Die Bezahlung von Lösegeld – und eine entsprechende Versicherungspolice – kann zu einem falschen Sicherheitsgefühl gegenüber Ransomware führen. Doch das ist nicht das einzige Problem.
Das Bezahlen von Lösegeld im Falle einer erfolgreichen Ransomware-Attacke ist zu kurz gedacht.
(Bild: vchalup - stock.adobe.com)
Laut einer Studie von Cohesity zahlen mehr Unternehmen denn je Lösegeld bei Ransomware-Angriffen. Und die zentrale Ursache dafür ist, dass ihre Maßnahmen für Sicherheit und Datenwiederherstellung nicht ausreichend sind. Entsprechend ist es an der Zeit, dass sie einen genaueren Blick darauf werfen, welche Sicherheitsprodukte und -dienstleistungen sie nutzen. Schließlich werden Ransomware-Angriffe weiter zunehmen, insbesondere wenn sich Unternehmen einfach auf eine Cyberversicherung verlassen und im Falle eines Angriffs Lösegeld zahlen. Das heizt die Kriminalität weiter an, so dass die Gefahr erhöht statt das Problem gelöst wird.
Tatsächlich entsteht durch Cyber-Versicherungen ein trügerisches Gefühl der Sicherheit. Viele Unternehmen halten dann eine umfassend getestete Cyberresilienz-Strategie nicht mehr für nötig. Aber auch in Firmen ohne eine solche Versicherung schwindet die Unterstützung dafür. Dies belegt eine aktuelle Studie von RUSI, wonach „es tatsächlich keine zwingenden Beweise dafür gibt, dass Opfer mit einer Cyberversicherung eher Lösegeld zahlen als solche ohne.“
Keine Garantie für Wiederherstellung
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) weist jedoch darauf hin, dass Unternehmen, die Lösegeld zahlen, keine Garantie dafür haben, wieder Zugang zu ihren Daten oder Systemen zu erhalten. Viele gut dokumentierte Fälle mit Lösegeld-Zahlung zeigen, dass die daraufhin zur Verfügung gestellten Schlüssel in keiner Weise strukturiert waren. Dies führte zu problematischen und oft nicht synchronisierten Prozessen und damit zu einer langwierigen Wiederherstellung der Geschäftsabläufe. Außerdem ist es sehr wahrscheinlich, dass die Computer infiziert bleiben und das Unternehmen in Zukunft erneut angegriffen wird.
Hinzu kommt natürlich das Problem, dass Geld an kriminelle Banden fließt. In Deutschland ist es nach derzeitigem Stand zwar grundsätzlich keine Straftat, Lösegeld zu bezahlen, durchaus aber in anderen Ländern. So hat das US-Finanzministerium bereits 2020 darauf hingewiesen, dass man sich dadurch strafbar machen kann. Auch das britische Office of Financial Sanctions Implementation (OFSI) erinnert in ihren Leitlinien Unternehmen daran, dass die Zahlung von Lösegeld an bestimmte Organisationen eine schwere Straftat darstellt.
So ist die Vorstellung absurd, eine Versicherung für Lösegeldzahlung wäre eine akzeptable Möglichkeit zur Gefahrenabwehr. Wenn überhaupt, dann führt dies in Unternehmen zur irrigen Annahme, sie seien gegen Ransomware-Angriffe abgesichert. Das ist ein großes Problem. Denn dies kann durchaus zu folgender Situation führen: Erst zahlen Unternehmen für eine Versicherung, welche die Zahlung des Lösegelds übernimmt, anschließend eine Geldstrafe für das Übertreten von Gesetzen oder Anordnungen, danach eine Geldstrafe für die Nichteinhaltung von Branchen-SLAs, dann Strafen für die Sicherheitsverletzung, schließlich für die Folgekosten wie Datenverlust, Wiederherstellung einschließlich Unterstützung durch Dritte, nachgelagerte Kundenauswirkungen und so weiter ... Die Cyberversicherung deckt höchstens Teile davon ab.
Wenig Vertrauen in Unternehmen
Kein Wunder, dass die Gefahr zunimmt: Gemäß der genannten Cohesity-Studie sagen 94 Prozent der Befragten in Deutschland, dass die Bedrohung durch Ransomware-Angriffe für ihre Branche 2023 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Fast die Hälfte der deutschen Unternehmen war in den ersten sechs Monaten Ziel einer Ransomware-Attacke. Dabei bezweifeln 81 Prozent, dass ihre Cyberresilienz-Strategie die heutigen Herausforderungen und Bedrohungen bewältigen kann.
