Obwohl Frauen einer Umfrage der ISACA zufolge hinsichtlich Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten zufrieden sind, sind sie in der IT-Branche unterrepärsentiert. Der Berufsverband wünscht sich mehr Engagement der Unternehmen.
Die ISACA ist sich sicher: Je vielfältiger die Belegschaft eines Unternehmens, desto innovativer und effizienter ist es.
Die deutliche Mehrheit (87 Prozent) der IT-Fachkräfte ist der Meinung, dass es in ihrer Branche an Geschlechtervielfalt mangelt. Doch nicht einmal die Hälfte der Unternehmen (41 Prozent) haben Programme etabliert, die Einstellungen von Frauen fördern sollen. Zu diesen Ergebnissen kommt die ISACA in der aktuellen Studie „Tech Workplace and Culture 2025: Perceptions by Gender“. Dafür hat der Berufsverband 7.726 Tech-Profis weltweit befragt. Grundsätzlich sehen 74 Prozent der Unternehmen das Anwerben und Binden von Talenten als Herausforderung.
Lediglich 35 Prozent der MINT-Studienanfängerinnen und -anfänger im ersten Fachsemester waren im Jahr 2022 dem Statistischen Bundesamt zufolge Frauen. Zu den MINT-Fächern gehören die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, aber auch das Ingenieurswesen sowie Architektur. Während 2022 der Frauenanteil für das Fach Innenarchitektur bei 87 Prozent lag, waren in Deutschland im Jahr 2022 nur acht Prozent der Studierenden des Fachs Fahrzeugtechnik Frauen. In der Informatik lag der Frauenanteil bei knapp 23 Prozent.
Auf die Frage, warum Frauen in technischen Berufen immer noch unterrepräsentiert sind, antworteten 43 Prozent der weiblichen Befragten und 21 Prozent der männlichen Befragten damit, dass die meisten IT-Vorbilder und Führungskräfte männlich seien. Des Weiteren schätzten Männer, die an der Umfrage teilgenommen haben, ihr Gefühl der Autorität in bestimmten Bereichen ihrer derzeitigen Rolle höher ein als die Frauen, die an der Umfrage teilgenommen haben. Am größten ist der Unterschied in der Wahrnehmung der Autorität von Männern und Frauen der ISACA zufolge hinsichtlich der Kaufentscheidungen (13 Prozentpunkte Unterschied) und bei der Mitwirkung an der Unternehmensstrategie (zehn Prozentpunkte Unterschied).
Als weiteren Grund, warum weniger Frauen in der IT arbeiten als Männer, nannten 42 Prozent der weiblichen Befragten und 15 Prozent der männlichen Befragten die ungleiche Bezahlung. Gleichzeitig gaben 73 Prozent der Frauen und 71 Prozent der Männer in der ISACA-Umfrage an, in den vergangenen zwei Jahren eine Gehaltserhöhung und/oder eine Beförderung erhalten zu haben.
Die Job-Plattform Honeypot hat im Juli 2024 den „Developer Salary Report 2024 Germany“ veröffentlicht. Darin heißt es, dass der geschlechterspezifische Lohnunterschied in den vergangenen Jahren von 4,7 Prozent auf ein Prozent gesunken ist. Dieser Rückgang sei jedoch nicht unbedingt auf eine Gehaltserhöhung weiblicher Entwicklerinnen zurückzuführen. Er sei vielmehr dadurch bedingt, dass die Gehälter männlicher Entwickler stagniert oder leicht gesunken seien. Im Durchschnitt seien die Gehälter von Frauen zwar geringfügig niedriger als die von Männern. Doch Frauen, die entweder sehr wenig Erfahrung (null bis zwei Jahre) oder sehr viel Erfahrung (neun oder mehr Jahre) mitbringen, würden ein bis zwei Prozent höhere Gehälter als ihre männlichen Kollegen erhalten. In der Studie von ISACA gaben 68 Prozent der Frauen und 72 Prozent der Männer an, dass sie mit ihrer beruflichen Entwicklung äußerst oder sehr zufrieden sind.
Sarah Orton, Leiterin der ISACA-Initiative „SheLeadsTech“ für das Vereinigte Königreich und Europa, sagt: „Erfreulicherweise sind Frauen mit ihrem beruflichen Fortkommen fast genauso zufrieden wie ihre männlichen Kollegen und haben in den letzten zwei Jahren etwas häufiger eine Gehaltserhöhung oder eine Beförderung erhalten. Eine Belegschaft zu haben mit Menschen, die unterschiedliche Hintergründe, Erfahrungen und Perspektiven mitbringen, ist nicht nur richtig – es ist auch eine geschäftliche Notwendigkeit, die das Unternehmen innovativer und seine Arbeit wesentlich effizienter und effektiver macht.“
So sollen Frauen gefördert werden
Dennoch ist Julia Kanouse, Chief Membership Officer bei ISACA, der Meinung, dass mehr getan werden muss, um den Anteil von Frauen im IT- und Technologiesektor zu erhöhen. Außerdem müsse mehr getan werden, um die Führungsqualitäten weiblicher IT-Mitarbeitenden und ihren Einfluss zu fördern. „Dies wird nicht nur dazu beitragen, die globale Qualifikationslücke zu schließen und die Produktivität in der Branche zu steigern, sondern auch ein integrativeres und vielfältigeres Arbeitsumfeld schaffen.“
Und dafür, wie das gelingen kann, nannten die Befragten konkrete Maßnahmen:
Bereitstellung von Mentorinnen und Mentoren oder Vorbildern (52 Prozent)
Einrichtung von Tech-Clubs und/oder Organisationen zur Vernetzung von Frauen (42 Prozent)
Einstellung von mehr Professorinnen im Bereich Technik (31 Prozent)
Mit SheLeadsTech will die ISACA den Anteil von Frauen in der Technologiebranche erhöhen. Dafür bietet der Berufsverband zum einen Schulungen und Weiterbildungsprogramme für Frauen an. Zum anderen bietet er im Rahmen des Programms lokale Networking-Veranstaltungen sowie Mentoring-Programme für weibliche IT-Fachkräfte.
Stand: 08.12.2025
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