben in einer Zeit, in der datengetriebene Technologien die Geschäfts­land­schaft ständig neu definieren und die Anforderungen an den Datenschutz stetig wachsen. Vor diesem Hintergrund ist es unerlässlich, dass Unternehmen nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen verstehen und einhalten, sondern auch die Chancen erkennen, die sich aus einem proaktiven internen Datenschutzmanagement ergeben.

Unternehmen müssen internes Know-how zu Datenregulierung und Datenschutz aufbauen und die Datenkompetenz ihrer Mitarbeiter stärken.(Bild:  jamesteohart - stock.adobe.com)
Unternehmen müssen internes Know-how zu Datenregulierung und Datenschutz aufbauen und die Datenkompetenz ihrer Mitarbeiter stärken.
(Bild: jamesteohart - stock.adobe.com)

Das Thema Datenschutz steht in diesem Jahr mehr denn je im Fokus der Aufmerksamkeit von Wirtschaft und Gesellschaft. Für viele Unternehmen ist das Sammeln von Daten zu einem unverständlichen und hochkomplexen Prozess geworden. Die Abschaffung von Third-Party-Cookies, Browser-Einschränkungen, niedrige Zustimmungsraten und Werbeblocker sind im Marketing an der Tagesordnung. Verschärft wird die Verunsicherung durch eine Reihe gesetzlicher Vorgaben, wie den EU Data Act, die den Umgang mit Daten innerhalb der EU regeln und vereinheitlichen sollen. Auch die rasanten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und der oft unkontrollierte Einsatz entsprechender Technologien in Unternehmen machen es dringend erforderlich, ein gemeinsames Verständnis und eine Kontrolle über die Datenregulierung und den Datenschutz im eigenen Haus zu entwickeln.

Die DSGVO hilft nur bedingt

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hilft dabei laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage nur bedingt. Obwohl 67 Prozent der befragten Unternehmen die DSGVO als weltweite Regelung für den Umgang mit personenbezogenen Daten loben und die Hälfte der Befragten glaubt, dass sie zu einheitlichen Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU führt, offenbart die Umfrage auch Herausforderungen. So sehen 70 Prozent der Unternehmen aufgrund der unterschiedlichen Auslegung der DSGVO in den Mitgliedsstaaten noch keinen EU-weit einheitlichen Datenschutz. Zudem erkennen 40 Prozent der Unternehmen keinen Wettbewerbsvorteil durch die DSGVO auf dem internationalen Markt.

Resilienter durch internes Wissensmanagement

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit für Unternehmen, internes Know-how zu Datenregulierung und Datenschutz aufzubauen. Ein großes Missverständnis dabei ist übrigens, dass Datenschutz und Marketing nicht Hand in Hand gehen können. Ein Irrglaube, denn Kunden sind sogar eher bereit, ihre Daten weiterzugeben, wenn die Unternehmen die Vorschriften einhalten und den Datenschutz fördern – so das Ergebnis einer Studie von EOS (pdf). Insofern sollten IT- und Marketing-Verantwortliche einen genaueren Blick dafür haben, mit welchen Herausforderungen die Teams im Marketing konfrontiert werden.

Der Aufbau von Datenkompetenz stärkt die Resilienz und hilft nicht nur, regulatorische Risiken und Fehlverhalten zu minimieren, sondern auch, das Vertrauen von Kunden und Partnern zu stärken und sich im globalen Markt differenziert zu positionieren. Auch wichtig: Internes Know-how hilft, die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern zu verbessern und sich dort, wo es sinnvoll erscheint, von diesen unabhängig zu machen, um Kosten zu sparen. Eigene „Data Task Forces“ tragen darüber hinaus dazu bei, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und im Sinne eines attraktiven Employer Branding die Bindung an das Unternehmen zu festigen. Fest steht: Die eigene Belegschaft zu ermächtigen, ist immer ein ratsamer Schritt. Dieser hilft auch dann, wenn Unternehmen – insbesondere größere Betriebe – erwägen, sich Unterstützung von außen zu holen.

