Zu wenig Experten, zu viele Alarme KI räumt mit Fehlalarmen auf und entlastet Sicherheitsteams

Ein Gastbeitrag von Rajan Padmanabhan 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Angriffe nehmen zu, die Zahl von Security-Experten in den Sicherheitsteams nicht. Statt echte Bedrohungen zu jagen, sortieren sie Alarme, von denen die meisten harmlos sind. Kann KI diese Schere schließen, ohne selbst zum Risiko zu werden?

Sicherheitsteams verlieren viel Zeit mit Fehlalarmen, während Angreifer ihre Methoden verfeinern. KI sortiert die Alarmflut vor, damit Fachkräfte ihre Zeit für echte Angriffe haben.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Sicherheitsteams verlieren viel Zeit mit Fehlalarmen, während Angreifer ihre Methoden verfeinern. KI sortiert die Alarmflut vor, damit Fachkräfte ihre Zeit für echte Angriffe haben.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Die Zahlen einer Studie des deutschen Digitalverbands Bitkom aus dem Jahr 2024 unterstreichen, wie ernst die Lage im Hinblick auf Cyber-Bedrohungen ist: Es entstehen mehr als 178 Milliarden Euro an Verlusten durch Cyber-Angriffe. Darüber hinaus verzeichnen 80 Prozent der befragten Unternehmen einen erheblichen oder zumindest gewissen Anstieg von Cyber-Attacken und zwei von drei Unternehmen befürchten, dass solche Angriffe ihre Existenz gefährden könnten.

In Deutschland werden, wie überall, KI-Technologien genutzt, um Cyber-Attacken auszuführen. 70 Prozent der Befragten der Bitkom-Studie gaben an, dass KI Cyber-Angriffe erleichtert. Allerdings ist KI auch ihre einzige realistische Verteidigung gegen diese Bedrohung.

Ob Analyse, Telemetrie oder Bedrohungsinformationen: KI wird überall benötigt

Zusammen mit Technologien wie Machine Learning (ML) und prädiktiver Analytik macht KI Cyber-Security-Operations intelligenter, schneller und effizienter. Diese Lösungen analysieren beispielsweise riesige Datenmengen und identifizieren Anomalien in Echtzeit, die auf eine potenzielle Bedrohung hindeuten. Gleichzeitig empfehlen sie Vorgehensweisen, um Risiken einzudämmen – oder lösen Gegenmaßnahmen sogar automatisch aus. Telemetrie nutzt ebenfalls zunehmend Machine Learning und Deep Learning für detailliertere Analysen und prädiktive Modellierung. Diese Automatisierungstools und Datenanalysetechnologien lassen sich nutzen, um Daten aus schwer zugänglichen Quellen innerhalb eines Netzwerks zu erfassen, zu messen, zu übertragen und sie in einem Security Data Lakehouse zu konsolidieren. Im Anschluss werden sie dann analysiert, ausgewertet und überwacht. Dies ermöglicht eine detailliertere Analyse und die Erstellung von Vorhersagemodellen. Im Hinblick auf den Sicherheitsbetrieb verbessert KI die Telemetrie, indem sie Echtzeit-Transparenz im gesamten Netzwerk bietet. Dadurch ist eine schnellere Erkennung von Anomalien sowie eine zügigere Problemlösung möglich.

Auch wenn Bedrohungsintelligenz der Schlüssel zu einer effektiven Cybersicherheit ist: Ihr Nutzen nimmt mit der Zeit sehr schnell ab. Durch den Einsatz von Daten, KI und Automatisierung entlang des gesamten Lebenszyklus gewährleistet KI, dass diese Bedrohungsintelligenz den richtigen Personen sofort zur Verfügung steht, bevor sie veraltet ist oder unbrauchbar wird.

Fortschritte wie generative KI verbessern Cyber-Security-Fähigkeiten und wehren so Zero-Day-Angriffe und andere ausgefeilte Bedrohungen besser ab, die herkömmliche Maßnahmen möglicherweise umgehen. Generative KI ermöglicht darüber hinaus adaptive Sicherheit: Sie greift auf gelernte Informationen zurück und erzeugt so realistische synthetische Sicherheitsdaten, mit denen Unternehmen KI-Modelle trainieren können – und zwar ohne den Datenschutz und die Vertraulichkeit zu gefährden. Währenddessen kann sie Angriffsszenarien und Bedrohungsvektoren generieren, um Schwachstellen in Unternehmensanwendungen aufzudecken. Außerdem recherchiert sie Quellen wie Branchenberichte, Forschungsstudien und Expertenmeinungen zu neuen Bedrohungen und fasst die Inhalte leicht verständlich zusammen. So lassen sich Sicherheitsvorkehrungen in Unternehmen verbessern.

