Jedes unübersichtliche, ungepatchte oder überflüssige System erweitert die Angriffsfläche. Ohne Inventar, klare Beschaffungskriterien und KI-Governance verlieren Unternehmen die Kontrolle über ihre IT-Landschaft.
Wer seine IT-Landschaft nicht mehr überblickt und Komplexität nur anhäuft, vergrößert seine Angriffsfläche und verliert möglicherweise die Kontrolle. Konsolidierung, klare Beschaffungskriterien und KI-Governance sind entscheidende Maßnahmen.
Die Zahl der eingesetzten IT-Tools wächst, doch die Produktivität hält nicht Schritt. Schlecht integrierte Systeme, technische Schulden und unkontrollierte KI vergrößern die Angriffsfläche und binden Budgets, die für Sicherheit fehlen. Die Kontrolle behält, wer Komplexität abbaut statt anzuhäufen.
In vielen Führungsetagen hält sich die Annahme, dass jede zusätzliche Softwarelösung Abläufe optimiert. Der Blick in die IT-Abteilungen zeigt oft das Gegenteil. Ab einem bestimmten Kopplungsgrad bremst Technologie die Abläufe, statt sie zu beschleunigen.
Belastbare Zahlen dazu liefert die Technologieeffizienz-Studie 2026 von MaibornWolff unter 305 IT-Verantwortlichen und Fachkräften in deutschen Unternehmen. In 52 Prozent dieser Unternehmen hat die Verbreitung ineffizienter Software im vergangenen Jahr weiter zugenommen, und 61 Prozent bestätigen, dass zu komplexe Software ihre Arbeitsprozesse verlangsamt.
Für Sicherheitsverantwortliche ist die Botschaft eindeutig. Jedes System, das keinen messbaren Mehrwert liefert, bindet Ressourcen und zählt damit als zusätzliche Last.
Redundanz ist in vielen Organisationen die Regel. 44 Prozent der Befragten nennen unnötig komplexe Software als häufigste Form der Ineffizienz, 41 Prozent betreiben Lösungen parallel zu funktional vergleichbaren Werkzeugen. Aus Security-Sicht bedeutet jedes dieser Systeme eine eigene Komponente, die gepatcht, überwacht und rechtskonform verwaltet werden muss. Je mehr davon extern erreichbar sind, desto wichtiger wird die kontinuierliche Kontrolle der eigenen Angriffsfläche, wie sie das External Attack Surface Management beschreibt.
Hier entsteht das eigentliche Risiko. Wo der Überblick über das Software-Portfolio fehlt, wachsen Schatten-IT und ungesehene Einfallstore. Der aktuelle Lagebericht 2025 des BSI benennt das Angriffsflächenmanagement als Gebot der Stunde und zählt durchschnittlich 119 neue Schwachstellen pro Tag, rund 24 Prozent mehr als im Vorjahr.
Je größer und unübersichtlicher die Landschaft, desto mehr Angriffsfläche entsteht, die sich kaum noch vollständig absichern lässt. Konsolidierung ist damit keine reine Effizienzfrage. Sie ist eine Sicherheitsmaßnahme.
Software altert vor allem durch mangelnde Pflege und kurzfristige Provisorien. Die Befragten nennen veraltete Dokumentation (45 Prozent) und fehlende Dokumentation (39 Prozent) als zentrale Ursachen technischer Schulden. Systeme werden so zur Blackbox, deren Funktionsweise niemand mehr vollständig durchschaut.
Für die IT-Sicherheit ist das doppelt gefährlich. Veraltete Frameworks und nicht mehr gewartete Bibliotheken bleiben als bekannte Schwachstellen im Betrieb, und niemand kann sie sicher beurteilen oder ablösen. Der aktuelle Data Breach Investigations Report von Verizon führt die Ausnutzung von Software-Schwachstellen bei rund 31 Prozent der untersuchten Sicherheitsverletzungen als beteiligten Faktor auf.
Verschärft wird die Lage durch den Wissensverlust beim Ausscheiden erfahrener IT-Fachkräfte. Bleibt deren Wissen undokumentiert, wird die sichere Wartung eines Legacy-Systems zum Kraftakt. Saubere Entwicklung und Dokumentation bilden deshalb die Voraussetzung für dauerhaft beherrschbare und damit sichere Systeme.
Der Einsatzumfang von KI-Tools ist in 61 Prozent der Unternehmen im vergangenen Jahr gestiegen, oft getrieben durch den Druck, den Anschluss nicht zu verlieren, statt durch einen klaren Business Case. Darin liegt die eigentliche Gefahr. Trifft KI auf ungeordnete Prozesse, beschleunigt sie vor allem die Durchführung des Falschen.
