Die digitale Identitätsprüfung erleichtert mittlerweile viele Prozesse. Durch die digitale Nutzung physischer Ausweisattribute lassen sich Dokumente online überprüfen und die Person so verifizieren. Es gibt dafür mittlerweile zahlreiche Lösungen - auf Ident-Plattformen findet sich eine große Auswahl an Methoden, die sich für unterschiedliche Anwendungsfälle nutzen lassen. Allerdings birgt die digitale Verifizierung auch neue Sicherheitsrisiken.
Der digitale Wandel birgt einerseits neue Risiken. Andererseits lassen sich diese auch wieder durch fortschrittliche Technologien reduzieren.
(Bild: Brian Jackson - stock.adobe.com)
Verfahren, um die Echtheit einer Person zu bestätigen, haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Zahlreiche elektronische Sicherheitselemente sind hinzugekommen – etwa maschinenlesbare Bereiche (MRZ), NFC-Chips oder Stichcodes sowie biometrische Daten wie Fingerabdrücke, Augen und Stimme. Dadurch haben sich die Verfahren zur Personenüberprüfung geändert – sowohl in der digitalen als auch in der physischen Welt.
Veränderungen durch technologischen Fortschritt
Die Aufsichtsbehörden schreiben vor, dass eine Online-Verifizierung der persönlichen Identitätsüberprüfung gleichkommen muss. Daran orientieren sich digitale Ident-Methoden. Da viele Lösungen zur Identifikation dafür künstliche Intelligenz (KI) und Deep Learning nutzen, ist die Online-Verifizierung sehr komplex geworden. Unterschiedliche persönliche Attribute wie Name und Geburtsdatum müssen zeitgleich mit den Sicherheitselementen des Ausweises sowie mit Fotos oder Videos der zu verifizierenden Person abgeglichen werden. Moderne Lösungen können aber in wenigen Sekunden mehrere elektronische Überprüfungen durchführen und Merkmale analysieren, die die Echtheit einer Person bestätigen. Durch die Imitation der physischen Überprüfung ermöglichen sie eine problemlose Online-Verifizierung in Echtzeit.
Bei der persönlichen Identifizierung gibt es demnach viele Neuerungen – sowohl in der realen Welt, etwa bei den Sicherheitskontrollen am Flughafen, als auch bei virtuellen Vorgängen wie der digitalen Eröffnung eines Bankkontos. Allerdings haben sich auch die Betrüger an diese Veränderungen angepasst. Sie gleichen ihre Methoden permanent an die neuesten Sicherheitsstandards an und gehen bei ihren kriminellen Aktivitäten immer geschickter vor. Daraus ergeben sich zahlreiche neue Möglichkeiten bei Steuerbetrug, Geldwäsche sowie der Terrorfinanzierung – vor allem aber beim Identitätsdiebstahl. Nach Angaben der Federal Trade Comission (FTC)haben Fälle von entwendeten Identitäten im Jahr 2020 um 45 Prozent zugenommen.
Unterschiedliche Arten des Identitätsdiebstahls
Die Diebe speichern und nutzen die gestohlenen persönliche Daten für ihre kriminellen Handlungen. Neben der klassischen Urkundenfälschung, bei der die Daten des Opfers für gefälschte und unechte Dokumente verwendet werden, gibt es mittlerweile zahlreiche neue Methoden wie beispielsweise Deepfake. Hier reproduzieren die Betrüger das Gesicht oder die Stimme des Opfers mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auf Fotos oder Videos. Das ermöglicht es Ihnen, sich in der digitalen Welt als die jeweilige Person auszugeben.
Da in der physischen Welt viele Dokumente nicht mehr zur Kontrolle vorgelegt werden müssen, hat die Bandbreite der kriminellen Möglichkeiten enorm zugenommen und macht es Betrügern einfacher als je zuvor. Sie können beispielsweise ganz einfach im Dark Web gefälschte Dokumente kaufen und für ihre Aktivitäten verwenden, die sich auch automatisiert ausführen lassen. Gerade in den letzten Zwei Jahren, als die Menschen viel zuhause waren, hat Identitätsdiebstahl zugenommen: Laut IDnow erhöhten sich im Zeitraum von März bis Juni 2021 die Fälle von Dokumentenbetrug um 180 Prozent.
Regulatorische Anpassungen
Um diesem Trend entgegenzuwirken, braucht es einheitliche Gesetze und Regeln. Die EU-Kommission hat bereits verschiedene Projekte ins Leben gerufen. So arbeitet das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) daran, die Anforderungen an die Anbieter von Lösungen zur Identitätsüberprüfung zu vereinheitlichen. Ziel ist, dass für alle – Bürger und Unternehmen – die gleichen Sicherheitsstandards gelten. Auch deutsche Unternehmen, die mit sensiblen Daten arbeiten, müssen sich vermehrt regulatorischen Kontrollen unterziehen, die zudem laufend verschärft werden. Das gilt vor allem für KYC-Prozesse (Know Your Customer).
Umdenken in der digitalen Welt des Betrugs
Der digitale Wandel birgt einerseits neue Risiken. Andererseits lassen sich diese auch wieder durch fortschrittliche Technologien reduzieren. Ein grundsätzliches Umdenken ist jedoch unerlässlich. Es geht nicht mehr nur darum, die Dokumente zu prüfen, sondern alle Eventualitäten in Betracht zu ziehen. Die Kontrolle der Ausweisdokumente ist nur ein Schritt im Prozess der Identitätsüberprüfung. Es gilt auch, zusätzliche Elemente wie das digitale Verhalten sowie die elektronischen Geräte des Nutzers abzugleichen. Verwendet ein Nutzer etwa immer das gleiche Smartphone, und lässt sich die Echtheit im Zweifel auch per Mail bestätigen? Durch die Integration mehrerer Sicherheitsstufen in den Prozess lassen sich betrügerische Aktivitäten besser erkennen und abwenden.
Über den Autor: Lovro Persen ist Director Document Management & Fraud bei IDnow.
Stand: 08.12.2025
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