KI-Agenten, Schatten-KI und das Ende klassischer Verschlüsselung 2026 wird ein Wendepunkt für die Cybersicherheit

Ein Gastbeitrag von Christine Barbara Müller 4 min Lesedauer

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Für Security-Teams wird 2026 zum Wendepunkt, denn autonome KI-Agenten entwerfen eigenständig Workflows, Schatten-KI exponiert geistiges Eigen­tum und Quantencomputer machen klassische Verschlüsselung womöglich bald obsolet. Wer jetzt nicht handelt, verliert die Kontrolle.

Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt für die Cybersicherheit und Security-Teams bleibt nicht viel Zeit sich darauf einzustellen.(Bild: ©  Jss - stock.adobe.com)
Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt für die Cybersicherheit und Security-Teams bleibt nicht viel Zeit sich darauf einzustellen.
(Bild: © Jss - stock.adobe.com)

Im Jahr 2026 wird die Cybersecurity-Landschaft dynamischer – und risikoreicher – als je zuvor. KI gibt weiter den Ton an und von Datenverschlüsselung mit klassischen Verfahren müssen wir uns endgültig verabschieden. Was die Arbeit der Security-Experten 2026 prägen wird, fasse ich hier für Sie zusammen.

Bevor wir einen Ausblick auf 2026 wagen, gilt es einen Blick auf das vergangene Jahr zu werfen: Technologisch gesehen haben wir gewaltige Fortschritte gemacht und gezeigt, wie leistungs­fähig KI sein kann. Aber wir haben auch gesehen, dass die Technologie in den falschen Händen große Risiken birgt. Cyberkriminelle können sie dazu nutzen, komplexe Angriffe zu auto­mati­sieren, Social-Engineering-Kampagnen noch effektiver zu machen und auch dazu, über manipulierte KI-Agenten an sensible Daten zu gelangen. Und während die durchschnittlichen Kosten eines Datenlecks in Deutschland auf 3,87 Millionen Euro pro Vorfall gesunken sind, erreichten die durchschnittlichen Kosten in den USA mit rund zehn Millionen US-Dollar ein Rekordhoch. Wenden Unternehmen KI-Tools ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen an, machen sie sich verwundbar. Denn 13 Prozent der befragten Unternehmen meldeten Sicher­heits­vor­fälle, bei denen KI-Modelle oder Anwendungen kompromittiert wurden und 97 Prozent der Betroffenen verfügten nicht über angemessene KI-Zugriffskontrollen. Wie aber gewinnen Unternehmen im Jahr 2026 wieder die Oberhand in diesem Katz- und Maus-Spiel?

Autonome KI verändert das Unternehmensrisiko

Ob nun bestens vorbereitet oder nicht – die KI in Unternehmen lässt sich nicht mehr aufhalten. Stand bisher der Einsatz von generativer KI in beispielsweise Chatbots im Vordergrund, werden Unternehmen 2026 vermehrt auf die Nutzung autonomer KI-Agenten setzen, also auf Systeme, die eigenständig Aufgaben ausführen, indem sie mit verfügbaren Tools ganze Workflows entwerfen. Das birgt erhebliche Effizienzvorteile, verändert aber auch das gesamte Un­ter­neh­mens­risiko und etablierte Sicherheitsmodelle werden dem nicht standhalten. Um sicher zu bleiben, müssen die Verantwortlichen in den Unternehmen eine neue Ära integrierter Go­ver­nance und Security vorantreiben. Diese ist darauf ausgelegt, das Verhalten der KI-Agenten maschinell und in Echtzeit zu überwachen, zu validieren und zu steuern. Diese Transformation erfordert, Cybersicherheit in das Fundament der KI-Entwicklung und -Governance einzubetten, um sicherzustellen, dass KI-Agenten stets innerhalb ethischer und operativer Grenzen agieren. Alles andere birgt das Risiko von Fragmentierung, blinden Flecken und vergrößert das allgemeine Risiko für Unternehmen.

