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Industrie 4.0

Datenschutz in der Industrie 4.0

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Heutiger Datenschutz ist technisch und faktisch überholt

Das Datenschutzrecht, wie es heute vorliegt, ist technisch und faktisch überholt. Das ist keine Überraschung, war doch das jetzige Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) eigentlich als Provisorium gedacht, um die Vorgaben der Europäischen Union in Brüssel zu erfüllen. Ein ganz neues Datenschutzrecht, welches sich nicht nur am Stand der Technik orientiert, sollte ausgearbeitet werden. Datenschutz durch Technik und nicht wie bisher gegen Technik sollte einen zentralen Ausgangspunkt des neuen Werks darstellen.

Das Provisorium, ein von Datenschutzexperten erstelltes, etwa 300-seitiges Gutachten (eine Novellierung des BDSG von 1995), ist seit dem Jahr 2001 bis heute gültig. Die EU-Datenschutzgrundverordnung bietet ebenfalls keine Lösung. Meilenweit von den Entwicklungen und Möglichkeiten der Industrie 4.0 entfernt, kann sie den Ansprüchen der modernen, digitalen Welt nicht standhalten. Eine baldmögliche Überarbeitung oder Neufassung dieses gesetzlichen Eckpfeilers des Datenschutzes muss stattfinden, um der Industrie 4.0 auf Augenhöhe zu begegnen und die Unternehmen im Sinne des Datenschutzes bestmöglich unterstützen zu können.

Industrieunternehmen stehen in der Pflicht

Der Thematik 4.0 und den damit verbundenen Entwicklungen soll bei aller Innovation nicht mit blankem Pioniergeist, sondern mit Bedacht entgegengetreten werden. Schließlich lehrt die Vergangenheit vielfach, dass unüberlegte und vorschnelle Vorgehensweisen oftmals schwer korrigierbare Entwicklungen mit sich bringen. Die Einhaltung unumgänglicher Spielregeln ist Grundvoraussetzung für eine adäquate und nachhaltig wirksame Entwicklung. Der derzeitige Stand der Technik ist als Gradmesser für geeignete Gesetze und Richtlinien zu wenig geeignet. Mit Flexibilität muss dem schnelllebigen digitalen Zeitalter Rechnung getragen werden. Ein Plus an Flexibilität, Schnelligkeit, Agilität und Kompromissbereitschaft steht einem geforderten Minus an Unbeweglichkeit und Starrheit gegenüber. Hier tritt auch der Gesetzgeber in die Pflicht, der Industrie ein brauchbares, konkretes und aktuelles Datenschutzgesetz an die Hand zu geben.

Die Industrie ist nicht minder gefordert. Ein bloßer Verlass auf entsprechende Gesetzesreformen kann und soll im Zusammenhang der Entwicklungen der Industrie 4.0 nicht genügen. Jede Branche ist gefragt, explizite Lösungen für die mannigfaltigen Herausforderungen im Bereich 4.0 zu erarbeiten. Eine stereotype Problembeseitigung nach „Schema F“ kann es nicht und wird es auch in Zukunft nicht geben. Allein die Komplexität und Verschiedenheit der einzelnen Branchen verbietet einen allgemeingültigen Lösungsansatz.

Einen ersten Vorstoß bildet beispielsweise das im März 2014 gegründete „Industrial Internet Consortium“, in dem sich führende Industrieunternehmen den Herausforderungen der technischen Innovation gemeinsam stellen. Nur so kann auch der Datenschutz wachsen, Anpassung erfahren und smart genug sein, um die Industrie 4.0 und deren Entwicklungen zielgerichtet zu begleiten.

Dieser Artikel ist ursprünglich bei unserem Schwesterportal MaschinenMarkt erschienen. Verantwortlicher Redakteur: Florian Stocker

* Regina Mühlich ist Inhaberin von Adorga Solutions.

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