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Einheitliche digitale Zugänge Digitale Identitäten gehören zur Infrastruktur

| Redakteur: Peter Schmitz

Wenn physische Kontakte nicht mehr möglich sind, müssen sie durch digitale ersetzt werden. Die Corona-Krise hat dies besonders sichtbar gemacht. Durchgängige digitale Prozesse sind aber leider in vielen Umfeldern noch eine Seltenheit. Angefangen dabei, dass viele Prozesse heute noch immer vor Ort oder originalschriftlich per Post erledigt werden müssen.

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Digitale Identitäten sind der Schlüssel für viele Dienste im Netz, von der Bank, bis zur Behörde.
Digitale Identitäten sind der Schlüssel für viele Dienste im Netz, von der Bank, bis zur Behörde.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Bei digital verfügbaren Prozessen mangelt es an einheitlichen, sicheren Zugängen sowie an der Möglichkeit, sofort und rechtssicher den Prozess, wie zum Beispiel die Kontoeröffnung, den Antrag oder die Versicherung, abzuschließen. In der Corona-Krise, in der viele Geschäftsfilialen und Läden schließen mussten – ging es darum, den Stillstand von Gesellschaft, Verwaltung und Wirtschaft abzuwenden. Künftig muss die Online Welt genau so gut funktionieren wie die Offline Welt. Wie gestalten wir Prozesse digital, damit wir jederzeit von überall agieren können?

Sichere Zugänge von Zuhause in die Privatwirtschaft und Behörde

Sichere Zugänge zu digitalen Dienstleistungen setzen voraus, dass sich Bürgerinnen und Bürger erst einmal für den Zugang legitimieren müssen. Das geschieht initial über Identifikationsverfahren – heute in der Regel über das Video-Ident-Verfahren, das eID Verfahren oder das Post-Ident Verfahren. Zudem können zum Beispiel PIN-Briefe angefordert werden oder der Personalausweis wird mittels Smartphone-Fotos erfasst. All diese Prozesse sind individuell und vom jeweiligen Anbieter abhängig. Die Wiederverwendung einer einmal bestätigten digitalen Identität ist in Deutschland bisher in den wenigsten Fällen möglich. Hohe regulatorische Hürden sowie mangelnde Interoperabilität jeweiliger Vertrauensniveaus machten solch eine Lösung bislang zu aufwändig.

Haben sich Bürgerinnen und Bürger einmal legitimiert, dann geht es um den wiederkehrenden sicheren Log-in. Sicher wird ein Log-in vor allem mit der Zwei-Faktor-Authentifizierung. Und auch hier hat jeder Anbieter sein individuelles Verfahren. Üblich sind Transaktionsnummern, die per Foto-TAN, SMS-TAN oder auch iTAN-Liste bereitgestellt werden.

Eine digitale Identität: Der Norden macht es vor

Statt verschiedene Zugänge für jedes Angebot von Online Banking über Online Shopping bis zum Bürgeramt zu nutzen, würde ein Zugang helfen, der dann auch den digitalen Abschluss aller Vorgänge ermöglicht.

Deutschland ist hier noch „digitales Entwicklungsland“ – so steht Deutschland im europäischen Digitalisierungsranking der öffentlichen Verwaltung zum Beispiel auf Platz 24 von 28 (pdf). Andere europäische Länder haben eine solche einheitliche „digitale ID“ für jeden Bürger längst etabliert. Beispiele sind die NemID in Dänemark oder die BankID in Schweden. Jeweils deutlich mehr als 80 Prozent der Einwohner nutzen diese ID, die über alle Verwaltungen und Industrien hinweg anerkannt wird. So kann der Bürger kann sich einfach, schnell und sicher ausweisen und einloggen.

Der Blick auf die europäischen Nachbarn ist ein Blick auf den Status Quo – der allein bereits den Aufholbedarf für Deutschland demonstriert. Die Zukunft geht weit darüber hinaus. Es wird darum gehen, in einer offenen Plattform-Architektur weitere ID-Dokumente und Merkmale für den digitalen Zugriff verifiziert vorzuhalten und gleichzeitig einfach, schnell und sicher für den Abruf bereitzustellen. Neben dem Personalausweis geht es hier zum Beispiel um den Reisepass, die elektronische Gesundheitskarte, den Führerschein und weitere Befähigungsnachweise aus dem beruflichen Bereich (z.B. Nachweise zur Maschinenführung) wie privaten Bereich (z.B. Sportscheine).

