IdM-Projekte

Drei klassische Fehler beim Identity Management

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3) Kein Projekt ohne Realisierungskonzept

Der häufigste und gravierendste Fehler: Unternehmen vergessen, aus einem Fachkonzept ein Realisierungskonzept zu machen. Das Fachkonzept besteht aus Lasten- und Pflichtenheft und wird von den jeweiligen Fachabteilungen erstellt: Basierend auf den Leistungsforderungen des Unternehmens an den Dienstleister (Lastenheft) werden Vorgaben zur technischen Umsetzung vom Auftragnehmer erstellt (Pflichtenheft).

Doch ein Fachkonzept beschreibt nur das große Ganze, ein Realisierungskonzept geht ins Detail: Wie sieht der dahinterliegende Prozess hinter den einzelnen Bestandteilen eines Projekts aus? Wie ist der Status Quo zum Einstiegszeitpunkt des Beraters? Welche Daten sollen verarbeitet werden? Welche Funktion soll welchen Zweck erfüllen? Wie werden Module getestet, wenn sie fertig sind?

Jeder Prozess, jedes Attribut, das verändert werden muss, wird im Realisierungskonzept schriftlich erfasst und in einen festen zeitlichen Ablauf integriert. Ein simples Beispiel: Innerhalb eines Prozesses soll künftig die Erlaubnis eines Genehmigers notwendig sein. Das Fachkonzept schreibt vor, dass der Genehmiger per E-Mail informiert werden soll. Diese Vorgabe alleine reicht jedoch nicht aus.

Hier lauern viele Stolpersteine, über die Unternehmen bei der Abnahme fallen könnten. Was genau steht in der E-Mail an den Genehmiger? In welcher Sprache soll der Genehmiger informiert werden? Wer ist der Absender? Gibt es einen Disclaimer? All diese Details werden vorab in einem Realisierungskonzept festgelegt und lassen somit keinen Spielraum für Überraschungen bei der Abnahme.

Wie vermeidet man diese Fehler?

Die Antwort liegt bereits auf der Hand: Reden. Ein Scoping-Workshop im Vorfeld – und zwar nicht nur mit dem CIO sondern mit allen Stakeholdern, die von dem Projekt betroffen sind – klärt die wichtigsten Dinge ab.

Der Berater muss herausfinden: Wo drückt der Schuh beim Kunden? Gibt es Anforderungen, die wichtiger sind als andere? Kann man dem Unternehmen zu „Quick Wins“ verhelfen – schneller Gewinn mit wenig Aufwand? Ein wichtiges Qualitätskriterium, auf das Unternehmen achten sollten, ist zudem, ob der gewählte Dienstleister bereits erfolgreiche Identity Management-Projekte vorweisen kann.

Natürlich ist es auch sinnvoll, innerhalb des Unternehmens erst einmal in den Abteilungen anzufangen, die ein gutes Verhältnis zur IT haben und bereit sind, zu kooperieren. Ist ein Projekt erst einmal erfolgreich durchgeführt und es zeigen sich die ersten Aufwandseinsparungen bei den Kollegen, ist das Verständnis für das nächste Projekt schon einen Schritt weiter.

Insgesamt muss Identity Management als Teil zweier Konzepte gesehen werden. Zum einen ist es fester Bestandteil eines Gesamtsicherheitskonzept: Wie kann Identity Management das Sicherheitsproblem lösen? Wo lauern mögliche Gefahren? Nur wenn beide Parteien die gleiche Sprache sprechen, kann der Dienstleister Risiken abschätzen und Unternehmen diese durch sinnvolles Identity Management minimieren.

Zum anderen ist es wichtiger Faktor und Teil des Wandels, in dem sich derzeit viele IT-Abteilungen befinden. Erfolgreiches Identity Management verhilft IT-Abteilungen zu mehr Akzeptanz und Bedeutung innerhalb der Organisation – vom internen IT-Dienstleister zum unverzichtbaren Glied der Wertschöpfungskette des Unternehmens.

* Fiete Leske verantwortet den Bereich Compliance und Security, SAP Consulting, beim IT-Berater cellent AG.

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