Die Studiendaten stützen diese Sorge. 59 Prozent der Befragten befürchten, dass digitaler Müll durch KI in Zukunft zunimmt, und 47 Prozent fühlen sich durch die Menge und Frequenz neuer KI-Anwendungen überfordert. Sickern diese Werkzeuge unkontrolliert als Schatten-KI in die Fachbereiche, entstehen neue Datenabflüsse und Angriffspunkte, die keine zentrale Instanz mehr überblickt.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Ohne strikte Governance wirkt KI als Katalysator für Komplexität. Generativer Code entsteht schneller, als er manuell zu prüfen ist, und technische Schulden vervielfachen sich automatisiert. Die zentrale Orchestrierung von KI gehört damit auf die Sicherheitsagenda, bevor die Tool-Flut den nächsten Kontrollverlust erzeugt.
Der Handlungsdruck ist real, die Umsetzung hinkt hinterher. 37 Prozent der Unternehmen haben bislang keinerlei dedizierte Maßnahmen zur Reduktion von IT-Komplexität ergriffen. Wer die Beherrschbarkeit seiner Landschaft zurückgewinnen will, kann sich an drei Prinzipien orientieren.
Bestand bewerten und gezielt zurückbauen
Vor jeder Neuanschaffung steht die ehrliche Bestandsaufnahme. Ungenutzte Anwendungen und sogenannte Zombie-Systeme, also laufende Server ohne nennenswerten Nutzen, binden Ressourcen und Rechte, ohne Wert zu liefern. Erscheint eine vollständige Analyse zu umfangreich, empfiehlt sich ein fokussierter Start mit zwei bis fünf geschäftskritischen Kernsystemen. Etablierte Migrationsmuster wie das Strangler Fig Pattern erlauben den schrittweisen Rückbau, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden.
Für 33 Prozent der Befragten zählt mangelnde Integration zu den Hauptursachen technologischer Komplexität, und 56 Prozent verlieren spürbar Zeit durch schlecht integrierte Systeme. Interoperabilität sollte deshalb zum härtesten Kriterium jeder Beschaffung werden. Standardisierte Schnittstellen und ein API-First-Ansatz halten die Landschaft modular und ersetzbar. Das senkt Integrationskosten und schließt zugleich die Lücken zwischen Systemen, in denen Daten heute manuell und fehleranfällig übertragen werden.
Nicht jeder Prozess benötigt eine Speziallösung. Für unterstützende Standardaufgaben ist eine integrierte Plattform meist überlegen, weil robuste Standards die Komplexität reduzieren und die Sicherheit erhöhen. Individuelle Software rechtfertigt sich dort, wo sie einen messbaren Wettbewerbsvorteil schafft. Diese bewusste Differenzierung verhindert, dass die Landschaft erneut ausufert.
Für die Praxis lassen sich daraus konkrete Schritte ableiten:
Ein aktuelles Inventar aller aktiv genutzten Anwendungen führen und Zombie-Systeme konsequent abschalten.
Interoperabilität und Schnittstellenfähigkeit als verbindliches Beschaffungskriterium verankern.
KI-Werkzeuge zentral freigeben und überwachen, um Schatten-KI vorzubeugen.
Dokumentation als festen Teil der Definition of Done etablieren, damit kein System zur Blackbox wird.
Beherrschbarkeit ist die Basis der Sicherheit
Der stärkste Beweis für den Erfolg von Konsolidierung ist menschlicher Natur. 49 Prozent der Unternehmen berichten von einer höheren Akzeptanz bei den Mitarbeitenden, nachdem Komplexität abgebaut wurde, 42 Prozent von niedrigeren Betriebskosten. Wer aufräumt, entlastet Budgets und zugleich die Menschen, die Systeme sicher betreiben sollen.
Digitale Souveränität entsteht durch die Beherrschbarkeit und strukturelle Vereinfachung der bestehenden Landschaft. Souverän handelt, wer seine Systeme aktiv steuert und bereinigt statt sie nur anzusammeln. Weniger Software. Mehr Kontrolle. Genau hier verbinden sich Sicherheit und Effizienz.
Über den Autor: Alexander Hofmann verantwortet als Chief Technology Officer und Partner seit 2012 die technologische Ausrichtung von MaibornWolff. Der Münchner IT-Dienstleister entwickelt mit mehr als 800 Digital Expertinnen und Experten komplexe Softwarelösungen für Kunden wie BMW, die Deutsche Bahn oder Miele. Für Hofmann und sein Team gehört der Einsatz von KI im Softwareengineering seit drei Jahren zum gelebten Alltag. Unter anderem hat er mit der AI Trusted Zone eine abgesicherte Infrastruktur für den KI-Einsatz in Kundenprojekten etabliert. Seine technologische Vision gibt er als CTO regelmäßig in Vorträgen, Diskussionsrunden und Publikationen weiter, so etwa im Fachbuch „Generative and Agentic AI for IT Managers“.