Es überrascht auch nicht, dass über zwei Drittel der befragten IT-Experten (71 Prozent) nicht voll und ganz darauf vertrauen, dass ihr Unternehmen im Falle eines systemweiten Cyberangriffs Daten und kritische Geschäftsprozesse vollständig wiederherstellen kann. Fast 80 Prozent der Befragten in Deutschland sagen, dass dies mehr als drei Tage dauern würde, fast die Hälfte (48 Prozent) geht von mehr als einer Woche aus. Jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) benötigt dazu sogar über drei Wochen. Entsprechend würden 73 Prozent Lösegeld zahlen, wenn sich damit Daten und Geschäftsprozesse schneller wiederherstellen ließen.
Die lange Dauer der Wiederherstellungsprozesse deutet auf eine fehlende Integration der Maßnahmen für Schutz, Erkennung, Identifizierung, Reaktion und Wiederherstellung hin. Deren enge Verknüpfung wäre auch für eine wirksame Eindämmung von Bedrohungen erforderlich. Aus der Studie geht eindeutig hervor, dass IT- und Sicherheitsteams enger zusammenarbeiten müssen, um eine solidere Strategie für Datensicherheit und Resilienz zu entwickeln. Doch nur 32 Prozent der Befragten in Deutschland sehen die mangelnde Koordination zwischen IT- und Sicherheitsteams als Hindernis für eine schnelle Wiederaufnahme des Betriebs nach einem erfolgreichen Cyberangriff.
Stand: 08.12.2025
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Der richtige Weg: Schaden minimieren
Eine Herausforderung ist dabei, dass sich die IT-Strukturen aufgrund wechselnder Datenanforderungen immer häufiger ändern müssen. Zusätzlich befinden sich die Daten an verschiedenen Orten: vor Ort, in einer Private oder Public Cloud, in SaaS-Plattformen und -Anwendungen, in Colocation-Rechenzentren und so weiter. Dies erhöht die Komplexität und verwischt die Verantwortungsgrenzen, weshalb der Fokus des Security-Ansatzes auf den Daten selbst liegen muss.
Da es nicht immer möglich ist, einen Sicherheitsvorfall zu verhindern, müssen Unternehmen diesen erkennen und darauf reagieren. Denn eines der offensichtlichsten Probleme nach einem Angriff besteht in einer erneuten Infektion. Die Zahlung eines Lösegelds führt nicht automatisch zur Entfernung der Ransomware von den Systemen des Unternehmens. Die Verantwortlichen sollten nicht darauf vertrauen, dass Kriminelle ihre Versprechungen einhalten, die Systeme nach Zahlung des Lösegelds vollständig wiederherzustellen. Warum sollte ein Angreifer keinen Code im System versteckt hinterlassen, um ihn später zu nutzen? Ein erneuter Hack für einen anderen Auftraggeber bringt weitere Einnahmen und erhöht die Notwendigkeit für das Opfer zur Wiederherstellung.
Die erwähnte Studie zeigt auch, dass IT- und Sicherheitsverantwortliche nicht völlig davon überzeugt sind, dass ihr Unternehmen eine erneute Infektion nach einem Angriff vermeiden kann. Dies glauben weltweit nur 20 Prozent. Das ist eindeutig zu wenig und liegt wohl daran, dass die Mehrheit eher spontan und ungeplant auf Ransomware reagiert. Stattdessen sollten Unternehmen einen gezielten Ansatz entwickeln, um Bedrohungen durch schnelle, effiziente Reaktion und Wiederherstellung abzuwehren.
Doch wie können sie nicht nur Ransomware und böswillige Insider erkennen, sondern auch durch optimierte Sicherheitstools Schäden vermeiden? An dieser Stelle rücken Backup und Wiederherstellung in den Vordergrund. Moderne Lösungen nutzen die Cloud und Automatisierung, um „Reinräume“ einzurichten sowie Analysen für eine angemessene und rechtzeitige Reaktion durchzuführen. Sie ermöglichen damit einen koordinierten Ansatz für digitale Forensik und die Reaktion auf einen Vorfall in Kombination mit einer sauberen und schnellen Wiederherstellung, welche die Leistungsfähigkeit von Daten und Cloud-basierten Dateisystemen nutzt.
Fazit
Das Bezahlen von Lösegeld ist zu kurz gedacht. Stattdessen benötigen Unternehmen eine intelligente Strategie, bei der ihre kurz- und längerfristigen Interessen hinsichtlich Betrieb und Cyberresilienz im Mittelpunkt stehen. Dabei ist es an der Zeit für eine Neubewertung, ob Versicherungen und Lösegeldzahlungen überhaupt ein Teil davon sein sollten.
Über den Autor: Mark Molyneux ist EMEA CTO bei Cohesity.