Multivektor- und mehrstufige Angriffe sind komplexe IT-Security-Bedrohungen, die mit mehreren Angriffspunkten und einer Reihe koordinierter Schritte in IT-Netzwerke eindringen. Wie lassen sich solche heimtückischen Attacken rechtzeitig identifizieren und welche wirksamen Gegenmaßnahmen gibt es?
Cyberkriminelle attackieren Unternehmen zunehmend simultan über diverse Kommunikationswege. Der Artikel beleuchtet, wie diese Multivektor-Angriffe funktionieren und welche Strategien IT-Sicherheits-Experten ergreifen können, um ihre Organisationen wirksam zu schützen.
Erfolgversprechende Hacker-Angriffe werden häufig nicht mehr nur mit einfachen Viren ausgeführt, insbesondere wenn sich viele Unternehmen auf KI-fähige Funktionen zur Erkennung und Beseitigung von Bedrohungen verlassen. Hacker müssen daher mittlerweile wesentlich raffinierter vorgehen, zum Beispiel mit mehrstufigen bzw. Multi-Vektor-Angriffen.
Abgrenzung Multivektor-Attacken und mehrstufige Angriffe
Ein Multi-Vektor-Angriff bezieht sich auf die gleichzeitige Verwendung mehrerer Angriffsvektoren bzw. Methoden für den Zugriff auf ein System eines Opfers. Wobei ein Vektor einen Einstiegspunkt markiert, mit dem ein Hacker ein Netzwerk infiltriert. In der Regel gibt es immer mehrere Vektoren, die ein Netzwerk für einen Angriff anfällig machen können.
Zu den häufigsten gehören E-Mails, soziale Medien, Webbrowser, USB-Flash-Laufwerke, Datenbanken, Web-Cams, mobile Apps und sogar Online-Anzeigen. Im Gegensatz dazu sind mehrstufige Angriffe schrittweise angelegt, wobei der Hacker sich zunächst einen Zutritt zu einem Netzwerk verschafft und dann weitere Schritte unternimmt, um beispielsweise sensible Informationen zu stehlen oder Systeme zu kontrollieren.
Angriffe dieser Art bestehen aus mehreren Aktivitäten sowie deren möglichen Abwehrmaßnahmen, die häufig in folgenden Phasen zusammengefasst werden können:
Phase 1: Datensammlung Ein Hacker möchte während diese Phase möglichst viel Wissen über die im Netzwerk betriebenen Technologien, Systeme und Frameworks erhalten. Als Gegenmaßnahmen empfehlen sich eine umfassende Netzwerküberwachung, Firewalls für Webanwendungen und Smart-Tools.
Phase 2: Erstzugriff Auf Basis der in Phase 1 erworbenen Informationen können Hacker nun einen schwachen Einstiegspunkt identifizieren und versuchen, ihn für sich zu nutzen. Zur Erkennung von autorisierten Zugriffen empfehlen sich E-Mail-Filter- und Endpunktschutz-Tools (wie XDR). Mitarbeiterschulungen runden das Maßnahmenpaket ab.
Phase 3: Angriff vorantreiben Sobald ein Hacker einen ersten Zugriff erzielt hat, strebt er danach, diesen weiterhin voranzutreiben, nicht entdeckt zu werden sowie Sicherheitsmaßnahmen des Opfers zu vermeiden, die den Einstiegspunkt wieder schließen könnten. Für die Erkennung von sich ändernden Muster in Netzwerkzugriffs- und Verkehrsanfragen eignen sich insbesondere Verhaltensanalysen sowie Tools zur Überwachung von Endpunkten und Integrität. Diese Instrumente achten auf nicht autorisierte Änderungen an Datei- und Knoten-Konfigurationen sowie Datenzugriffe von verschiedenen Benutzerkonten aus.
Phase 4: Seitliche Bewegungen Ein einzelner Einstiegspunkt reicht meist nicht aus, um einen groß angelegten Angriff auszuführen. Hacker zielen daher darauf ab, mehrere Netzwerkknoten und Systeme zu kapern. Dieser Prozess beinhaltet seitliche Bewegungen oftmals im gesamten Netzwerk. In dieser Phase lernen Hacker zu verstehen, wie die Netzwerk-Architektur und der Datenverkehr funktioniert und wie die Daten zwischen verschiedenen Netzwerkpunkten geleitet werden. Mit diesen Informationen möchten Hacker mehr Zugang und Kontrolle in der IT-Umgebung gewinnen. Für die Erfassung von Seitenbewegungen qualifizieren sich Intrusion Detection-Systeme (IDS) bzw. KI-Modelle, um die aktuellen Verkehrsmuster mit dem herkömmlichen Verhalten dieses Netzwerks zu vergleichen. Netzwerk-Segmentierungen und Verhaltensanalysen liefern dazu präzise Beobachtungen der sich ändernden Muster.
