Kaum eine Technologie polarisiert wie die künstliche Intelligenz. Laut des Branchenverbandes Bitkom sehen gut zwei Drittel aller deutschen Unternehmen in ihr die wichtigste Zukunftstechnologie überhaupt. Und doch fürchten 70, bzw. 69 Prozent der Gesamtwirtschaft Datenschutzverstöße und IT-Sicherheitsrisiken. KI ist Hoffnungs- und Bedenkenträger zur gleichen Zeit.
Viele KI-Unternehmen haben Datensicherheit nicht gerade im Kern ihrer DNA. Sie benutzen Daten zum Training der eigenen Software, lagern sie in Cloud-Servern, teils außerhalb Europas aus oder geben wenig Einblicke in die Speicherfristen.
(Bild: Franklin - stock.adobe.com)
Dass sich Sorgen rund um das Thema KI entwickeln, ist bei der rasanten Geschwindigkeit, in der sich die Technologie ausbreitet, verständlich. Doch die Technologie selbst ist keineswegs neu. Schon lange vor dem Boom gab es bereits unzählige Anwendungsszenarien für Künstliche Intelligenz; es fehlte der Technologie jedoch oft noch die notwendige Reife. So boten etwa Chatbots schon vor Jahren den ersten Touchpoint zu KI im Alltag. Trotzdem fristete Künstliche Intelligenz, zumindest im unternehmerischen Mainstream, die vergangenen Jahre ein Nischendasein. Der Fokus lag auf Automatisierung. Was den Durchbruch nun ermöglicht hat: leistungsstarken System-Infrastrukturen, Hauptprozessoren (CPUs), enorme Mengen Arbeitsspeicher und extrem leistungsstarke Beschleunigerkarten, die sich über die letzten Jahre von der Gaming-Grafikkarte zu Spezialhardware für KI-Anwendungen entwickelt haben.
Fehlendes Wissen schürt Unsicherheiten in Unternehmen
Durch die explosionsartige Ausbreitung von KI sehen sich Unternehmen indessen mit einer bislang unbekannten Technologie konfrontiert, was bei vielen Firmen Unsicherheit und Zurückhaltung hervorruft. Allem voran steht die weitverbreitete Sorge um Datenschutzverstöße und IT-Sicherheitsrisiken: Laut einer Studie des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft e.V. (ifaa) handelt es sich hierbei sogar um 40 Prozent der befragten Unternehmer. Die konkrete Ursache für die Unsicherheit der Unternehmerinnen und Unternehmer: Oft ist nicht klar, was eigentlich mit den Daten passiert, die in eine KI eingespeist werden. Viele KI-Unternehmen haben Datensicherheit nicht gerade im Kern ihrer DNA. Sie benutzen Daten zum Training der eigenen Software, lagern sie in Cloud-Servern, teils außerhalb Europas aus oder geben wenig Einblicke in die Speicherfristen. Gerade bei sensiblen Geschäftsdaten ein No-Go.
Während einige Sorgen zwar grundsätzlich berechtigt sein mögen, sollte jedoch klar gemacht werden, welche Risiken vermeidbar sind. Wichtig zu wissen daher für Unternehmer: Es gibt ein paar einfache Schritte, worauf sie achten können und müssen, um Datenschutzrisiken beim Einsatz von KI zu minimieren. Werden diese berücksichtigt, können Unternehmen zum Early Adopter werden und bereits heute von den Vorteilen von KI-Technologie profitieren.
Worauf ist zu achten, um KI sicher in Unternehmen anwenden zu können?
Speicherort: Das erste Gütekriterium für KI-Partner ist der Speicherort von Daten. Anbieter sollten die Hoheit – und damit auch die Verantwortung – über die Daten haben. Man sollte darauf achten, dass Daten nicht an Drittanbieter wie Cloud-Hosting-Anbieter ausgelagert werden. Wer also beispielsweise liest, dass zur Lagerung externe Cloud-Hosting-Services, also Drittparteien, involviert werden, sollte sich erneut umschauen. DeepL platziert daher beispielsweise seine eigenen Serverfarmen in Schweden und Island und hat damit sowohl immense Kapazitäten, als auch die Hoheit über die verwendeten Daten.
