KI-Sicherheitsstudie 2026 von BSI und TÜV Firmen sind KI-Angriffen zumeist ausgeliefert

Quelle: Pressemitteilung mit Inhalten der DPA 4 min Lesedauer

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Nur jedes zehnte Unternehmen ist laut der KI-Sicherheitsstudie 2026 auf Angriffe mit KI gerüstet. Dabei hat bereits jedes sechste Unternehmen entsprechende Cyberangriffe oder Betrugsversuche registriert oder vermutet. Das fordern BSI und TÜV.

(v.l.) BSI-Vizepräsident Thomas Caspers und Dr. Dirk Stenkamp, Präsident des TÜV-Verbands, präsentieren die KI-Sicherheitsstudie 2026 auf der Bundespressekonferenz.(Bild:  BSI)
(v.l.) BSI-Vizepräsident Thomas Caspers und Dr. Dirk Stenkamp, Präsident des TÜV-Verbands, präsentieren die KI-Sicherheitsstudie 2026 auf der Bundespressekonferenz.
(Bild: BSI)

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der TÜV-Verband haben am 7. Oktober 2026 in Berlin die Studie „Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit in Unternehmen“ vorgestellt. Befragt wurden laut BSI 505 Unternehmen ab 20 Beschäftigten. Das Ergebnis: Nur wenige Unternehmen haben Schutzmaßnahmen und Prozesse für Cyberangriffe mit KI-Bezug etabliert.

Jedes sechste Unternehmen meldet Vorfälle mit KI

In den vergangenen zwölf Monaten hat laut BSI bereits jedes sechste Unternehmen einen Cyberangriff oder Betrugsversuch registriert, bei dem KI eine Rolle gespielt hat oder gespielt haben könnte. Insgesamt 17 Prozent berichteten von bestätigten Vorfällen (vier Prozent), Verdachtsfällen (elf Prozent) oder beidem (zwei Prozent).

Die betroffenen Unternehmen nannten diese Angriffsformen:

  • Phishing-Mails (90 Prozent): Mit KI lassen sich solche Nachrichten sehr überzeugend formulieren und gezielt auf einzelne Personen oder Unternehmen zuschneiden.
  • Automatisierte Angriffsskripte (40 Prozent): Sie suchen eigenständig nach Schwachstellen und passen sich dabei dynamisch an.
  • Deepfakes (elf Prozent): Gefälschte Audio- oder Videoaufnahmen, mit denen sich etwa Stimmen von Führungskräften imitieren lassen, um Beschäftigte zu Überweisungen zu bewegen („CEO-Fraud“).

Dr. Dirk Stenkamp, Präsident des TÜV-Verbands, kommentiert: „KI verschärft die Bedrohung von außen und schafft neue Risiken im eigenen Betrieb. Angreifer können mit KI ihre Attacken automatisieren und Menschen gezielter täuschen. Für Mitarbeitende ist oft kaum noch zu erkennen, ob eine E-Mail von einem Menschen verfasst oder mit KI erstellt wurde. Was Unternehmen bislang registrieren, könnte deshalb nur die Spitze des Eisbergs sein. Umso wichtiger ist es, bestehende Sicherheits- und Notfallprozesse um KI-bezogene Szenarien zu ergänzen.“

Wie Unternehmen KI nutzen und absichern

Für den Umgang mit KI-bezogenen Sicherheitsvorfällen haben laut BSI nur elf Prozent der Unternehmen mit bestehender oder geplanter KI-Nutzung entsprechende Prozesse. 43 Prozent greifen auf allgemeine IT-Sicherheitsprozesse zurück, ohne KI-spezifische Regeln. 20 Prozent erarbeiten solche Abläufe gerade, 25 Prozent haben keine Regelungen.

