7 Tipps So erkennen Sie Deepfakes im Vorstellungsgespräch

Ein Gastbeitrag von Gillian O’Brien 4 min Lesedauer

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Gefälschte Bewerbungen sind dank KI einfacher denn je – und stellen be­son­ders für Unternehmen mit Remote-Teams ein wachsendes Risiko dar. Durch täuschend echte Lebensläufe und manipulierte Videos ist es für Cy­ber­kriminelle ein Leichtes, sich in den Recruiting-Prozess einzuschleusen. So schützen Sie sich.

In Video‑Interviews lassen sich Deepfakes entlarven, indem Sie spontane Gesten und Kopfbewegungen abfragen, auf Stimme, Mimik, Lippensynchronität und Reaktionszeit achten. Auch KI‑Tools zur Bild‑ und Tonanalyse können helfen.(Bild:  JovialFox - stock.adobe.com)
In Video‑Interviews lassen sich Deepfakes entlarven, indem Sie spontane Gesten und Kopfbewegungen abfragen, auf Stimme, Mimik, Lippensynchronität und Reaktionszeit achten. Auch KI‑Tools zur Bild‑ und Tonanalyse können helfen.
(Bild: JovialFox - stock.adobe.com)

Mittlerweile gehört es fast schon zur gängigen Praxis, den Lebenslauf mithilfe eines KI-Tools zu erstellen. Doch auch gefälschte Bewerbungen sind dank KI einfach zu erstellen. Cyberkriminelle arbeiten mit täuschend echten Lebensläufen und manipulierten Videos, um sich in den Re­crui­ting-Prozess einzuschleusen. Um echte Talente von Fakes zu unterscheiden, müssen Unter­neh­men deshalb zunehmend ihre digitalen Sicherheitsprozesse stärken.

Fake-Bewerbungen schummeln sich durch den Bewerbungsprozess

Stellen Sie sich vor, Sie haben den perfekten Kandidaten für eine Stelle als Softwareentwickler gefunden. Kurze Zeit später tritt er seine Remote-Stelle an, doch schon bald tauchen die ersten Warnsignale auf. Er verpasst immer wieder Meetings, nimmt nur mit ausgeschalteter Kamera teil und seine Stimme klingt auch irgendwie anders, als Sie es in Erinnerung haben. Ihr Team geht der Sache auf den Grund und stellt fest, dass sich der neue Mitarbeiter nicht etwa in den USA, sondern immer wieder in Nigeria einloggt.

Fälle wie dieser häufen sich. So erkannte etwa Dawid Moczadlo, Mitgründer des Cyber­sicher­heits­un­ter­neh­mens Vidoc Security Labs, bereits während eines Bewerbungsgesprächs, dass er offenbar einem Deepfake gegenübersaß. Nach mehreren ähnlichen Vorfällen hat das Un­ter­nehmen sein Einstellungsverfahren inzwischen angepasst. Potenzielle neue Mit­ar­bei­ten­de müssen nun nach San Francisco reisen, um sich persönlich vorzustellen. So möchte das Un­ter­nehmen zukünftig sicherstellen, dass sie es mit echten Menschen zu tun haben und nicht mit Deepfakes.

Bis 2028 könnte jede vierte Bewerbung eine Fälschung sein

KI-Tools erleichtern nicht nur Fachkräften den Arbeitsalltag, sondern auch den Cyber­kri­mi­nel­len. Für diese tun sich damit völlig neue Möglichkeiten auf, um sich als scheinbar perfekte Be­wer­bende für Remote-Stellen auszugeben. Durch moderne Technologien können täuschend echte Lebensläufe, professionelle Bewerbungsfotos und überzeugende LinkedIn-Profile erstellt. Einige gehen sogar noch einen Schritt weiter und setzen wie im Fall von Vidoc KI-gestützte Vi­deo-Filter ein, um mit einer falschen Identität den gesamten Recruiting-Prozess zu durch­lau­fen. Immer wieder stecken hinter diesen Attacken organisierte nordkoreanische Hacker­grup­pen, die sich gezielt auf Remote-Stellen bewerben.