KI erhöht Risiken für geistiges Eigentum

KI beschleunigt die Innovation – konfrontiert Unternehmen aber auch mit beispiellosen Verlustrisiken im Bereich ihres geistigen Eigentums. Im Jahr 2026 werden wir große Sicher­heits­vor­fälle beobachten, bei denen sensible Informationen über geistiges Eigentum durch Schatten-KI-Systeme kompromittiert werden: Mitarbeitende nutzen nicht genehmigte Tools, die den Governance- und Security-Konzepten der Unternehmen nicht entsprechen. Durch Unachtsamkeit oder Unwissen der Nutzenden und mangelnde Sicherheitskontrollen im Unternehmen können hoch sensible und vertrauliche Unternehmensdaten exponiert werden, die Angreifer auswerten können. Das erinnert an den Aufstieg der Schatten-IT vor einem Jahrzehnt, die viele Unternehmen immer noch nicht unter Kontrolle gebracht haben. Um diese Lücke zu schließen, müssen Security Teams mit dem Innovationstempo Schritt halten. Sie müssen ihre Kollegen mit genehmigten KI-Tools und Governance-Rahmenwerken ausstatten, die deren Anforderungen gerecht werden, ohne die Kontrolle zu verlieren.

Im Zusammenhang mit der zunehmenden KI-Nutzung werden Security-Teams außerdem mit diesen Fragen konfrontiert: Wie gehen wir mit einer steigenden Zahl von identitätsfokussierten Angriffen um, wenn diese als Einstiegspunkt für Angreifer besonders attraktiv sind? Wie halten wir mit autonomen KI-Agenten Schritt, die sich weiterentwickeln und möglicherweise die genehmigten und geprüften Arbeitsabläufe verlassen? Inwieweit decken die bestehenden Compliance-Systeme diese neue Realität ab? Idealerweise haben Unternehmen diese Fragen schon im Hinterkopf, bevor sie sich überhaupt in Richtung KI-Ära aufmachen. War das bisher nicht der Fall, sollten Security-Verantwortliche sich dazu lieber früher als später Gedanken machen und notwendige Schritte umsetzen.

Das Ende klassischer Verschlüsselungsalgorithmen

In Punkto Datensicherheit wird 2026 für viele Unternehmen ein Wendepunkt sein.

Die Sicherheit von etablierten Verschlüsselungsalgorithmen der asymmetrischen Kryp­to­gra­phie (z.B. RSA) wird zunehmend durch Fortschritte bei der Entwicklung von Quantencomputern bedroht. Neue Algorithmen sind zwar zum Teil bereits standardisiert, in vielen Fällen ist aber kein einfacher 1-1 Austausch möglich oder sinnvoll. Zusätzlich bringen Probleme wie die explosionsartig wachsende Zahl an Maschinenidentitäten und die schrumpfende Lebensdauer von Zertifikaten die existierende Verschlüsselungsinfrastruktur an ihr Limit und erfordern neue, dynamischere Konzepte im Umgang mit Verschlüsselung in Infrastruktur und Anwendungen.

Nur wer im Jahr 2026 auf Kryptoagilität setzt, wird in der Lage sein, auf neue Bedrohungen oder sich ändernde Standards zu reagieren. Kryptoagilität beschreibt dabei die Fähigkeit kryp­to­gra­fische Algorithmen, Protokolle und Schlüssel schnell, reibungslos und ohne größere Systemausfälle auszutauschen. Stellen sich Unternehmen in dieser Hinsicht schon heute zukunftsorientiert auf, werden sie langfristig in der Lage sein, auf neue Bedrohungen in Echtzeit zu reagieren und anderen voraus sein.

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Fazit: Das Katz- und Maus-Spiel geht in eine neue Runde

Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt für die Cybersicherheit. KI, autonome KI-Agenten und der Abschied von bisherigen Verschlüsselungsverfahren und -konzepten stellen etablierte Sicherheitsmodelle infrage. Unternehmen müssen Security, Governance und KI-Entwicklung enger verzahnen, um Risiken in Echtzeit zu erkennen und zu steuern. Wer jetzt auf Kryptoagilität, klare Zugriffskontrollen und verantwortungsvolle KI-Governance setzt, schafft die Grundlage für nachhaltige Resilienz im KI-Zeitalter.

Über die Autorin: Christine Barbara Müller ist Executive Partner & Head of IBM Cyber Security Services DACH.

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