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Industrie 4.0

Datenschutz in der Industrie 4.0

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Datenverarbeitung bringt Unternehmen an vertragliche Grenzen

Die Verarbeitung großer Datenmengen sowie die aus der Verarbeitung heraus entstehenden neuen Rechtsbeziehungen treiben die Unternehmen nicht selten an vertragliche Grenzen, wie sie unter anderem bei der Risikoabschätzung zum Einsatz kommen. Die Notwendigkeit neuer Vertragsmodelle ist die logische Konsequenz. Nur so kann die Kontrollierbarkeit und die Hoheit über die Daten dauerhaft gewährleistet werden. Im Umkehrschluss sollen natürlich die Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nicht eingeschränkt werden. Rechtlich und vertraglich relevant ist ebenso der Bereich der Haftung. Der notwendige Austausch sensibler Daten birgt die Gefahr, dass sich unbefugte Dritte Zugriff verschaffen oder jene Daten vereinbarungswidrig verarbeitet werden. Das ist der Fall, sobald die erhobenen Daten für den Produktionsprozess verwendet, später jedoch zweckändernd weitergenutzt werden.

Datenschutzrechtliche Anforderungen ergeben sich vor allem auch für kundenorientierte Produkte, wie man sie in den Bereichen Smart Home und Smart Car findet. Je komplexer die verbauten Systeme, desto höher die Wahrscheinlichkeit der zweckentfremdenden Nutzung einzelner Bereiche. Hier gilt es verstärkt, die Selbstbestimmung und Verantwortung der Betroffenen, ergo der Verbraucher, zu berücksichtigen.

Gewollt oder ungewollt – Fakt ist: Der Datenschutz wird vielfach ausgehebelt. Die technischen und organisatorischen Maßnahmen des Datenschutzes werden in der Praxis oft nicht mehr realisierbar und nicht mehr prozessual darstellbar sein. Zugriffs-, Zugangs-, Zutritts-, Eingabe-, Verfügbarkeits-, Datentrennungs-, Auftrags- und Weitergabekontrolle verlieren an Anwendbarkeit und damit auch an Wirkung. Der Datenschutz wird untergraben, steigt zum zahnlosen Tiger ab. Führt Industrie 4.0 damit zum ungewollten Monitoring 4.0?

Unumgängliche Reform des Datenschutzes

Der Weg hin zu Industrie 4.0 ist von vielen Herausforderungen gesäumt. Zentral und über alle Themen hinweg existent ist der sichere Informations- und Datenaustausch. Die gezielte Vernetzung aller relevanten Geschäfts-, Produktions- und Automatisierungsprozesse birgt ohne Zweifel großes Potenzial. Anbieter und Hersteller verschaffen sich durch die intelligente Vernetzung von Systemlandschaften Zugriff zu allen Daten. Das Prinzip der Datensparsamkeit (§ 3a BDSG), wonach nur relevante und wirklich notwendige Daten verwendet werden, findet allzu oft keine Anwendung mehr. An diesem Punkt ist, mehr als in allen anderen Bereichen der industriellen Gesellschaft, der Datenschutz gefragt.

Der Einsatz von Selbstregulierungsmaßnahmen, wie bereits aus anderen Bereichen bekannt, wäre ein erster denkbarer Ansatz. Zur Einhaltung von IT-, Datenschutz- und Sicherheitsbestimmungen können Audits und Zertifizierungen beitragen und für die nötige Transparenz sorgen. Dies betrifft nicht zuletzt auch den Bereich der Auftragsdatenverarbeitung. Die vorherrschende Rechtsunsicherheit wird besonders im internationalen Bereich weiter zunehmen. Hier ist neben anderen politischen Akteuren auch der Gesetzgeber gefordert. Problemlösend kann hierbei ausschließlich eine Lösung wirken, die sich aus rechtlichen, technischen, organisatorischen und politischen Elementen zusammensetzt.

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