Von Monitoring zu Observability Echtzeit-Observability wird zum Schlüssel digitaler Resilienz

Ein Gastbeitrag von Bob Wambach 4 min Lesedauer

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Monitoring zeigt Symptome, Observability erkennt Ursachen: KI-gestützte Echtzeit-Transparenz wird zum Fundament digitaler Resilienz. Nur wer Systeme, Prozesse und KI-Agenten kontinuierlich versteht, kann Ausfälle verhindern und Störungen eindämmen, bevor sie das Geschäft treffen.

Echtzeit-Observability liefert den Überblick über komplexe Systemlandschaften und hilft, Ausfälle präventiv zu vermeiden.(Bild: ©  jijomathai - stock.adobe.com)
Echtzeit-Observability liefert den Überblick über komplexe Systemlandschaften und hilft, Ausfälle präventiv zu vermeiden.
(Bild: © jijomathai - stock.adobe.com)

Die ernüchternde Realität für Unternehmen heute ist: Softwareausfälle sind unvermeidlich. Entscheidend ist, ob ein solcher Ausfall Schlagzeilen macht oder nur eine Randnotiz bleibt – und das hängt von der Fähigkeit einer Organisation ab, ihn in Echtzeit zu erkennen, zu diagnostizieren und zu beheben. Diese Fähigkeit entsteht nicht durch herkömmliches Monitoring, das von fragmentierten Datensilos und getrennten Organisationsstrukturen geprägt ist.

Robuste, resiliente Software zu entwickeln und bereitzustellen, erfordert eine tiefgehende, KI-gestützte End-to-End-Observability, die eine einheitliche, konsistente „Single Source of Truth“ liefert. Unternehmenssoftware-Umgebungen werden zunehmend komplexer – von Cloud-nativen Anwendungen über Multi-Cloud-Deployments und Drittanbieter-Services bis hin zu APIs und dem wachsenden Einfluss von KI. Diese vielschichtigen Umgebungen erzeugen Intransparenz in der Software-Lieferkette und erschweren das Management von Risiken, Performance und Resilienz im großen Maßstab.

Die versteckten Schwachstellen moderner Software-Stacks

Unternehmen sind heute von einem breiten Ökosystem miteinander verknüpfter Technologien abhängig. Ein falsch konfiguriertes Update oder eine Schwachstelle in einem weit verbreiteten Drittanbieter-Agenten kann sich innerhalb von Minuten systemübergreifend auswirken, mit Folgen für Kundenerlebnis, Betrieb und letztlich die Business-Continuity.

Es ist damit zu rechnen, dass die Mehrheit der Unternehmen in den kommenden Jahren mit einem Zwischenfall durch einen ihrer Zulieferer rechnen. Wenn etwas schiefgeht, fehlt den Teams oft die nötige Transparenz – mit frustrierenden und teuren Konsequenzen. Um mit Sicherheit agieren zu können, müssen Unternehmen ihre gesamte digitale Lieferkette im Blick haben. Das ist etwas, das mit einfachem Monitoring nicht möglich ist. Anders als klassisches Monitoring, das meist auf isolierte Metriken oder Alarme fokussiert, liefert Observability eine einheitliche, aktuelle Sicht auf den gesamten Technologie-Stack und ermöglicht so schnellere, datenbasierte Entscheidungen im großen Maßstab. KI-gestützte Observability deckt in Echtzeit alle Komponenten ab – von Infrastruktur und Services bis zu Anwendungen und Nutzererfahrung.

Observability ist keine rein technische, sondern eine strategische Entscheidung

End-to-End-Observability entwickelt sich über ihre heutige Rolle in IT und DevOps hinaus zu einem fundamentalen Element moderner Geschäftsstrategien. Sie spielt eine zentrale Rolle beim Risikomanagement, bei der Sicherstellung von Verfügbarkeit und beim Erhalt digitalen Vertrauens.

Sie befähigt Unternehmen, Anomalien proaktiv zu erkennen, bevor sie zu Ausfällen eskalieren, Ursachen in komplexen, verteilten Systemen schnell zu identifizieren und Reaktionen zu automatisieren, um die Mean Time to Resolution (MTTR) zu verkürzen. Das Ergebnis: schnellere, intelligentere und widerstandsfähigere Betriebsabläufe, die es Teams ermöglichen, Innovation voranzutreiben, ohne die Systemstabilität zu gefährden. Das bringt einen entscheidenden Vorteil in einer Welt, in der digitale Resilienz und Geschwindigkeit Hand in Hand gehen müssen.

Komplexität in einen Wettbewerbsvorteil verwandeln

Resiliente Systeme müssen Störungen abfedern, ohne zu versagen. Das erfordert sowohl kulturelle als auch technologische Investitionen – vom Aufbau geteilter Verantwortlichkeiten über Teams hinweg bis zur Einführung moderner Deployment-Strategien wie Canary Releases, Blue/Green-Rollouts oder Feature-Flagging.

Solche Strategien funktionieren nur, wenn Teams über Echtzeit-Feedback und Transparenz verfügen und dadurch verstehen, was passiert, warum es passiert und welche Maßnahmen notwendig sind, bevor Kunden überhaupt etwas bemerken.

Der Aufstieg von Agentic AI: Eine neue Ebene von Komplexität und Risiko

Mit der wachsenden Nutzung von generativer und agentischer KI zur Beschleunigung von Innovation setzen sich Unternehmen auch neuen Risiken aus. Agentic AI kann so konfiguriert werden, dass sie eigenständig agiert, beispielsweise Änderungen vornimmt, Workflows auslöst oder sogar Code ausrollt, ohne dass Menschen direkt eingreifen. Dieses Maß an Autonomie kann die Produktivität steigern, bringt aber auch erhebliche Herausforderungen mit sich.

Ein falsch konfigurierter Agent oder ein bösartiger Prompt kann in Maschinen­geschwindigkeit weitreichende Kettenreaktionen auslösen. Kleine Wellen können sich schneller, weiter und schwerer kontrollierbar zu großen Störungen entwickeln. Echtzeit-, KI-gestützte Observability-Plattformen sind daher unverzichtbar – nicht nur, um zu überwachen, was Agenten tun, sondern auch, um zu verstehen, wie sie handeln, wie sie mit anderen Systemen interagieren und wann Eingriffe nötig sind. Observability hilft, das Potenzial agentischer KI sicher zu nutzen und den Weg zu autonomen Betriebsmodellen zu ebnen.

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Vorbereitung auf die nächste Störung

Die Branchenführer von morgen werden diejenigen sein, die neue Technologien schnell adaptieren – Agentic AI einschließen – und gleichzeitig das erhöhte Risiko- und Compliance-Profil verstehen. Erfolgreiche Unternehmen werden von reaktiven zu proaktiven und präventiven Betriebsmodellen wechseln.

Echtzeit-Observability kann präzise Reaktionen automatisieren, ohne dass jemand erst „den Automatisierungs-Button drücken“ muss. Organisationen, die in Echtzeit-, KI-gestützte Observability investieren, bereiten sich nicht nur auf die nächste Störung vor, sondern schaffen ein Fundament für Vertrauen, Agilität und kontinuierliche Innovation, das ihr Geschäft langfristig vorantreibt.

Über den Autor: Bob Wambach ist VP Portfolio & Strategy bei Dynatrace.

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