Die meisten Datenverluste passieren ohne böse Absicht Riskantes Verhalten im Arbeitsalltag lässt sich nicht verbieten

Ein Gastbeitrag von Fabian Glöser 4 min Lesedauer

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Insider Threat und Insider Risk sind nicht dasselbe. Wer sich nur auf bös­willige Akteure konzentriert, übersieht das eigentliche Problem: Normale Mit­ar­bei­ter verursachen die meisten Datenverluste, durch versehentlich ge­teil­te Links, falsch adressierte E-Mails oder sensible Daten in KI-Prompts.

Die größte Insider-Gefahr für die Datensicherheit geht nicht von gezielten Angriffen, sondern von Nachlässigkeiten ganz normaler Mitarbeiter aus.(Bild:  KI-generiert)
Die größte Insider-Gefahr für die Datensicherheit geht nicht von gezielten Angriffen, sondern von Nachlässigkeiten ganz normaler Mitarbeiter aus.
(Bild: KI-generiert)

Die Begriffe Insider Threat und Insider Risk werden in der IT-Sicherheit häufig synonym verwendet, doch sie meinen nicht dasselbe. Es gibt einen großen Unterschied und der liegt in der Absicht der Akteure. Unternehmen, die beides gleichsetzen, laufen Gefahr, zentrale Risiken zu übersehen und ihre Schutzmaßnahmen falsch auszurichten.

Insider Threat beschreibt eine Situation, in der jemand seine legitimen Zugriffsrechte bewusst missbraucht, um böswillige Handlungen durchzuführen. Das kann etwa ein Mitarbeiter sein, der vertrauliche Daten stiehlt, bevor er das Unternehmen verlässt, oder ein Administrator, der seine erweiterten Rechte ausnutzt, um Systeme zu manipulieren.

Insider Risk ist wesentlich breiter gefasst und umfasst sämtliche Risiken, die durch den Zugriff interner Akteure auf Unternehmensdaten entstehen – unabhängig davon, ob eine böswillige Absicht vorliegt oder nicht. Er umfasst auch unbeabsichtigte Fehler, Nachlässigkeiten im Arbeitsalltag und riskante Verhaltensweisen.

Ein weit verbreiteter Irrtum

Die Annahme, dass die größte Insider-Gefahr für die Datensicherheit von gezielten Angriffen ausgeht, ist ein weit verbreiteter Irrtum. In der Realität entsteht ein Großteil der Sicherheitsvorfälle durch typische Verhaltensweisen ganz normaler Mitarbeiter. Sie:

  • schicken eine E-Mail mit sensiblen Daten versehentlich an den falschen Empfänger;
  • teilen einen Cloud-Link ohne Einschränkungen;
  • speichern Daten aus Bequemlichkeit in nicht freigegebenen Tools;
  • oder umgehen Sicherheitsrichtlinien, um in Stresssituationen schneller zu sein.

Das Risiko für solche Missgeschicke und Nachlässigkeiten ist in modernen Arbeitsumgebungen groß, in denen Daten permanent zwischen unterschiedlichsten Anwendungen, Endgeräten und Cloud-Plattformen hin- und herbewegt werden. Der Siegeszug der Künstlichen Intelligenz verschärft das Problem weiter. Mitarbeiter nutzen immer häufiger GenAI-Tools, um Texte zu erstellen, Analysen durchzuführen oder sich Ideen zu holen. Dabei werden schnell sensible Unternehmensdaten in die Prompts eingegeben, deren Weiterverwendung dann nicht mehr kontrolliert werden kann.

Herkömmliche Sicherheitsstrategien werden diesen modernen Arbeitswelten nicht mehr gerecht, weil sie meist von reinem Bedrohungsdenken dominiert sind. Ihr Ziel ist es, Angreifer zu identifizieren, Vorfälle aufzudecken und Schaden zu begrenzen. Dafür setzen sie vornehmlich auf Maßnahmen wie Monitoring, Zugriffskontrollen und nachgelagerte Forensik. Solche Strategien haben zwei große Schwächen. Sie greifen meist erst dann, wenn bereits ein Vorfall eingetreten ist. Außerdem können sie zu einer Kultur des Misstrauens im Unternehmen führen, weil sich die Mitarbeiter permanent verdächtigt und überwacht fühlen.