Das Risiko ist hoch, denn gelingt diese Absicht, können die vorgespielten Mitarbeitenden sensible Daten stehlen oder Schadsoftware in Unternehmensabläufe einschleusen. Laut des aktuellen „Global Workforce Report“ von Remote haben bereits 77 Prozent der deutschen Unternehmen Erfahrungen mit KI-generierte Lebensläufen gemacht und weitere 48 Prozent berichten, im Bewerbungsprozess auf Deepfakes gestoßen zu sein oder Schwierigkeiten gehabt zu haben, die Identität von Bewerbenden zu verifizieren. Und das Problem wächst: Gartner geht davon aus, dass bis 2028 jede vierte Bewerbung gefälscht sein könnte.

Remote-Jobs sind nicht das Problem – fehlende Maßnahmen schon

Ortsunabhängige Teams bieten viele Vorteile. In Zeiten akuten Fachkräftemangels haben Unternehmen durch eine globale Talentsuche die Chance, aus einem deutlich größeren Talent-Pool auszuwählen. Doch nicht für jedes Unternehmen kommt es in Frage, passende Kandidaten für ein persönliches Kennenlernen einfliegen zu lassen.

Ein persönliches Kennenlernen ist jedoch nicht zwingend notwendig, denn Unternehmen können im Bewerbungsprozess einige Maßnahmen ergreifen, um sich im Zweifel vor einem Betrug zu schützen. Viele davon sind sofort umsetzbar und kosten nichts:

  • Live-Interaktion: Bewerbende in einem Videogespräch auffordern, eine spontane Geste, zum Beispiel Hand vor das Gesicht halten, auszuführen. So lassen sich Deepfakes oder gefälschte Live-Bilder schnell entlarven.
  • Verhaltensanalyse: Auf Abweichungen in Stimme, Körpersprache oder Reaktionsgeschwindigkeit achten, die auf Manipulation oder Täuschung hindeuten könnten.
  • Dokumentenprüfung: Ausweisdokumente in Echtzeit per Kamera kontrollieren. Dies ist ein Verfahren, das sich bereits bei Online-Kontoeröffnungen bewährt hat.
  • Drittanbieter-Checks: Seriöse Identitätsprüfungen über externe Dienstleister durchführen, um die Echtheit von Personendaten zu bestätigen.
  • KI-gestützte Erkennung: Tools einsetzen, die potenzielle Fälschungen in Bild, Ton oder Dokumenten automatisch identifizieren.
  • Digitale Spuren: Den Online-Auftritt von Bewerbenden auf Business-Plattformen wie LinkedIn und privaten Netzwerken, zum Beispiel Instagram oder überprüfen.
  • Referenzvalidierung: Beschäftigungshistorie gründlich analysieren und frühere Arbeitsstationen für Referenzgespräche kontaktieren.

Digitale Resilienz wird zu einer zentralen HR-Kompetenz

Aktuelle Beispiele zeigen eindringlich, dass theoretisch jedes Unternehmen, das Remote-Stel­len ausgeschrieben hat, mit gefälschten Bewerbungen konfrontiert werden kann. Trotzdem sollten Unternehmen nicht in blinden Alarmismus verfallen. Was jetzt zählt, ist die Weiter­ent­wicklung digitaler Vertrauensmechanismen im globalen Talentmarkt und eine bedachte Vor­gehensweise. Denn mithilfe der richtigen Sicherheitsmaßnahmen können HR-Verant­wort­liche gefälschte Bewerbungen frühzeitig aussortieren und so auch weiterhin von den Vorteilen eines globalen Talent-Pools profitieren.

Über die Autorin: Gillian O’Brien ist Geschäftsführerin von Recruit by Remote.

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