Medien-Stammtisch von Myra Der Wunsch nach Souveränität endet oft bei der eigenen IT

Von Melanie Staudacher 3 min Lesedauer

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In München diskutierten Experten aus Politik und Wissenschaft über die digitale Souveränität in Europa. Während das BSI nationale Lösungen noch nicht auf Augenhöhe mit US-Angeboten sieht, zeigt eine Umfrage von Myra, dass in Unternehmen selbst oft ein falsches Bild herrscht.

Myra Security lud zur Diskussionsrunde zum Thema Digitale Souveränität nach München ein. Mit dabei waren (v.l.n.r.) Sascha Schumann, CEO von Myra, Claudia Plattner, Präsidentin des BSI, Paul Kaffsack, Co-Founder von Myra, Reinhard Brandl, Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU im Bundestag, und Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, wissenschaftlicher Direktor des Cyberintelligence Institutes.(Bild:  Matthias Balk)
Myra Security lud zur Diskussionsrunde zum Thema Digitale Souveränität nach München ein. Mit dabei waren (v.l.n.r.) Sascha Schumann, CEO von Myra, Claudia Plattner, Präsidentin des BSI, Paul Kaffsack, Co-Founder von Myra, Reinhard Brandl, Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU im Bundestag, und Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, wissenschaftlicher Direktor des Cyberintelligence Institutes.
(Bild: Matthias Balk)

Was können Regierung, Wirtschaft und Gesellschaft tun, um unsere Daten vor dem Zugriff durch US-Behörden zu schützen? Dies war die drängendste Frage des Medien-Stammtisches Cybersicherheit von Myra Security. Der deutsche Hersteller hat Journalistinnen und Journalisten eingeladen nach München eingeladen, um mit BSI-Präsidentin Claudia Plattner, Informationssicherheitsexperten und wissenschaftlichem Direktor des Cyberintelligence Institutes Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker und Bundestagsmitglied Reinhard Brandl über digitale Souveränität in Deutschland und in Europa zu diskutieren. Denn eins ist klar: Derzeit sind unsere Daten definitiv nicht sicher vor US-Behörden.

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Digitale Souveräntiät als gesamtgesellschaftliches Thema

Die drei Referenten Plattner, Kipker und Brandl sind sich einig: Digitale Souveränität ist ein gesamtgesellschaftliches Thema. Auf der einen Seite müssen Unternehmen Produkte entwickeln, die datensicher sind und gleichzeitig mit den Angeboten aus den USA mithalten können. Auf der anderen Seite sind Verbraucher – egal ob B2B oder B2C – gefordert, diesen deutschen beziehungsweise europäischen Lösungen eine Chance zu geben. Zudem müsse die Bundesregierung mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie ebenfalls nationalen Angebote in Betracht zieht.

Doch genau hier sieht Plattner den ersten Flaschenhals: Deutsche Cloud-Angebote seien gar nicht in der Lage, die Anforderungen des BSI hinsichtlich ihrer Skalierbarkeit zu erfüllen. Aus diesem Grund sei das Bundesamt an dieser Stelle gezwungen, auf ein US-Produkt zu setzen. Dennoch sei das BSI bestrebt, deutsche Unternehmen dabei zu unterstützen, diese Anforderungen künftig zu erfüllen. Dafür arbeite das BSI eng sowohl mit US-Hyperscalern wie auch nationalen Cloud Providern zusammen.

Wie digital souverän ist Deutschland?

Um herauszufinden, wie es um die digitale Souveränität in deutsche Unternehmen steht, hat Myra 1.500 IT-Entscheider befragt und die Ergebnisse im Report „State of Digital Sovereignty 2025“ zusammengefasst. Kernaussage der Untersuchung: Eine klare Mehrheit von 84,4 Prozent der Befragten fordert den Einsatz europäischer Lösungen im öffentlichen Sektor und in kritischen Infrastrukturen.

Was jedoch die eigene IT-Landschaft angeht, zeichnet sich ein anderes Bild. Sowohl was Cloud Services angeht wie auch die Cybersicherheit, sehen sich rund 40 Prozent der Befragten in hohem Maße an außereuropäische Anbieter gebunden. Nicht nur werden europäische Angebot kaum eingesetzt, sie sind oft gänzlich unbekannt. Wie es scheint, überschätzen viele Unternehmen ihre eigenen Unabhängigkeit. So gaben 21,9 Prozent an, europäische KI-Lösungen zu kennen, doch nur 10,2 Prozent nutzen solche. Dennoch stuften 50,3 Prozent ihre Abhängigkeit außereuropäischer Anbieter was KI-Angebote angeht, als gering oder nicht existent ein. Ähnlich verhält es sich mit Lösungen für die Cybersicherheit: Nur jeder Dritte Befragte kennt europäische Angebote und nur 20,5 Prozent nutzen solche. Fast die Hälfte (47,2 Prozent) der Befragten sieht aber nur eine schwache bis kaum vorhandene Abhängigkeit.

„Digitale Souveränität bedeutet, über Entscheidungsoptionen zu verfügen“, sagte Claudia Plattner, bei der Vorstellung des Reports. „Neben den internationalen Out-of-the-box-Lösungen sind dazu wettbewerbsfähige europäische Produkte erforderlich, die in bestimmten Bereichen bereits vorhanden sind. Gleichzeitig müssen wir internationale Digitalisierungstechnologien so absichern, dass sie für uns sicherer und insbesondere datensouverän nutzbar sind.“

Voraussetzungen für europäische Lösungen

Nur etwa ein Drittel der Unternehmen plant innerhalb der nächsten zwei Jahre Jahre einen Umstieg auf europäische Software. Fast die Hälfte (48 Prozent) schließt den Wechsel aus. Die IT-Entscheidern haben klare Vorstellungen davon, unter welchen Bedingungen ein Wechsel für sie vorstellbar wäre:

  • Zwei Drittel würden auf europäische Anbieter umsteigen, wenn Leistung und Sicherheit vergleichbar sind.
  • Für 62,5 Prozent der Befragten ist die garantierte Speicherung der Daten in der EU ein entscheidendes Kriterium für die zukünftige Nutzung europäischer Software.

Unternehmen, die erfahren wollen, wie es um die Souveränität ihrer Daten steht, können den Souveränitäts-Check von Myra nutzen. Dieser liefert erste Anhaltspunkte, ob Daten und Dienste durch kritische Abhängigkeiten potenziell gefährdet sind.

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