Europa als sicherer Hafen für Daten: Ebenfalls unter das Stichwort Lage fällt die Herkunft der KI-Partner bzw. der geografische Ort der Serverinfrastruktur. Nur Unternehmen, die innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes ansässig sind, sind zur Einhaltung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verpflichtet. Unternehmen, die mit sensiblen Daten arbeiten, sollten sich also um einen europäischen Anbieter bemühen, der seine Server-Infrastrukturen auch auf dem Kontinent betreibt.
Verschlüsselung: Bei sicherem Datenhandling muss immer ganzheitlich gedacht werden. Es kommt nicht nur darauf an, wo die Daten gespeichert werden, sondern auch darauf, wie sie dort hinkommen. Seriöse Anbieter sollten daher für eine wirksame Datenübertragung sorgen: End-to-End Verschlüsselung sind hierbei ein Muss; Zertifizierungen wie ISO27001 und SOC2 indizieren solche Verschlüsselungen. Unternehmen, die Details zur Verschlüsselung in Erfahrung bringen möchten, können darüber hinaus spezielle Whitepapers zum Thema der Anbieter anfragen und analysieren lassen.
Löschung: “Data is the New Oil”. Dieses Kredo ist im Zeitalter Künstlicher Intelligenz aktueller denn je. Anbieter könnten die sensiblen Daten nicht nur dazu verwenden, um ihre beworbenen Dienste zu verrichten, sondern darüber hinaus als Grundlage zu KI-Training und Weiterverkaufen verwenden und im schlimmsten Fall sogar weiterverkaufen. Es ist daher ratsam, sich an KI-Partner zu wenden, die sich ausdrücklich dazu verpflichten, die Firmendaten direkt nach der Verwendung unwiederbringlich zu löschen. So löscht DeepL beispielsweise die Daten seiner Pro-Kunden direkt im Anschluss an die Übersetzung.
Stand: 08.12.2025
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Geheimhaltung absichern: Um die korrekte Handhabe mit den eigenen Daten sicherzustellen, können Unternehmen von KI-Partnern ein sogenanntes Non-Disclosure-Agreement (NDA, zu Deutsch Geheimhaltungsvereinbarung) einfordern. In diesen Verträgen verpflichten sich die Parteien zu datenschutzkonformen Vorgehen. Meistens haben Partner eine Standardausführung eines solchen NDAs parat; man sollte jedoch nicht davor zurückscheuen, diese basierend auf den eigenen Anforderungen anzupassen.
Wenn sich Entscheider innerhalb von Unternehmen nach diesen Richtlinien zur Auswahl von KI-Partnern ausrichten, ist die Grundlage für eine verantwortungsbewusste, sichere und datenschutzkonforme Zusammenarbeit gegeben. Seriöse Anbieter werden zudem proaktiv mit Informationen zu Speicherung, Verschlüsselung und Löschung sowie einem NDA auf Unternehmen zukommen und und schaffen damit von Beginn an ein hohes Maß an Transparenz und Vertrauenswürdigkeit. Letztlich verhält es sich mit der Auswahl von KI-Partnern wie mit anderen Dienstleistern auch: Transparenz und Proaktivität sind Gütekriterien. Eine Zusammenarbeit mit Anbietern, die zudem die oben aufgeführten Kriterien erfüllen, lässt Unternehmen die immensen Potenziale von KI auf sichere Weise ausschöpfen.
Über den Autor: Guido Simon ist Director of Engineering bei DeepL und verantwortlich für den zuverlässigen, schnellen und sicheren Betrieb aller Dienste von DeepL. Er ist leidenschaftlicher Softwareentwickler und seit über 20 Jahren in der IT-Branche tätig. Er hat sein Diplom in Informatik an der Universität Bonn mit den Schwerpunkten IT-Sicherheit und Datenschutz abgeschlossen. Seine langfristige Vision für DeepL stellt Zuverlässigkeit, Sicherheit und Umweltverträglichkeit in den Vordergrund, um eine sichere und nachhaltige Zukunft im Bereich der KI zu schaffen.