Sicherheitsgewinn durch smarte Systeme Künstliche Intelligenz im öffentlichen Raum

Ein Gastbeitrag von Gandhi Gabriel 4 min Lesedauer

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Vom Bahnhof bis zum Stadion: KI-gestützte Sicherheitstechnologien bieten neue Möglichkeiten zur Gefahrenprävention, werfen jedoch auch Fragen zu Datenschutz, Akzeptanz und rechtlichen Rahmenbedingungen auf.

Ob in Innenstädten, an Bahnhöfen oder bei Großveranstaltungen – KI ergänzt das menschliche Urteilsvermögen um Geschwindigkeit, Präzision und Datenanalyse(Bild: ©  LeManna – stock.adobe.com)
Ob in Innenstädten, an Bahnhöfen oder bei Großveranstaltungen – KI ergänzt das menschliche Urteilsvermögen um Geschwindigkeit, Präzision und Datenanalyse
(Bild: © LeManna – stock.adobe.com)

Künstliche Intelligenz verändert die Sicherheitsarchitektur im öffentlichen Raum grundlegend. Systeme, die Gefahren automatisch erkennen und Einsatzkräfte gezielt steuern, sind längst keine Zukunftsvision mehr. Ob an Bahnhöfen, in Innenstädten oder bei Großveranstaltungen – KI ergänzt das menschliche Urteilsvermögen um Geschwindigkeit, Präzision und Datenanalyse. Dabei werden häufig sensible personenbezogene Daten verarbeitet und Entscheidungen teilweise automatisiert getroffen. Dies erfordert eine klare gesetzliche Einbettung und eine transparente Kommunikation, um Vertrauen und Rechtssicherheit zu sichern.

Wandel durch Technik

Die Sicherheitslandschaft im öffentlichen Raum befindet sich im Umbruch. Neben klassischen Maßnahmen wie Videoüberwachung und Zutrittskontrollen halten zunehmend smarte Systeme Einzug, die auf KI basieren. Während künstliche Intelligenz in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit Cybersecurity in Verbindung gebracht wird, entfalten sich ihre Potenziale auch in der physischen Sicherheit. Dabei geht es nicht allein um den Schutz von Gebäuden oder Veranstaltungen, sondern um ein breites Spektrum an Anwendungen – von der Erkennung ungewöhnlicher Bewegungsmuster bis hin zur präzisen Analyse von Menschenansammlungen.

Neue technische Entwicklungen, wie Drohnen zur Lageüberwachung oder robotergestützte Patrouillen, spielen in sicherheitsrelevanten Szenarien eine tragende, teils lebensrettende Rolle. Insbesondere in sensiblen Bereichen wie der Luftsicherheit oder im Gesundheitswesen kommt KI als Ergänzung zu menschlichen Einsatzkräften verstärkt zum Einsatz. Ziel ist eine kontinuierliche Optimierung von Abläufen, um auf sich verändernde Gefährdungslagen schnell reagieren zu können.

Konkrete Anwendung im öffentlichen Raum

Praktische Einsatzfelder sind vielfältig und reichen von Bahnhöfen, in denen KI-gestützte Kameras verlassene Gepäckstücke oder auffälliges Verhalten erkennen, über stark frequentierte Innenstädte, wo Sensoren Rauchentwicklung oder plötzliche Temperaturveränderungen detektieren, bis hin zu Sportstadien und Festivalgeländen, auf denen intelligente Analysen der Menschenströme helfen, bei Gedränge und gefährlichen Dynamiken frühzeitig Sicherheitskräfte zu alarmieren.

Auch in Flughäfen, Kliniken oder Justizvollzugsanstalten werden KI-basierte Systeme getestet, um verbotene Gegenstände oder verdächtige Bewegungsmuster zu identifizieren und die Arbeit von Sicherheitskräften vor Ort zu unterstützen.

Während der Olympischen und Paralympischen Spiele in Paris setzte man 2024 ein KI-basierendes Videoüberwachungssystem namens Cityvision ein. Etwa 200 Kameras im Pariser Verkehrsnetzwerk inklusive Metro und RER überwachten live Situationen wie zurückgelassene Gegenstände, Menschenmengen und Dichteentwicklungen. Die KI analysierte Bilderströme in Echtzeit und alarmierte Betreiber bei bestimmten Mustern – etwa unbeaufsichtigtem Gepäck oder unerwarteten Bewegungen. Ziel war es, die Transport- und Veranstaltungssicherheit insgesamt zu erhöhen.

