Trotz fehlender Gesetzesvorgaben KMU sollten sich heute schon auf NIS 2 vorbereiten

Ein Gastbeitrag von Stefan Bange 3 min Lesedauer

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Die EU-Richtlinie NIS2 setzt neue Standards für Cybersicherheit in Europa, doch Deutschland hat sie bisher noch nicht in nationales Recht überführt. Ohne klare lokale Vorgaben müssen Unternehmen proaktiv handeln, um Strafen zu vermeiden, sobald die Umsetzung beginnt.

Die proaktive Vorbereitung auf die Einhaltung der NIS2-Vorschriften bietet viele Vorteile, auch wenn es noch keine lokalen Gesetze gibt.(Bild: ©  chaylek - stock.adobe.com)
Die proaktive Vorbereitung auf die Einhaltung der NIS2-Vorschriften bietet viele Vorteile, auch wenn es noch keine lokalen Gesetze gibt.
(Bild: © chaylek - stock.adobe.com)

Die NIS2-Richtlinie, eine Aktualisierung der ursprünglichen Richtlinie über Netz- und Informationssysteme (NIS) aus dem Jahr 2016, wurde von der EU verabschiedet, um die Cybersicherheit zu stärken und die Widerstandsfähigkeit in den Mitgliedstaaten zu verbessern. Ihr Ziel ist es, der wachsenden Bedrohung durch Cyberangriffe auf kritische und wichtige Dienste zu begegnen und eine Grundlage für robuste Cybersicherheitsmaßnahmen zu schaffen.

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland bedeutet die NIS2 eine große Veränderung. Die Richtlinie erweitert den Anwendungsbereich der betroffenen Unternehmen, enthält strengere Meldepflichten und führt erhebliche Strafen für die Nichteinhaltung ein. Da Deutschland die NIS2 jedoch noch nicht in nationales Recht umgesetzt hat, sind die KMU mit Unsicherheiten bezüglich der spezifischen Anforderungen und Fristen konfrontiert. Obrela gibt einige Tipps für Unternehmen zur Einhaltung der NIS2

Die Herausforderungen für KMU

  • 1. Ungewissheit der nationalen Vorschriften: Während die NIS2-Mandate auf EU-Ebene eindeutig sind, lässt Deutschlands Verzögerung bei der Verabschiedung lokaler Rechtsvorschriften die KMU im Unklaren über die genauen Verpflichtungen zur Einhaltung der Vorschriften.
  • 2. Ressourcenbeschränkungen: KMUs fehlt es oft an engagiertem IT-Personal oder finanziellen Ressourcen, um intern umfassende Cybersicherheitsstrategien zu entwickeln und umzusetzen.
  • 3. Sich entwickelnde Bedrohungslandschaft: Cyberkriminelle haben es zunehmend auf kleinere Unternehmen abgesehen und nutzen deren begrenzte Schutzmechanismen aus. Ohne angemessene Sicherheitsvorkehrungen riskieren KMU Datenverletzungen, Rufschädigung und finanzielle Verluste.

Die Rolle von Managed Service Providern (MSPs)

In dieser komplexen Umgebung ist die Zusammenarbeit mit einem Managed Service Provider (MSP) für KMU ein Rettungsanker. MSPs bringen Fachwissen, Ressourcen und proaktive Lösungen mit, um Unternehmen bei der Bewältigung der Übergangsphase der NIS2-Konformität zu unterstützen.

  • 1. Risikobewertungen und Schwachstellenanalyse: MSP können die aktuelle Cybersicherheitslage eines KMU bewerten und Sicherheitslücken und Bereiche ermitteln, die zur Erfüllung der NIS2-Standards verbessert werden müssen.
  • 2. Proaktives Compliance-Management: Indem sie sich über die Entwicklungen im Bereich der Rechtsvorschriften auf dem Laufenden halten, stellen MSPs sicher, dass Unternehmen sich umgehend und effizient an die sich ändernden Anforderungen anpassen.
  • 3. 24/7-Überwachung und Reaktion auf Vorfälle: MSPs bieten Echtzeit-Überwachung von Bedrohungen und schnelle Reaktion auf Vorfälle, um Ausfallzeiten zu minimieren und den Schaden von Cyberangriffen zu begrenzen.
  • 4. Kosteneffizienz: Die Auslagerung von Cybersicherheitsfunktionen an einen MSP reduziert den Bedarf an internem Fachwissen und bietet skalierbare Lösungen, die auf die Budgets von KMU zugeschnitten sind.

Die Zusammenarbeit mit einem Managed Service Provider (MSP) stellt eine effektive Lösung zur Risikominimierung dar. Externes Cybersicherheitsmanagement ermöglicht es KMU, ihre Schutzmaßnahmen kontinuierlich an neue Bedrohungen anzupassen, sensible Daten zu sichern und den Geschäftsbetrieb reibungslos aufrechtzuerhalten.

Wie in einem kürzlich erschienenen Blogbeitrag von Obrela erwähnt, kann MDR Organisationen, die NIS2 befolgen, dabei helfen, die Anforderungen der Richtlinie für die Meldung von Vorfällen zu erfüllen. NIS2 schreibt vor, dass Vorfälle mit erheblichen betrieblichen Auswirkungen innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens gemeldet werden müssen. Durch die Nutzung von MDR-Diensten profitieren Unternehmen von Echtzeitüberwachung und schnellen Reaktionen, erhöhen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Bedrohungen und verringern die Wahrscheinlichkeit, dass ein größerer Vorfall eintritt.

Wenn ein Vorfall gemeldet werden muss, sorgen detaillierte Protokolle und forensische Daten, die von entsprechenden Tools und Sicherheitsanalysten bereitgestellt werden, dafür, dass Unternehmen den Aufsichtsbehörden die erforderlichen Informationen zur Verfügung stellen können, was den Meldeprozess vereinfacht. MDR vereinfacht die komplexen Schritte, die mit der Einhaltung von Vorschriften verbunden sind, und sorgt für die von den Regulierungsbehörden geforderte Genauigkeit und Pünktlichkeit bei der Berichterstattung.“

Vorteile einer frühzeitigen Vorbereitung

Die proaktive Vorbereitung auf die Einhaltung der NIS2-Vorschriften bietet mehrere Vorteile, auch wenn es noch keine lokalen Gesetze gibt:

  • 1. Vermeiden von Strafen: Sobald Deutschland die NIS2-Vorschriften in Kraft setzt, kann die Nichteinhaltung zu hohen Geldstrafen und Betriebseinschränkungen führen.
  • 2. Verbessertes Vertrauen und Reputation: Das Engagement für robuste Cybersicherheitspraktiken stärkt das Vertrauen von Kunden und Partnern.
  • 3. Operative Widerstandsfähigkeit: Ein starkes Cybersecurity-Rahmenwerk schützt vor Unterbrechungen und gewährleistet Kontinuität und Zuverlässigkeit im Geschäftsbetrieb.

Über den Autor: Stefan Bange ist Managing Director Germany bei Obrela.

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