Acht Jahre DSGVO, aber Lücken bleiben bestehen Datenschutz zwischen Regeln und Realität

Ein Gastkommentar von Suvish Viswanathan 2 min Lesedauer

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Acht Jahre nach Inkrafttreten der DSGVO bleiben noch immer deutliche Lücken zwischen regulatorischem Anspruch und operativer Realität. Wenige Beschwerden führen zu Sanktionen, Unternehmen überblicken ihre Daten­flüsse nicht und Transparenz endet bei Hyperscaler-Infrastrukturen. Das European Trusted Data Framework soll technische Standards schaffen, die über formale Vorschriften hinausgehen.

Acht Jahre nach Inkrafttreten der DSGVO bleiben deutliche Lücken zwischen regulatorischem Anspruch und Realität – ist das European Trusted Data Framework die Lösung?(Bild: ©  DOC RABE Media - stock.adobe.com)
Acht Jahre nach Inkrafttreten der DSGVO bleiben deutliche Lücken zwischen regulatorischem Anspruch und Realität – ist das European Trusted Data Framework die Lösung?
(Bild: © DOC RABE Media - stock.adobe.com)

Europa steht vor grundlegenden Fragen digitaler Souveränität. Die aktuelle Debatte um Cloud-Infrastrukturen, Datenzugriff und technologische Abhängigkeiten zeigt: Datenschutz, Daten­sicher­heit und Daten­ho­heit sind nicht nur Compliance-Themen, sondern wirtschafts­stra­te­gi­sche Faktoren. Wie ist es Anfang 2026, fast acht Jahre nach Inkrafttreten der DSGVO und 45 Jahre nach der Unterzeichnung des ersten internationalen Datenschutzabkommens Konvention 108 um sie bestellt?

Führen Gesetze allein zu mehr Datenschutz?

In der politischen und regulatorischen Diskussion steht die DSGVO immer wieder in der Kritik, ein stumpfes Schwert zu sein, weil nur ein geringer Anteil der eingereichten Beschwerden tatsächlich zu Sanktionen führt. Das unterstreicht die Notwendigkeit ergänzender Maßnahmen.

Die Europäische Kommission hat in diesem Zusammenhang im Juli vergangenen Jahres das European Trusted Data Framework (ETDF) auf den Weg gebracht. Ziel ist es, europäische Normen für vertrauenswürdigen Datenaustausch zu entwickeln, die Interoperabilität und gemeinsame Referenzpunkte zwischen öffentlichen und privaten Akteuren im Sinn des EU‑Data Act gewährleisten.

Im Unterschied zur DSGVO geht es beim ETDF nicht nur um formale Vorschriften, sondern um konkrete technische und organisatorische Standards, die Unternehmen umsetzen können. Sie sollen helfen, Datentransfers nachvollziehbar und überprüfbar zu gestalten und so das Vertrauen in digitale Prozesse stärken. Kann ein solches konkretes Rahmenwerk die strukturellen Schwächen der DSGVO ausgleichen?

Echter Datenschutz entscheidet sich im Unternehmensalltag

Daten ermöglichen heute personalisierte Angebote und besseren Kundenservice. Doch das Vertrauen von Kunden steht und fällt mit der Fähigkeit von Unternehmen, ihre Daten konsequent sicher und transparent behandeln. Wer dabei nachlässig agiert, riskiert nicht nur einzelne Kunden, sondern die Glaubwürdigkeit des gesamten Unternehmens - im Extremfall bis zur Existenzbedrohung.

Nachvollziehbarkeit endet jedoch häufig dort, wo europäische Unternehmen ihre Daten in den Infrastrukturen weniger Hyperscaler verarbeiten. Die aktuelle Debatte um Datensouveränität und lokale Cloudspeicher zeigt, dass Transparenz hinsichtlich Speicherorten und Zugriffs­rech­ten nicht nur eine Compliance-Frage, sondern auch eine des Kundenvertrauens, der Reputation und damit des unternehmerischen Risikos ist.

Unternehmen zwischen Compliance und Verantwortung

Die Bilanz fällt durchwachsen aus: Zwischen regulatorischem Anspruch und operativer Realität bestehen auch 2026 noch deutliche Lücken. Regularien, und seien sie mit noch so drakonischen Sanktionsbewehrungen versehen, sind nicht gleichbedeutend damit, dass Unternehmen ihre eigenen Datenflüsse überblicken. Abhängigkeiten von externen Infrastrukturen bleiben häufig unerkannt. So lange das der Fall ist, bleibt jeder Rechtsrahmen ein Stück weit ein zahnloser Tiger.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob die bestehenden Regelwerke um weitere ergänzt werden müssen, sondern ob Unternehmen praktisch in der Lage sind, die geforderte Transparenz und Nachvollziehbarkeit mit Hilfe geeigneter technischer und organisatorischer Lösungen herzustellen.

Über den Autor: Suvish Viswanathan ist Regional Director DACH bei Zoho.

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