Weltweites Chaos Crowdstrike-Update legt weltweit IT-Systeme lahm!

Quelle: dpa 5 min Lesedauer

Ein fehlerhaftes Software-Update hat weltweit weitreichende Störungen ausgelöst. Flüge fallen aus, Krankenhäuser sagen Operationen ab, Fernsehsender haben Schwierigkeiten. „Nach aktuellem Erkenntnisstand aus den Äußerungen der betroffenen Unternehmen gibt es keine Hinweise auf einen Cyberangriff“, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Mutmaßlicher Auslöser der Probleme war ein Fehler in einem Programm-Update der IT-Sicherheitsfirma Crowdstrike. Das Unternehmen meldete am Mittag, den Fehler behoben zu haben.

Ein einziges Update einer Software der IT-Sicherheitsfirma Crowdstrike ist die Ursache für die weltweiten IT-Ausfälle.(Bild:  lucadp - stock.adobe.com)
Ein einziges Update einer Software der IT-Sicherheitsfirma Crowdstrike ist die Ursache für die weltweiten IT-Ausfälle.
(Bild: lucadp - stock.adobe.com)

Von Los Angeles bis Hamburg, von Sydney bis Dortmund - weltweit steht an Flughäfen, in Krankenhäusern, auf Nachrichtenportalen plötzlich alles still. Ausgerechnet an den Orten, wo die Ströme sonst unermüdlich fließen, ein Rädchen ins andere greift, geht plötzlich nichts mehr.

„Gerade passiert etwas total Seltsames“, schreibt Troy Hunt beim Kurznachrichtendienst X. Er ist der australische Regionaldirektor von Microsoft und Cyberexperte. In den vergangenen Minuten hätten ihn völlig verschiedene Medien angerufen - alle sahen plötzlich nur noch einen Bluescreen auf ihren Rechnern.

Eher Rot sehen die Reisenden an Airports weltweit. Flüge sind gestrichen, verspätet, niemand weiß, wie es weitergeht. In Los Angeles liegen die Menschen auf dem Boden in Gängen. Für einige Stunden steht die Welt ein bisschen still.

Zu all den Fragen - Wie komme ich heim? Kommen wir in den Urlaub? Kann die Operation stattfinden? - mischt sich die Sorge: Was ist passiert? Waren es Hacker? Wie geht es weiter? Doch schnell stellt sich heraus: Ein einziges Update einer Software der IT-Sicherheitsfirma Crowdstrike ist die Ursache. Kleiner Fehler, unfassbare Auswirkungen. Geschlossene Arztpraxen, gestrichene Flüge, gescheiterte Kartenzahlungen. Überall.

In zahlreichen Ländern hatte die Panne gravierende Folgen: Die australische Regierung berief eine Krisensitzung ein. Der Fernsehsender Sky News sendete vorübergehend kein Programm und zeigte ein Standbild. In Israel waren nach CNN-Informationen Krankenhäuser betroffen, in Neuseeland viele Geschäfte. Kreditkarten-Zahlungen funktionierten nicht mehr, vielerorts hieß es nach einem Bericht der Zeitung „New Zealand Herald“ „cash only“.

In Deutschland musste am Freitagmorgen der Flughafen Berlin zeitweise den Betrieb weitgehend einstellen, mehrere Fluggesellschaften meldeten Einschränkungen. Eurowings strich am Mittag mehr als 50 Flüge in Deutschland sowie von und nach Großbritannien, um ihre IT-Systeme zu entlasten. Bei der niederländischen KLM kam der Flugbetrieb vorübergehend fast vollständig zum Erliegen. An zahlreichen Flughäfen gab es Probleme, etwa bei der Abfertigung, darunter München, Hamburg, Köln und Stuttgart, international unter anderem auf Mallorca und in Warschau.

Reise der Olympia-Sportler gerät ins Stocken

Saskia Oettinghaus ist Wasserspringerin und eigentlich auf dem Weg zu den Olympischen Spielen nach Paris. Doch die große Reise gerät ins Stocken, gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Teams steht die Sportlerin am Flughafen in Berlin. „Mal schauen, für uns ist es nicht so schlimm, es ist erstmal ein bisschen verspätet, aber ich denke, dass es nachher noch weitergehen wird“, sagt sie.

