Definition Malware Information Sharing Platform Was ist MISP?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 5 min Lesedauer

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MISP ist eine Open-Source-basierte Plattform für Threat Intelligence und Threat Sharing. Mithilfe der Plattform lassen sich Informationen über Malware in Form von Indicators of Compromise (IoCs) verwalten, bereitstellen und abrufen. Die Software für die Installation eigener MISP-Instanzen ist frei verfügbar.

MISP ist eine Open-Source-basierte Plattform für Threat Intelligence und Threat Sharing.(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
MISP ist eine Open-Source-basierte Plattform für Threat Intelligence und Threat Sharing.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

MISP ist das Kürzel für Malware Information Sharing Platform. Es handelt sich um eine Open-Source-basierte Plattform für Threat Intelligence und Threat Sharing. Mithilfe der Plattform lassen sich Bedrohungsinformationen in Form von sogenannten Indicators of Compromise (IoCs) sammeln, korrelieren, pflegen, verwalten, bereitstellen, austauschen und abrufen. Als Indicator of Compromise werden Artefakte, Merkmale und Daten bezeichnet, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf schädliche Software, einen unberechtigten Zugriff oder die Kompromittierung eines Systems hinweisen. Typische IoCs sind beispielsweise Signaturen von Viren, Dateinamen, IP-Adressen, URLs oder Domain-Namen von beteiligten Systemen (zum Beispiel Command and Control Server), Prüfsummen von Malware-Dateien und anderes. IoCs lassen sich zur Erkennung von Malware und von Angriffen nutzen.

Ziel der Malware Information Sharing Platform ist es, den Informationsaustausch von Cybersecurity-Teams über Malware-Bedrohungen zu verbessern und die Erkennung und Abwehr zu stärken. Die Open-Source-Plattform kommt zur Verbesserung der Cybersicherheit zum Einsatz und erlaubt eine frühzeitige Identifizierung von Cyberbedrohungen und das rechtzeitige Ergreifen wirksamer Abwehrmaßnahmen. MISP kann als lokale, isolierte Plattform installiert und betrieben werden, ist aber auch im Verbund gemeinsam mit anderen Organisationen und MISP-Instanzen einsetzbar. Zahlreiche Institutionen und Einrichtungen weltweit betreiben MISP-Instanzen und tauschen sich in organisierten Gruppen über Malware und mögliche Bedrohungsszenarien aus. MISP agiert im Verbund als eine Art zentralisierte Wissensbasis und ermöglicht es Sicherheitsspezialisten, gemeinsam an der Analyse, Erkennung und Abwehr von Malware-Bedrohungen zu arbeiten. Dank des strukturierten Formats der Bedrohungsinformationen und verschiedener Schnittstellen können die IoCs der Plattform in andere Sicherheitslösungen integriert werden, um die Erkennung und Abwehr von Malware zu automatisieren. Entstanden ist das MISP-Projekt bereits im Jahr 2011. Es basiert auf einem von Christophe Vandeplas entwickelten Konzept. Mittlerweile umfasst das Community-basierte MISP-Projekt nicht mehr nur die Core-MISP-Software, sondern auch zahlreiche andere Tools. Gefördert wird das MISP-Projekt von der Europäischen Union und dem Computer Incident Response Center Luxemburg.

Der Source Code von MISP, Dokumentationen und Installationssoftware sind über GitHub frei verfügbar. Die Software nutzt Open-Source-Technologien und Programmiersprachen wie Python, PHP, MySQL und MariaDB und lässt sich auf gängigen Linux-Distributionen installieren, ist aber auch zusammen mit anderen Betriebssystemen einsetzbar.

Motivation für die Entstehung und Entwicklung der Malware Information Sharing Platform

Unternehmen und Organisationen und ihre IT-Systeme, Infrastrukturen, Services und Anwendungen sind zahlreichen Cyberbedrohungen ausgesetzt. Täglich kommen neue Bedrohungen und schädliche Programme dazu. Aufgrund der Vernetzung und der zunehmenden Digitalisierung der Prozesse ist das Schadenspotenzial enorm. Viele der Angriffsmethoden und Schadprogramme sind mittlerweile sehr ausgeklügelt und komplex. Sich als Einzelner auf dem aktuellen Stand der Bedrohungslandschaft zu halten, ist quasi unmöglich. Für die Erkennung und die Abwehr der zahlreichen Cyberbedrohungen ist es essenziell, dass sich Cybersecurity-Teams austauschen. Ein Austausch von Informationen über manuelle Prozesse oder einzelne Tools wie E-Mails, Listen und andere Dokumente ist aber unpraktikabel. Dazu kommt, dass die in unstrukturierten Formaten vorliegenden Bedrohungsinformationen nicht für die Automatisierung der Bedrohungserkennung und Bedrohungsabwehr in andere Sicherheitssysteme und Sicherheitslösungen integriert werden können. Aus diesen Gründen ist das MISP-Projekt entstanden. Die Malware Information Sharing Platform stellt eine Austauschplattform bereit, über die sich Indicators of Compromise (IoC) in strukturiertem Format sammeln, pflegen, bereitstellen und austauschen lassen. Die Plattform kann für den kollaborativen Wissensaustausch von der Cybersecurity-Community und Computer-Emergency-Response-Teams (CERTs), Incident-Response-Teams, Threat-Intelligence-Analysten, Sicherheitsforschern und anderen Cybersecurity-Spezialisten von privaten, öffentlichen oder akademischen Institutionen genutzt werden.