Exkurs: Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern

Bei der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern sollten sich Unternehmen vorab die Frage stellen, ob die in Betracht gezogene Business-Software dabei hilft, alle Datenschutzgesetze der Märkte einzuhalten, in denen das Unternehmen tätig ist und in denen es tätig werden will. Dazu gehört die Frage: Welche Sicherheitsmaßnahmen hat der Anbieter ergriffen, um Daten vor unbefugtem Zugriff oder Verstößen zu schützen? Wie ausgeklügelt sind die Privacy Features? Es ist ratsam, alle Datenflüsse zwischen den Technologien zu überprüfen und sicherzustellen, dass sie nicht unkontrolliert an Dritte weitergegeben werden. Dazu gehört auch der Abschluss von umfassenden Datenverarbeitungsverträgen (DPAs) oder Data-Sharing-Vereinbarungen mit den Anbietern. In diesen sollten die Pflichten, Verantwortlichkeiten und Rechte beider Parteien in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit festgelegt werden. Darüber hinaus wird empfohlen, die Datenschutz- und Sicherheitspraktiken der Anbieter im Rahmen einer fortlaufenden Due-Diligence-Prüfung zu evaluieren, um die Datenschutz- und Sicherheitspraktiken der Anbieter zu bewerten.

Wissen verankern: Eigenständig, gewissenhaft, proaktiv

Um die Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, eigenverantwortlich, gewissenhaft und proaktiv mit Daten umzugehen, sind regelmäßige Schulungen und Weiterbildungen zur Sensibilisierung für Datenschutz und Datenregulierung unerlässlich. Diese sollten nicht nur die rechtlichen Grundlagen umfassen, sondern auch auf die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Branche und die praktische Anwendung im Arbeitsalltag eingehen.

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Unternehmen müssen auch klare Datenschutzrichtlinien und -verfahren einführen, die leicht zugänglich und verständlich sind. Dazu gehören eindeutige Anweisungen für den Umgang mit Daten und die Nutzung von Tools in verschiedenen Situationen sowie die Verantwortlichkeiten der Mitarbeitenden. Die Bereitstellung geeigneter Werkzeuge und Ressourcen unterstützt die Mitarbeiter bei der effektiven Umsetzung der Datenschutzbestimmungen. Dazu gehören sichere Systeme zur Datenspeicherung und -verarbeitung, Tools zur Datenverschlüsselung und -anonymisierung sowie der Zugang zu Expertenwissen, beispielsweise durch interne Datenschutzbeauftragte.

Alle Unternehmensabteilungen müssen den Wert eines datengestützten Ansatzes für ihre Arbeit erkennen – und nicht nur IT- und Marketing-Verantwortliche allein. Der Schlüssel dazu ist eine effektive Zusammenarbeit zwischen den Teams und eine effiziente Nutzung ihrer Ressourcen, damit sie sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Da sich die Datenschutzgesetze ständig ändern, sollten die Teams innerhalb eines Unternehmens regelmäßig mit der Rechtsabteilung zusammenarbeiten.

Fazit: Offener Dialog über Datenschutzfragen

Die Schaffung einer Datenschutzkultur im Unternehmen ist der Schlüssel zu einem verantwortungsbewussten Umgang der Mitarbeiter mit Daten. Führungskräfte sollten mit gutem Beispiel vorangehen und den Datenschutz als integralen Bestandteil der Unternehmensethik etablieren. Dazu gehört auch, die eigene Belegschaft zu ermutigen, eigenverantwortlich zu handeln und Datenschutzbedenken zu äußern. Hier ist ein offener Dialog über Datenschutzfragen wichtig sowie die Möglichkeit, Bedenken anonym äußern zu können.

Eines der wichtigsten Stichworte in diesem Jahr im Zusammenhang mit Daten ist auch das Thema „Data Ownership“, also das Eigentum an Daten. Unternehmen sollten sich darüber im Klaren sein, dass Google das Tracking über Third-Party-Cookies bis Ende 2024 komplett abschaffen wird. Somit sind First-Party-Daten aus eigenen Quellen das Fundament dafür, dass ein Unternehmen die volle Kontrolle über betriebliche Prozesse. Nur so kann es alle datenschutzrechtlichen Anforderungen erfüllen.

Entscheidend ist, dass die Teams die vergangenen Jahre genutzt haben, um sich auf diese Veränderung vorzubereiten und ihre digitalen Analyse- und Marketingaktivitäten entsprechend anzupassen. Dies betrifft die Datenstrategie, den Datenschutz, die organisatorischen Prozesse, die Technologie und nicht zuletzt die Denkweise. Unnötige oder übermäßige Datensammlungen müssen vermieden werden, um Datenschutzrisiken zu minimieren. Dies muss auch transparent kommuniziert werden. Sobald der Datenbedarf der verschiedenen Teams bekannt ist, müssen KPIs definiert werden. Erst dann können die spezifischen Anforderungen an die digitale Analyse und die entsprechenden Tools festgelegt werden.

Über die Autorin: Magdalena Pawlitko ist Head of Global Sales bei Piwik PRO.

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