Fälschungen per KI sind keine Ausnahme mehr, sondern gezielte Angriffsform. Unternehmen brauchen technische Schutzmaßnahmen, um Signaturen, Identitäten und Inhalte verlässlich abzusichern.
Generative KI kann heute nicht nur Texte, sondern auch Logos, Siegel und Unterschriften täuschend echt nachbilden und gefährdet so die Integrität sensibler Dokumente.
Früher brauchte es wirkliche Photoshop-Experten, um überzeugende Dokumentenfälschungen zu erstellen. Heute reichen frei verfügbare KI-Tools, um in wenigen Augenblicken täuschend echte Diplome, Verträge oder Ausweise zu erzeugen. Damit wächst das Risiko für Unternehmen in allen Branchen – vom Finanzwesen, in Personalabteilungen, bis hin zum Rechtsbereich oder Compliance-Umfeld. Eine aktuelle Studie zeigt, dass bereits fast jedes dritte europäische Unternehmen im ersten Quartal 2025 mit KI-gestützten Betrugsversuchen zu tun hatte, Tendenz steigend.
Gefälschte Identitäten und manipulierte Verträge setzen klassische Kontrollmechanismen zunehmend außer Kraft. Selbst Routineabläufe wie das Onboarding neuer Mitarbeitender oder die Freigabe von Verträgen sind nicht mehr zuverlässig, wenn Unternehmen allein auf Sichtprüfungen und manuelle Kontrollen vertrauen. Eine aktuelle Experian-Studie belegt, dass mehr als die Hälfte der befragten Firmen Schwierigkeiten hat, zu erkennen, ob bei einem Betrugsfall KI im Einsatz war. Das macht deutlich, wie sehr Angreifer inzwischen im Vorteil sind, während die Anforderungen an die Abwehr stetig wachsen.
Mitverantwortlich für diese Entwicklung ist die schnelle Weiterentwicklung generativer KI-Modelle. Systeme wie Qwen-Image oder Qwen-VL von Alibaba zeigen eindrucksvoll, wie weit die Technologie bereits ist: Sie erzeugen nicht nur realistische Texte und Bilder, sondern sind auch in der Lage, eingebettete Schriftzüge, Logos oder Layouts täuschend echt darzustellen oder zu verändern. Solche Fähigkeiten senken die Hürden für Fälschungen erheblich und machen es möglich, gefälschte Dokumente in großer Zahl und mit minimalem Aufwand herzustellen. Dieses Risiko gab es zwar schon früher, doch mit aktuellen Modellen wird es nun zunehmend massentauglich.
Elektronische Signaturen als erste Verteidigungslinie
Den wirksamsten Schutz gegen gefälschte Dokumente bieten sichere elektronische Signaturen. Fortgeschrittene elektronische Signaturen (AES), qualifizierte elektronische Signaturen (QES) und digitale Signaturen sind kryptografisch abgesichert und verknüpfen die geprüfte Identität des Unterzeichnenden direkt mit dem Dokument. Manipulationen werden sofort sichtbar.
Gerade weil KI inzwischen Logos, Siegel oder Unterschriften täuschend echt erzeugen kann, gewinnen elektronische Signaturen an Bedeutung. Sie garantieren, dass Änderungen nicht unbemerkt bleiben und ersetzen die unsichere Sichtprüfung durch eine technisch verifizierbare Sicherheitsebene. Viele Lösungen bieten zudem ein Prüfprotokoll, das Identität, Zeitpunkt der Signatur und die Validierung durch eine vertrauenswürdige Instanz dokumentiert. Für Rechts-, Compliance- und HR-Teams schafft dieser Audit-Trail Verlässlichkeit und erleichtert den Nachweis vor Gericht oder Behörden.
In der Praxis bedeutet das, dass Vertragsabschlüsse, Lieferantenvereinbarungen oder Mitarbeiter-Onboarding schneller und sicherer ablaufen. Unternehmen erhöhen so nicht nur ihre Sicherheit, sondern auch ihre Effizienz.
Rechtliche Vorgaben schaffen zusätzliche Sicherheit. In der EU bildet die eIDAS-Verordnung die Grundlage für elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste. Sie stellt qualifizierte elektronische Signaturen einem handschriftlichen Namenszug gleich und macht Investitionen in Signaturlösungen rechtlich belastbar.
Mit eIDAS 2.0 kommt nun ein umfassendes Update. Geplant sind digitale Identitäts-Wallets, strengere Standards für Vertrauensdienste und eine bessere grenzüberschreitende Kompatibilität. Für deutsche Unternehmen mit internationalen Partnern oder Standorten ist dies entscheidend. Wer sich früh vorbereitet, vermeidet Zeitdruck und verschafft sich einen klaren Wettbewerbsvorteil. Denn frühzeitige Anwender sichern nicht nur die Compliance, sondern positionieren sich auch als zukunftsfähige Partner. In einem umkämpften Markt kann die Interoperabilität nach eIDAS 2.0 über Ausschreibungen entscheiden, regulatorische Bedenken ausräumen und das internationale Geschäft stärken.
Konkrete Schritte für deutsche Unternehmen
Unternehmen können schon heute handeln, um ihr Risiko zu verringern:
Fortgeschrittene oder qualifizierte elektronische Signaturen einführen: Einfache elektronische Signaturen (SES) sollten ersetzt werden. AES und QES machen Manipulation sichtbar und bieten eine starke rechtliche Absicherung.
Signaturen in Workflows integrieren: Idealerweise direkt in das Dokumentensystem, nicht erst im Nachgang. So sinkt die Fehlerquote und Dokumente werden nicht vorab abgefangen.
Versionierung und Protokollierung automatisieren: Tools mit lückenlosem Audit-Trail einsetzen, um Änderungen nachvollziehbar zu machen und Transparenz zwischen Abteilungen zu schaffen.
Mitarbeitende schulen: Auch bei Signaturen bleibt Wachsamkeit wichtig. Auffällige Formatierungen, Metadaten oder Unstimmigkeiten müssen erkannt werden.
Regulatorik im Blick behalten: Entwicklungen rund um eIDAS 2.0 verfolgen und rechtzeitig auf digitale Identitäts-Wallets und neue Standards reagieren.
KI-gestützte Fälschungen sind längst keine Randerscheinung mehr. Immer mehr Unternehmen sehen sich mit dieser Bedrohung konfrontiert, die Folgen für Reputation, Finanzen und Rechtssicherheit haben kann. Die gute Nachricht ist, dass wirkungsvolle Gegenmaßnahmen bereits verfügbar sind. Wer sichere elektronische Signaturen konsequent in die eigenen Prozesse integriert, auf lückenlose Audit-Trails setzt und regulatorische Anforderungen frühzeitig berücksichtigt, schützt nicht nur seine Dokumente, sondern steigert auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit.
Stand: 08.12.2025
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Über den Autor: Evan Reiss ist Marketing-Experte aus Atlanta und verantwortet das internationale Marketing bei Foxit. Dort setzt er auf KI-gestützte Strategien, die Marketer und Wissensarbeiter wirklich voranbringen. Sein Schwerpunkt liegt darauf, neue Technologien und Marketing-Automatisierung so einzusetzen, dass Kundenerlebnisse kontinuierlich verbessert werden und echte Veränderung entsteht. Als Autor und Speaker spricht er regelmäßig über die Schnittstelle von KI, Design Thinking und MarTech – immer mit Fokus auf konkrete Anwendungen, die spürbare Wirkung haben.