KI in der Cybersecurity KI-gestützte Anomalie­erkennung gegen komplexe Cyberangriffe

Ein Gastbeitrag von Elena Simon 4 min Lesedauer

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Die Implementierung von KI in der Cybersicherheit steht in Deutschland noch am Anfang, aber sie hat das Potenzial, Deutschlands Cybersecurity zu revolutionieren. Unternehmen, die frühzeitig in diese Technologien investieren, werden langfristig nicht nur besser gegen Bedrohungen gewappnet sein, sondern auch ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Trotz vieler Vorteile zeigt eine aktuelle Studie, dass der Einsatz von KI in der Cybersecurity in Deutschland hinter anderen Bereichen zurückbleibt.(Bild:  stokkete - stock.adobe.com)
Trotz vieler Vorteile zeigt eine aktuelle Studie, dass der Einsatz von KI in der Cybersecurity in Deutschland hinter anderen Bereichen zurückbleibt.
(Bild: stokkete - stock.adobe.com)

Unternehmen sind immer häufiger mit komplexen Cyberbedrohungen konfrontiert. Traditionelle Abwehrmaßnahmen stoßen oftmals an ihre Grenzen. Unternehmen müssen also ihre Sicherheitsstrategien modernisieren. Künstliche Intelligenz (KI) bietet dabei nicht nur eine vielversprechende Lösung, Bedrohungen proaktiv zu begegnen. Vielmehr ist sie ein unverzichtbares Element für eine resiliente digitale Zukunft. Doch ihr Potenzial in der Cybersicherheit bleibt in Deutschland oft unterschätzt. Eine aktuelle Studie von Gcore, die sich mit den Auswirkungen von KI auf konventionelle Technologien in Europa auseinandersetzt, zeigt: Es besteht weiterhin Aufklärungs- und Handlungsbedarf, um KI als integralen Bestandteil moderner Sicherheitsstrategien zu etablieren.

KI-Potenzial bleibt ungenutzt

KI kann nicht nur bestehende Sicherheitslücken schließen, sondern auch proaktiv potenzielle Bedrohungen erkennen, bevor sie Schaden anrichten. Etwa drei Viertel (76 Prozent) der befragten deutschen Unternehmen ordneten die Implementierung von KI in der IT-Sicherheit als zukünftig relevant ein. Die Studie verdeutlicht: Obwohl das Bewusstsein für die Notwendigkeit von KI steigt, wird der praktische Einsatz vor allem in der Bedrohungserkennung noch nicht in vollem Umfang genutzt.

Einer der entscheidenden Vorteile von KI liegt in der automatisierten Mustererkennung. Mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen lassen sich große Datenmengen analysieren und Anomalien im Netzwerkverkehr frühzeitig erkennen. Diese Fähigkeit, Bedrohungen präzise zu identifizieren, ermöglicht eine schnellere Reaktion auf neue Angriffsvektoren, wie etwa Zero-Day-Exploits oder unbekannte Schadsoftware – ein zentraler Baustein für eine widerstandsfähige IT-Infrastruktur, die auch zukünftigen Angriffen gewachsen ist.

Fortschritt ist besser als Vorsicht

Trotz der zahlreichen Vorteile zeigt die Studie, dass der Einsatz von KI in der Cybersecurity in Deutschland hinter anderen Bereichen zurückbleibt. Während bereits 67 Prozent der Unternehmen einen starken Einfluss von KI für Cloud-Computing-Prozesse sehen, wird ihr Einfluss auf die Cybersicherheit mit 63 Prozent noch als geringer eingeschätzt. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass viele Unternehmen in Deutschland eine sehr vorsichtige Herangehensweise wählen, die sich auf ausgereifte Planungsprozesse und regulatorische Konformität konzentriert. Doch gerade hier bietet sich eine Chance: KI-basierte Sicherheitslösungen können die Einhaltung von Standards wie der DSGVO unterstützen, indem sie Datenströme kontinuierlich überwachen und sicherstellen, dass sensible Daten geschützt bleiben. Davon könnten vor allem deutsche Unternehmen profitieren. Schließlich sind hierzulande die regulatorischen Anforderungen an den Datenschutz besonders hoch und Sicherheitsvorfälle können sich direkt auf den Geschäftsbetrieb auswirken.