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Funktionen und technische Merkmale der Malware Information Sharing Platform

Die Malware Information Sharing Platform besitzt ein flexibles Datenmodell und eine automatische Korrellations-Engine mit der sich Indicators of Compromise in strukturierter Form sammeln, verwalten, analysieren und bereitstellen lassen. Das Datenmodell unterstützt auch die Darstellung komplexer Objekte und deren Verknüpfungen. IoCs können manuell eingepflegt oder automatisiert aus verschiedenen Quellen bezogen und eingespeist werden. Die Informationen sind in einer zentralen Datenbank organisiert. Die Bedrohungsinformationen der MISP können über Schnittstellen wie eine REST API exportiert und automatisch in maschinenlesbarer Form in andere Sicherheitslösungen wie Intrusion-Detection-Systeme (IDS) integriert werden. Es stehen zahlreiche Formate für externe Sicherheitslösungen zur Verfügung. Auf Basis der exportierten Informationen lassen sich beispielsweise automatisch Firewall-Blacklisten erstellen. Zudem sind zahlreiche Sicherheitslösungen, -plattformen und kommerzielle Threat-Intelligence-Quellen mit vorbereiteten MISP-Integrationsfunktionen ausgestattet. Zu den weiteren Funktionen der Malware Information Sharing Platform zählen integrierte Freigabefunktion mit einer fein abstimmbaren Verteilungskontrolle, eine intuitiv bedienbares Web-Userinterface für das Erstellen, Pflegen und Austauschen von Informationen, umfangreiche Import- und Exportfunktionen in verschiedenen Formaten, integrierte Verschlüsselungsfunktionen für einen sicheren Informationsaustausch, umfangreiche und flexible Reportingfunktionen, ein umfassendes Workflow-System mit automatischen, anpassbaren Datenpipelines, ein flexibles Freitext-Importtool für die Integration unstrukturierter Berichte, Dashboard-Funktionen und vieles mehr.

Vorteile durch die Implementierung und Nutzung der Malware Information Sharing Platform

Die Implementierung und Nutzung der Malware Information Sharing Platform bieten viele Vorteile. MISP eignet sich für kleine und große Unternehmen gleichermaßen gut und kann isoliert oder im Verbund betrieben und genutzt werden. Die Software steht unter Open-Source-Lizenz kostenlos zur Verfügung und lässt sich auf Systemen mit gängigen Linux-Distributionen und anderen Betriebssystemen installieren. MISP wird kontinuierlich weiterentwickelt und verfügt über eine große Web-Community mit entsprechendem Support. Der Austausch von Informationen und Erfahrungen über die Plattform verbessert die Cybersicherheit und stärkt die Bedrohungsabwehr. IT-Security-Teams sparen gegenüber manuellen Verfahren der Informationsbeschaffung und des Informationsaustauschs Zeit und Kosten. Ihre Arbeit wird effizienter. Die zentralisierte Verwaltung und kontinuierliche Aktualisierung von Bedrohungsinformationen über die Plattform halten die Bedrohungsabwehr und Sicherheitslösungen auf dem aktuellen Stand. Durch die Integration der strukturierten, maschinenlesbaren Informationen der Plattform in andere Sicherheitslösungen wird eine automatisierte Bedrohungserkennung und -abwehr ermöglicht. Die Verfügbarkeit von Schnittstellen, die Unterstützung von Standardaustauschformaten und modulare Erweiterungen tragen zur Interoperabilität mit existierenden Sicherheitssystemen und -lösungen bei. Flexible und fein abstimmbare Austauschmechanismen fördern die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Threat Intelligence und sorgen für eine Echtzeitsynchronisation von Bedrohungsinformationen. Die Malware Information Sharing Platform ist in großem Umfang skalierbar, lässt sich individuell anpassen und besitzt eine bedienerfreundliche Benutzeroberfläche.

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