Erfolgsfaktoren einer digitalen Identität

Deutschland liegt weit zurück. Und das werden wir leider nicht kurzfristig ändern – die Umsetzung einheitlicher digitaler Zugänge bei Unternehmen und Behörden benötigt dafür viel zu lange Zeit. Es geht nicht um Wochen, sondern um Monate. Gleichzeitig muss Deutschland jetzt agieren, um für die Zukunft gewappnet und in der Digitalisierung wettbewerbsfähig zu sein. An den europäischen Beispielen sind die Erfolgsfaktoren für einen einheitlichen Zugang klar ablesbar:

  • 1. Die frühzeitige Verständigung von öffentlicher Verwaltung und privater Wirtschaft auf eine cross-sektorale ID Plattform
  • 2. Die gesellschaftsrechtliche Gestaltung als Public-Private-Partnership
  • 3. Die pro-aktive Akzeptanz und Integration der Identitätslösung in alle Portale der öffentlichen Verwaltung
  • 4. Die nutzerfreundliche Gestaltung und Abdeckung aller alltagsrelevanten Kanäle (Web, Mobile, vor Ort)
  • 5. Die Abdeckung der Kern-Funktionen Identifizieren und Authentifizieren, sowie Mehrwertdienste wie digitales Unterschreiben und Bezahlen
  • 6. Die Etablierung der Identitätslösung als eigene Marke um attraktiv für Bürgerinnen und Bürger zu werden

Nur mit diesen Erfolgsfaktoren gelang es, eine kritische Masse von Bürgerinnen und Bürgern auf das System zu bringen.

Wie kann eine Lösung für Deutschland aussehen?

Sicher ist, dass das Smartphone auch für die digitale Identität eine zentrale Rolle spielt. Entsprechend ist zu erwarten, dass die Anbieter von Smartphone Hard- und Software auch in diesem Segment mit aller Macht tätig werden – und globale Lösungen auf die europäischen und deutschen regulatorischen Rahmenbedingungen adaptieren. Deutschland kann also abwarten und uns diesen Lösungen ergeben – mit all ihren Konsequenzen. Oder wir nutzen das aktuelle Vakuum, und nutzen die Chance, um eine eigenständige, nationale ID Plattform für Deutschland zu erschaffen. Wir orientieren uns an den Erfolgsfaktoren aus Europa und ergänzen die Anforderungen der Zukunft.

Aktuell sind zahlreiche Initiativen am deutschen Markt zu beobachten. Einerseits Start-ups, die neue technologiegetriebene Lösungen präsentieren und damit sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Partner überzeugen möchten. Anderseits etablierte Player einzelner Sektoren, die aus ihrem Geschäft heraus bereits über eine große Zahl an Identitätsdaten von Bürgerinnen und Bürgern verfügen – und diesen anderen Playern zur Nutzung anbieten. Den Ansatz einer offenen Plattform verfolgt Verimi, gegründet von 13 Gesellschaftern verschiedener Industrien, darunter auch die Bundesdruckerei. Das Window of Opportunity für eine erfolgreiche deutsche Lösung ist noch offen – wir sollten uns ein Vorbild an anderen europäischen Ländern nehmen, statt einen ganz neuen Weg zu erfinden. Damit Bürgerinnen und Bürger schnellstmöglich digitale Prozesse mit einem einheitlichen Zugang nutzen können – einfach, schnell und sicher.

Über den Autor: Roland Adrian ist Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung der Identitätsplattform Verimi. Davor war er Geschäftsführer bei der Miles & More GmbH. Nach führenden Positionen im KarstadtQuelle Konzern baute er ab 2002 das Bonusprogramm HappyDigits auf. 2009 wechselte Adrian zu PAYBACK und leitete als Vice President die Expansion in verschiedene Märkte weltweit.

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