Riskantes Verhalten ist im Arbeitsalltag unvermeidbar

Ein moderner Insider-Risk-Ansatz folgt einer anderen Logik. Er geht davon aus, dass riskantes Verhalten im Arbeitsalltag unvermeidbar ist und zielt darauf ab, die Risiken einzudämmen. Er fragt nicht „Wer ist der Täter?“, sondern „Wie entsteht Risiko und wie können wir es reduzieren?“. Moderne Sicherheitskonzepte setzen diesen risikobasierten Ansatz mit drei zentralen Prinzipien um:

  • Transparenz: Unternehmen müssen nachvollziehen können, wo sich sensible Daten befinden, wie sie genutzt werden und wohin sie sich bewegen. Ohne diese Transparenz bleibt das Risiko unsichtbar.
  • Kontext: Nicht jede Handlung ist automatisch problematisch. Erst im Zusammenspiel von Datenart, Nutzerrolle und Nutzungssituation lässt sich beurteilen, ob ein Verhalten tatsächlich riskant ist.
  • Adaptive Reaktion: Statt pauschal zu blockieren, sollten Maßnahmen differenziert erfolgen. In vielen Fällen ist es sinnvoller, Nutzer direkt im Moment der Handlung zu sensibilisieren, etwa durch Hinweise oder Warnungen. Nur bei hohem Risiko oder wiederholtem Fehlverhalten sind strengere Maßnahmen erforderlich. So können Unternehmen Sicherheit und Produktivität miteinander in Einklang bringen.

Moderne Softwarelösungen für Datensicherheit ermöglichen es Unternehmen, diese Prinzipien in der Praxis umzusetzen. Diese Lösungen scannen heterogene IT-Umgebungen nach sensiblen Daten und klassifizieren diese weitgehend automatisiert. Sie überwachen kontinuierlich die Einhaltung definierter Richtlinien, erkennen Verstöße und reagieren kontextabhängig.

Datensicherheit als dynamischer, risikobasierter Prozess

Mit diesem Ansatz wird Datensicherheit zu einem dynamischen, risikobasierten Prozess, der sich eng an den tatsächlichen Arbeitsweisen im Unternehmen orientiert. Gleichzeitig ist er aber auch nicht blind für interne Akteure, die tatsächlich eine böse Absicht verfolgen. Er kann Muster erkennen, die auf echte Bedrohungen hindeuten, etwa durch:

  • wiederholte Verstöße gegen Richtlinien,
  • ungewöhnlich große oder häufige Datenbewegungen,
  • Zugriff auf Daten außerhalb des üblichen Aufgabenbereichs,
  • und die Nutzung externer oder privater Speicherorte.

In solchen Fällen ermöglicht sie Unternehmen umfassende Analysen, um festzustellen, ob sich hinter diesem Verhalten wirklich eine gezielte Absicht verbirgt.

Eine strategische Weichenstellung

Der Unterschied zwischen Insider Threat und Insider Risk ist kein theoretisches Detail, sondern eine strategische Weichenstellung. Unternehmen, die sich ausschließlich auf Bedrohungen konzentrieren, reagieren oft zu spät und übersehen alltägliche Risiken.

Ein risikobasierter Ansatz hingegen berücksichtigt die Realität moderner Arbeitswelten: Menschen machen Fehler, arbeiten unter Zeitdruck und nutzen vielfältige Tools – und genau hier entstehen die größten Gefahren. Wer Insider Risk ganzheitlich betrachtet, schafft nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch eine Kultur, in der Mitarbeiter unterstützt statt überwacht werden. Genau hier liegt der Schlüssel für nachhaltige Datensicherheit in einer immer komplexeren digitalen Welt.

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Über den Autor: Fabian Glöser ist Manger Sales Engineering Nordics, Central & Eastern Europe bei Forcepoint.

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