Update: Hacker hatten sich Weg vorbereitet Behörden gehen von Datenabfluss bei Polizei aus

Aktualisiert am 16.07.2025 Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Ein Angriff auf Polizei-Handys könnte weit größere Folgen haben als bislang angenommen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Mecklenburg-Vor­pom­mern übt Kritik und verlangt Aufklärung, aber nicht nur.

Bei dem Cyberangriff auf einen Server der deutschen Polizei wurden zwei Sicherheitslücken ausgenutzt.(Bild:  ©schulzfoto - stock.adobe.com)
Bei dem Cyberangriff auf einen Server der deutschen Polizei wurden zwei Sicherheitslücken ausgenutzt.
(Bild: ©schulzfoto - stock.adobe.com)

Nach Ermittlungen zum Hackerangriff auf den Server der Polizei-Diensthandys gehen Behörden von einem möglichen Datenabfluss aus. Experten haben nach Angaben des Schweriner Innenministeriums den angegriffenen Server nachgebaut und verschiedene Angriffswege nachgestellt. „Nunmehr ist ein Weg ausgetestet worden, der verhältnismäßig spurenarm Datenausleitungen zulässt“, schrieb eine Ministeriumssprecherin.

Sie stellte klar, dass die Daten, die auf dem Server liegen, nicht etwa aus Ermittlungs- oder Personalakten stammen. Vielmehr war der Management-Server der Handys betroffen. Auf ihm befinden sich demnach beispielsweise Rufnummern der Mobiltelefone, Gerätenummern und die Namen der Nutzer - also der Polizeibeamten.

Hacker hatten sich Datei zurechtgelegt

„Im Rahmen der Ermittlungen war bereits festgestellt worden, dass die Hacker sich auf dem Server eine Datei mit zumindest einem Teil dieser dort verfügbaren Daten bereitgestellt hatten“, erklärte die Sprecherin. „Es musste davon ausgegangen werden, dass sie versucht haben, diese verhältnismäßig große Datei in sehr kleinen Teilpäckchen vom Server auszuleiten.“

Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Hacker den von den Ermittlern getesteten Weg genutzt haben, „um zumindest einen Teil der oben genannten Daten aus der bereitgestellten Datei in kleinen Teilpäckchen auszuleiten.“ In welchem Umfang auf diesem Weg tatsächlich Daten ausgeleitet wurden, sei – zumindest bislang – nicht feststellbar. Die Ermittlungen gingen weiter.

Sicherheitslücken genutzt

Die Hacker hätten zwei Sicherheitslücken der Software ausgenutzt. Das Ministerium verwies darauf, dass diese weltweit von Behörden und Unternehmen zum Management von Mobilfunkgeräten genutzt werde. Die Software stamme von einem renommierten Produzenten.

Anfang Juni hatte das Innenministerium über einen Angriff berichtet – über den Server, der die Handys der Beamten, die sogenannten mPol-Geräte, vernetzt. Zunächst hieß es, dass die Mobilgeräte nur für einige Tage nicht in vollem Umfang im Streifendienst genutzt werden können. Später war bekanntgeworden, dass die Telefone weiterhin nicht nutzbar sind. Mit den Handys können die Streifenbeamten laut Ministerium zum Beispiel rasch online Fahrzeughalter abfragen oder Ausweispapiere prüfen.

Funkgerät statt Diensthandy

Die Sprecherin hatte im Juni bestätigt, dass die Landespolizei ihre Smartphones im alltäglichen Dienst nun nicht nutze und stattdessen wieder auf die alte Funktechnik zurückgreifen müsse. Teils sollten ersatzweise andere Handys verteilt werden - zum Beispiel an Führungskräfte oder mit besonderen Aufgaben betraute Beamte.

Mit Millionenaufwand war die Landespolizei mit speziell geschützten und auf den jeweiligen Nutzer gemünzten Diensthandys ausgestattet worden. Mit diesen Geräten konnten laut Ministerium auf Streifenfahrten und -gängen rasch online Abfragen nach Fahrzeughaltern erfolgen oder Prüfungen von Ausweispapieren und weitergehende Recherchen vorgenommen werden. Dies musste aufgrund des Hackerangriffs wieder umständlich über Funk im Polizeirevier abgefragt werden.

Polizeigewerkschaft fordert mehr IT-Fachkräfte

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Mecklenburg-Vorpommern zeigte sich alarmiert angesichts der Folgen des Hacker-Angriffs auf die Diensthandys der Polizei im Land. „Diese Sicherheitslücke gefährdet nicht nur die Einsatzfähigkeit unserer Kolleginnen und Kollegen, sondern auch den Schutz der Bevölkerung“, teilte die GdP M-V mit.

Die Gewerkschaft forderte mehr IT-Fachkräfte zum Schutz der Systeme. „Diese Fachleute müssen gut bezahlt werden – denn nur mit kompetenten IT-Experten können wir Cyberangriffe abwehren und unsere Polizei zukunftssicher machen.“ Zudem verlangte die Gewerkschaft eine transparente Aufklärung und sofortige Behebung des Schadens. „Unsere Kolleginnen und Kollegen verdienen den bestmöglichen Schutz, damit sie ihre Arbeit zuverlässig und sicher erledigen können.“

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