Auch beim Einsatz von KI zur Abwehr ist noch Luft nach oben. Laut Studie setzen 49 Prozent der Unternehmen KI ein, weitere neun Prozent planen dies. Nur 31 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen verwenden KI, um ihre IT-Sicherheit zu verbessern. 42 Prozent setzen KI nicht ein und planen es auch nicht. Von diesen nennen 53 Prozent Datenschutz- oder Sicherheitsbedenken. Häufiger genannt wird nur ein fehlender Nutzen (58 Prozent). Weitere Hürden sind ein hoher Integrationsaufwand (44 Prozent), rechtliche Unsicherheiten (43 Prozent), fehlende Kompetenzen (39 Prozent) und erwartete hohe Kosten (36 Prozent).

Neben der Abwehr von außen müssen Unternehmen den eigenen KI-Einsatz absichern. Das tun sie den Umfrageergebnissen nach bisher so:

  • Organisatorisch: Schulungen für Beschäftigte (56 Prozent), Risikobewertung und Klassifizierung von KI-Anwendungen (45 Prozent), formale Freigabeprozesse (45 Prozent), Prüfung von KI-Anbietern (42 Prozent). 29 Prozent haben keine dieser Maßnahmen umgesetzt.
  • Technisch: Qualitätssicherung und menschliche Prüfung kritischer Ergebnisse (67 Prozent), beschränkte Zugriffsrechte (64 Prozent), Schutz sensibler Daten etwa durch Anonymisierung (62 Prozent), Sicherheitstests vor dem Einsatz (52 Prozent), Protokollierung oder Monitoring (40 Prozent). Acht Prozent haben keine dieser Schutzmaßnahmen.

Was BSI und TÜV fordern

Stenkamp betont: „Eine KI muss jedoch nicht gehackt werden, um Schaden anzurichten. Sie kann sensible Daten preisgeben oder auf Grundlage falscher Informationen Entscheidungen treffen.“ Unabhängige Prüfungen und Zertifizierungen könnten die Vertrauenslücke schließen. 69 Prozent der Unternehmen, die KI nutzen oder planen, erwarten davon mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit. Für 51 Prozent ist eine Zertifizierung durch eine unabhängige Prüforganisation bereits ein wichtiges Auswahlkriterium. Die TÜV-Organisationen entwickeln dazu mit dem TÜV AI.Lab ein Rahmenprogramm für die Zertifizierung von KI-Systemen. Es wird derzeit mit Pilotpartnern erprobt und soll Ende des Jahres verfügbar sein.

Stenkamp berichtet, es herrsche vielfach Unsicherheit bezüglich der Frage, wer beim Einsatz von KI im Unternehmen im Schadensfall hafte: „Der Anbieter der KI, bin ich es selber oder sind es andere Stellen?“ Viele Unternehmen könnten das nötige Expertenniveau nicht aufbauen. Deshalb seien gesetzliche Vorgaben sinnvoll, damit zumindest eine Art „Grundschutz“ entsteht.

BSI-Vizepräsident Thomas Caspers sagt: „Unternehmen sollten sich kurzfristig mit KI als entscheidende Maßnahme für ihre eigene Cybersicherheit auseinandersetzen.“ Auch Unternehmen ohne eigenen KI-Einsatz seien durch KI-gestützte Angriffe gefährdet. Wer KI einsetze, müsse wissen, wo ihre Schutzmechanismen versagen. Dazu gehörten gezielte Tests und die Überwachung im laufenden Betrieb. Laut Caspers sollte Europa zudem die „wirklich relevanten Anwendungsbereiche“ identifizieren, um die Abhängigkeit von chinesischen und US-amerikanischen KI-Unternehmen zu verringern.

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Für kleine und mittlere Unternehmen hat die Allianz für Cyber-Sicherheit im BSI das Handout „Schutz vor KI-verstärkten Cyberangriffen“ mit Empfehlungen und Sofortmaßnahmen veröffentlicht. Mit dem AI Safety and Security Institute Deutschland (AISI) hat die Bundesregierung außerdem eine nationale Einrichtung für die Bewertung leistungsfähiger KI-Systeme geschaffen. BSI und Bundesnetzagentur bilden dafür zunächst einen „virtuellen“ Nukleus.

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