Ein Beispiel für eine solche Technologie ist die KI-gestützte Anomalieerkennung, die in Echtzeit Netzwerke überwacht und Auffälligkeiten meldet. Diese Technologien bieten insbesondere in Branchen wie dem Finanz- und Gesundheitswesen einen erheblichen Mehrwert, da sie helfen, Sicherheitsverstöße schnell zu identifizieren und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sicherzustellen.

Herausforderungen und Chancen für die deutsche Wirtschaft

Die Studie zeigt zudem, dass sich 28 Prozent der deutschen Unternehmen aktuell in der Implementierungsphase von KI befinden, was auf eine zunehmende Bereitschaft hindeutet, in die notwendige Technologie zu investieren. Gleichzeitig verdeutlicht sie aber auch: Eine der größten Herausforderungen bei der Implementierung von KI in die Cybersecurity besteht darin, dass viele Unternehmen die notwendigen Infrastrukturen noch aufbauen müssen. Besonders größere Unternehmen sind hier oft weiter fortgeschritten als kleinere, da sie in der Regel über mehr Ressourcen zur Umsetzung komplexer Technologien verfügen.

Um die Vorteile der KI vollständig auszuschöpfen, setzen viele Unternehmen auf skalierbare Cloud-basierte Sicherheitslösungen, die sich flexibel an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen lassen. Durch die Kombination von Cloud-Infrastrukturen mit KI können Unternehmen ihre Abwehrmechanismen flexibel skalieren und auf Bedrohungen jeder Größe reagieren. Diese Flexibilität und Widerstandsfähigkeit ist besonders wichtig in einer Zeit, in der Cyberangriffe immer dynamischer, vielfältiger und vor allem komplexer werden.

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KI und die Zukunft der IT-Sicherheit in Deutschland

Die Gcore-Studie verdeutlicht: Der Einsatz von KI in der Cybersecurity ist mehr als nur ein technologischer Fortschritt – er ist vor allem ein notwendiger Schritt in Richtung einer resilienten digitalen Zukunft. KI ermöglicht es Unternehmen, ihre Sicherheitsstrategien zu automatisieren und gleichzeitig anpassungsfähig zu bleiben, um neuen Bedrohungen zu begegnen. In Deutschland, wo das Vertrauen der Verbraucher in die Sicherheit ihrer Daten ein entscheidender Wettbewerbsfaktor ist, kann eine proaktive Nutzung von KI-basierten Sicherheitssystemen einen echten Unterschied machen.

Dabei ist es wichtig, dass Unternehmen sich nicht nur auf die Abwehr konzentrieren, sondern die Technologie auch nutzen, um potenzielle Schwachstellen zu identifizieren und präventive Maßnahmen zu ergreifen. So können etwa KI-basierte Systeme durch historische Datenanalysen potenzielle Angriffsmuster erkennen und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten. Dieser Ansatz geht über die klassische Reaktion auf Bedrohungen hinaus und bietet eine neue Dimension der IT-Sicherheit.

Jetzt ist die Zeit zu handeln

Die Implementierung von KI in der Cybersicherheit steht in Deutschland noch am Anfang, die Weichen sind jedoch gestellt. Unternehmen, die frühzeitig in diese Technologien investieren, werden langfristig nicht nur besser gegen Bedrohungen gewappnet sein, sondern auch ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Dabei gilt es, nicht nur auf technische Lösungen zu setzen, sondern auch die eigenen Teams durch Schulungen und Sensibilisierung für die neuen Möglichkeiten der KI in der Sicherheit zu rüsten.

In einer Welt, in der Cyberangriffe immer raffinierter werden, ist die proaktive Bedrohungserkennung durch KI kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Deutsche Unternehmen sollten daher nicht zögern, KI als festen Bestandteil ihrer Sicherheitsstrategie zu integrieren und die Potenziale dieser Technologie voll auszuschöpfen. Nur so lässt sich die digitale Zukunft sicher und erfolgreich gestalten.

Über die Autorin: Elena Simon ist General Manager DACH bei Gcore, einem Anbieter von Public Cloud und Edge Computing, KI, Content Delivery (CDN), Hosting und Security-Lösungen. Neben dem Studium der Wirtschaftsinformatik an der TU Braunschweig machte sie Tanzkarriere und trat bei der Weltmeisterschaft 2004, 2005 an. Mit Diplom und Medaille kam sie 2007 in die Tech-Branche. Nach Stationen bei einem Telecom-Anbieter und einem Spieleentwickler stieg sie 2014 bei Gcore als Business Development Manager ein und leitet dort inzwischen das DACH-Geschäft.

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