So schließt sie die Fachkräftelücke

Während deutsche Unternehmen ihre Investitionen in Cyber-Security vorantreiben, stoßen sie auf Hindernisse, Stichwort: Fachkräftemangel. Gleichzeitig soll der Cyber-Security-Markt bis 2029 von derzeit 12,60 Milliarden US-Dollar auf 21,47 Milliarden US-Dollar wachsen. Es wird erwartet, dass sich die Qualifikationslücke bei Cyber-Security-Experten im nächsten Jahr auf 106.000 Fachkräfte anwächst.

Bevor Unternehmen jedoch versuchen, Mitarbeiter auf einem angespannten Arbeitsmarkt einzustellen, sollten sie den bestehenden Talentpool durch Schulungen, Umschulungen und Weiterbildungen stärken. KI-gestützte digitale Zwillinge von Unternehmensnetzwerken können für die Schulung von Security-Teams äußerst nützlich sein. Während Mitarbeiter verschiedene Angriffsvektoren und Strategien zu deren Abwehr erkunden, sammeln sie praxisnahe Erfahrungen und technisches Wissen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zur IT-Sicherheit

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Darüber hinaus entlastet der Einsatz von KI zur Automatisierung von Threat-Intelligence-Aktivitäten die Sicherheitsteams. Bei weiterhin manuell ausgeführten Aufgaben reduziert KI so den Personalbedarf, da sie die menschliche Arbeit ergänzt.

KI reduziert Fehlalarme und verbessert so die Effektivität

Studien zufolge sind bis zu 71 Prozent der Sicherheitsalarme nach Kontextualisierung Fehlalarme (False Positives), deren Prüfung einen erheblichen Teil der Arbeitszeit von Sicherheitsteams bindet. Erschwerend kommt hinzu, dass jede dritte Organisation angibt, bei einem echten Vorfall zu spät reagiert zu haben, weil sie mit Fehlalarmen beschäftigt war. Deutsche Unternehmen, die ohnehin schon mit einem Mangel an Fachkräften im Sicherheitsbereich zu kämpfen haben, können es sich kaum leisten, ihre Ressourcen für nicht existente Bedrohungen einzusetzen. Allerdings: Falsche Negativmeldungen können sie sich ebenfalls nicht leisten.

KI-basierte Sicherheitstools können diese Bedenken ausräumen. Sie erkennen subtile Datenmuster und klassifizieren so Bedrohungen genauer: Echte Bedrohungen werden abgefangen, harmlose Ereignisse durchgelassen. Unternehmen sind so in der Lage, sich auf echte Positivmeldungen zu konzentrieren. Dies verbessert sowohl die Präzision als auch die Kosteneffizienz der Sicherheitsinfrastruktur.

Die Anzahl der Cyber-Angriffe steigt kontinuierlich an – darüber hinaus werden Attacken immer ausgefeilter. Um dem entgegenzuwirken, benötigen deutsche Unternehmen eine skalierbare, anpassungsfähige und effektive Security-Infrastruktur. Die Integration von KI-Technologien in die Cyber-Security unterstützt dieses Ziel nicht nur, sondern schließt auch die Qualifikationslücke. Die meisten Unternehmen setzen bereits KI-gestützte Cyber-Security-Tools ein oder ziehen deren Einsatz aktiv in Betracht. Allerdings befürchten sie auch, dass die Technologie ihre Angriffsfläche tatsächlich vergrößern und neue Bedrohungen mit sich bringen könnte. Indem sie die richtigen Tools auswählen, eine Sicherheitskultur und verantwortungsbewusste KI-Praktiken aufbauen, sind Unternehmen jedoch in der Lage, die Vorteile der KI-gestützten Sicherheit zu maximieren und gleichzeitig deren Risiken zu reduzieren.

Über den Autor: Rajan Padmanabhan ist AVP, Senior Principal Technology Architect, Data Analytics and AI bei Infosys.

(ID:50985519)