Hektischer wird es für diejenigen, die umsteigen und Anschlussflüge erreichen müssen. „Im Moment sind wir ziemlich aufgeregt, weil wir nach New York fliegen wollen, aber keinen Direktflug haben und in Lissabon umsteigen müssen“, sagt Melanie Gotthard, die ebenfalls am BER wartet. „Leider hat unser Flug jetzt Verspätung und kommt erst nach dem Abflug in Lissabon an.“

Überall auf der Welt geht es Menschen ähnlich. In den USA stoppte die Luftfahrtaufsicht FAA Flüge von Airlines wie United, American und Delta. In Los Angeles liegen gestrandete Passagiere auf dem Boden einer Fluggastbrücke, am internationalen Flughafen in Hongkong warten Passagiere in langen Schlangen auf ihre Abreise, auch in London stranden mehr und mehr Menschen.

„Es ist wirklich absolutes Chaos.“

Den Hamburger Flughafen habe er noch nie so voll gesehen, sagt Matteo Starnick, der nach Mallorca will. „Es ist wirklich absolutes Chaos.“ „Hoffentlich wird es noch“, sagt er. „Aber die können ja auch nichts dazu vom Flughafen. Wenn ein IT-System zusammenbricht, kann man nichts machen.“ Die Laune sei aber gut. So sehen es auch andere. Noch sei die Stimmung ok, „die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt auch Maria Lugge. Sie hoffe noch auf Verschiebung statt Absage ihres Flugs.

„Mir tun die Kinder leid, die jetzt auf die Ferien gehofft haben“, sagt eine andere Passagierin. Sie hofft, noch rechtzeitig zu einer Silberhochzeit nach Mallorca zu kommen. Auch die App der Fluggesellschaft Eurowings zeige nur eine technische Störung an, aktuelle Informationen seien deshalb rar.

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Auch Verwaltungen und Lebensmittelmärkte betroffen

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums und BSI-Präsidentin Claudia Plattner sind eine Vielzahl von Betreibern kritischer Infrastruktur betroffen. Zur kritischen Infrastruktur zählen unter anderem Energieversorger, Transport und Verkehr, die öffentliche Verwaltung, Krankenhäuser, Trinkwasser, Abwasser und Telekommunikation.

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein sagte für heute alle geplanten Operationen in Kiel und Lübeck ab. Computerprobleme hatten auch Kreis- und Stadtverwaltungen, etwa in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Der Lebensmittelhändler Tegut schloss vorübergehend Märkte.

Keine Cyberattacke

Ursache des weltweiten Chaos war wie schon zuvor erwähnt, offenbar ein fehlerhaftes Update der IT-Sicherheitslösung „Falcon Sensor“ des US-Anbieters Crowdstrike. Der Software-Fehler steckte nach Crowdstrike-Angaben in einer Aktualisierung der Software für Windows-Computer. Microsoft meldete daraufhin Probleme mit seinem Cloud-Service 365. Der Software-Riese veröffentlichte auch eine Anleitung, wie Windows-Cloud-PCs auf den Zustand vor dem fehlerhaften Update zurückversetzt werden können.

Crowdstrike bestätigte den Fehler und erklärte ihn am Mittag für behoben. Kunden würden nun auf ein Download-Portal für ein neues Update verwiesen.

Vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hieß es, die Vorfälle würden laufend weiter bewertet. Die Behörde sei mit allen relevanten Stellen in Kontakt und informiere kontinuierlich über die Entwicklung der Lage.

Mit der Konzentration in der Software-Industrie passiert es immer wieder, dass zahlreiche Unternehmen von Problemen einzelner Anbietern getroffen werden. So war zum Beispiel eine Cyberattacke auf den amerikanischen IT-Dienstleister Kaseya im Jahr 2021 bis nach Schweden zu spüren, wo die Supermarkt-Kette Coop fast alle Läden schließen musste.

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