Phase 5: Eskalation der Privilegien Um einen lohnenswerten Angriff auszuführen und erheblichen Schaden anzurichten, müssen Hacker auf die richtigen Benutzerkonten zugreifen. Diese Konten gehören in der Regel Geschäftsführern und Teamleitern. Um Zugriffe auf höherer Ebene zu erhalten, nutzen Hacker in der Regel Schwachstellen in Softwaresystemen und Fehlkonfigurationen. Als Abwehrmaßnahmen empfiehlt sich die Einleitung von Aktivitäten, die dem Prinzip des Zugangs auf Basis der „geringsten Privilegien“ (Least Privilege-Prinzip - PoLP) folgen. Kontinuierliche Überwachung und SIEM-Tools (Security Information and Event Management) werden verwendet, um Hacker-Aktivitäten zu detektieren, die auf ein eskalierendes Privileg hinweisen könnten wie beispielsweise geänderte Zugriffsmuster, Fehlkonfigurationen und Sicherheitslücken.
Phase 6: Daten-Exfiltration Sobald die notwendigen Zugriffsrechte gekapert wurden, erreichen Hacker ihr primäres Ziel: die Exfiltration sensibler Geschäftsinformationen. Diese Daten werden meist im Anschluss auf externe Server übertragen. Als Abwehrmaßnahme eignen sich Tools zur Offenlegung von Informationen, die zwischen Usern und IT-Systemen geteilt werden. Jede unerwartete Datenübertragung, jeder Zugriff oder jede Änderung muss eine sofortige Isolierung des kompromittierten Netzwerkknotens auslösen und den Zugriff auf kompromittierte Konten widerrufen.
Ein Hacker-Angriff mit mehreren Vektoren (polymorpher Angriff) nutzt mehrere Einstiegspunkte zur Infiltration von Netzwerken. Solche Angriffe kommen zum Einsatz, um sensible Daten an Dritte zu verkaufen oder sie für ihre eigene Zwecke zu verwenden. Andere Hacker führen Multivektor-Angriffe durch, um das Netzwerk eines Unternehmens zu lähmen oder abzubauen.
Multivektor-Angriffe sind oft ausgefeilter und schwieriger zu erkennen als Singlevektor-Angriffe. Sie erfordern ein höheres Maß an Planung und Koordination seitens der Angreifer und umfassen ebenfalls häufig mehrere Phasen. Als Gegenmaßnahmen sind unter anderem folgende Aktivitäten zu empfehlen:
Umfassende Risikobewertung
Für die Identifikation von potenziellen Schwachstellen als auch das Verständnis der aktuellen Bedrohungslandschaft, ist eine profunde Risikobewertung unerlässlich. Dafür sind Bewertungen der Infrastruktur als auch der Anwendungen sowie Sicherheitsrichtlinien eines Unternehmens vorzunehmen, um Schwachstellen aufzudecken, die bei einem Multivektor-Angriff ausgenutzt werden können.
Eine robuste Abwehr von Multivektor-Angriffen verlangt nach einer multifunktionalen Sicherheitsstrategie, die verschiedene IT-Security-Maßnahmen auf allen Ebenen der IT-Umgebung umfasst. Zu den wichtigsten Elementen dieses Ansatzes gehören:
Netzwerksicherheit: Implementierung von Firewalls, Intrusion Detection/Prevention-Systemen (IDS/IPS) und sicherer Netzwerk-Architektur.
Endpunktschutz: Bereitstellung von Antiviren-Software, Endpoint Detection and Response (EDR)-Lösungen und regelmäßiges Patch-Management.
Anwendungssicherheit: Nutzung von Web Application Firewalls (WAF), Durchführung von Codeüberprüfungen und regelmäßigen Sicherheitstests.
Einsatz einer Zero-Trust-Architektur
Das Zero-Trust-Modell ist hochwirksam gegen Multi-Vektor-Angriffe. Dieser Ansatz erfordert eine strenge Überprüfung aller Geräte und User, die versuchen, auf Ressourcen zuzugreifen, wodurch das Risiko eines unbefugten Zugriffs reduziert wird.
Schulung der Mitarbeiter
Kontinuierliche Schulungen dienen dazu, die Mitarbeiter über die neuesten Bedrohungen und besten Präventionsmaßnahmen zu informieren. Mithilfe simulierter Phishing-Übungen und kontinuierlichen Sicherheitsschulungen lässt sich das Risiko erfolgreicher Angriffe deutlich reduzieren.
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