Chancen und Risiken im Gleichgewicht

Intelligente Systeme sind heute bereits in der Lage, Menschenmengen und deren Dynamik zu analysieren, um potenzielle Gefahrenherde frühzeitig zu identifizieren. Unruhen, Rauchentwicklung, Flammen oder auffällige Temperaturveränderungen können automatisch erkannt und gemeldet werden. Durch die Kombination von Videoüberwachung, IoT-Sensorik und intelligenter Datenanalyse lassen sich Notfallpläne automatisiert anstoßen und Einsatzkräfte gezielt steuern. Fortschrittliche Verfahren gehen noch einen Schritt weiter: Sie können anhand von Verhaltensmustern oder physiologischen Indikatoren auf ungewöhnlich gestresste Personen in einer Menge hinweisen – ein Ansatz, der im Idealfall hilft, sicherheitsrelevante Vorfälle zu verhindern, bevor sie entstehen.

Erste praktische Anwendungen dieser Technologie finden sich etwa bei Großveranstaltungen, wo sie nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch gegebenenfalls den Personalaufwand reduzieren können. Die positiven Aspekte dieser Entwicklungen liegen daher auf der Hand: eine präzisere Erkennung von Gefahren, eine Verkürzung der Reaktionszeiten und die Möglichkeit, präventiv statt reaktiv zu agieren. Gleichzeitig bergen KI-Systeme auch Risiken, die nicht unterschätzt werden dürfen. Fehlalarme durch inkorrekte Analysen, die Gefahr einer unverhältnismäßigen Datenerfassung oder die algorithmische Diskriminierung bestimmter Gruppen können das Vertrauen der Bevölkerung beeinträchtigen. Es gilt daher, die Balance zwischen technischer Effizienz und gesellschaftlicher Akzeptanz zu wahren und die Systeme so zu gestalten, dass sie nachvollziehbar, überprüfbar und datenschutzkonform arbeiten.

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Rechtliche Leitplanken

Um dem Einsatz dieser Technologien einen zulässigen Rahmen zu geben, sind entsprechende gesetzliche Regelungen notwendig. Der AI Act der Europäischen Union schafft hier erstmals einheitliche Vorgaben, indem er KI-Anwendungen nach Risikoklassen einordnet und entsprechende Transparenz- und Sicherheitsanforderungen festlegt. Hochrisikoanwendungen wie biometrische Gesichtserkennung unterliegen beispielsweise strengen Prüf- und Dokumentationspflichten.

Ergänzend stellt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sicher, dass personenbezogene Daten nur zweckgebunden, rechtmäßig und mit klar definierten Löschfristen verarbeitet werden. Darüber hinaus ist der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entscheidend: Sicherheitsmaßnahmen dürfen keine unzumutbaren Eingriffe in Grundrechte darstellen. Datenschutz-Folgenabschätzungen sowie regelmäßige technische Audits gehören zur Pflicht.

Mensch und Technik – ein partnerschaftliches Verhältnis

Trotz aller technologischen Fortschritte bleiben Fachkräfte im Sicherheitsgefüge unverzichtbar. KI kann Prozesse beschleunigen, Datenmengen auswerten und präzise Warnungen generieren – sie ersetzt jedoch nicht das situative Urteilsvermögen, die Empathie und die Erfahrung von geschultem Sicherheitspersonal. In komplexen oder unvorhersehbaren Lagen entscheidet oft die Kombination aus technischer Unterstützung und menschlicher Entscheidungsfähigkeit über den Erfolg einer Maßnahme.

Damit diese Symbiose funktioniert, müssen die Qualifikationsanforderungen an die Branche erweitert werden. Neben klassischem Einsatztraining und Rechtskenntnissen werden Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Systemen, ein Grundverständnis für KI-Algorithmen und deren Funktionsweisen sowie Kenntnisse zu Datenschutz- und Ethikfragen benötigt. Nur so kann gewährleistet werden, dass Technik und Mensch im Zusammenspiel ein Sicherheitsniveau schaffen, das sowohl wirksam als auch akzeptiert ist. Ein hoher Standard in Ausbildung, Zertifizierung und kontinuierlicher Weiterbildung ist deshalb ebenso wichtig wie die Investition in zuverlässige Technologien.

Schutz im öffentlichen Raum ist immer ein Zusammenspiel aus Prävention, Reaktionsfähigkeit und Vertrauen – und dieses Gleichgewicht wird künftig zunehmend durch die intelligente Kooperation von Mensch und Maschine geprägt.

Gandhi Gabriel
ist Sicherheitsexperte und Geschäftsführer der SSB – Sicherheit, Service, Beratung GmbH. Gabriel ist gelernter Wirtschaftswissenschaftler und seit zehn Jahren in der Sicherheitsbranche tätig. Bevor er im Februar 2018 die SSB GmbH gründete, war er als Sicherheitsberater tätig.

Bildquelle: SSB

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