Malware-Telemetrie bei Microsoft

Produkttester bei der Fachpresse verfügen im Vergleich dazu nur über einen geringen bis keinen Überblick, welche Malware-Familien am häufigsten vorkommen. Das könnte dafür verantwortlich sein, warum sie die genannten Tools, besonders Security Essentials, immer wieder durchfallen ließen.
Kooperation statt Konkurrenz
Damit die AV-Hersteller wie etwa Trend Micro oder Symantec Microsoft nicht als Bedrohung wahrnehmen und bekämpfen, teilen die Redmonder seit 2013 ihre Telemetrie-Daten mit ihren Partnern, aber auch mit den Produkttestern. Letztere haben damit begonnen, Microsoft aus dem Kreis der Wettbewerber zu entfernen. Man kann schließlich nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, ohne unglaubwürdig zu erscheinen.
Die Partner sind durch die Microsoft-Daten dazu motiviert, den Windows-Hersteller zu übertreffen. Zusammen mit seinen Partnern will Microsoft nach den Worten von Holly Stewart die Schwelle weiter erhöhen, die die Angreifer überspringen müssen, um noch Wirkung erzielen zu können. Das soll es für die Malware-Entwickler unwirtschaftlich machen, weithin wirksame Malware wie Conficker herzustellen und in Umlauf zu bringen. Der Erfolg dieser Strategie könnte dafür verantwortlich sein, dass seit 2012 hauptsächlich gezielte Attacken gemeldet wurden, also Advanced Persistence Threats.
Durch die Implementierung des Secure Development Lifecycle (SDL) und bestimmte Tools will Microsoft auch im Cloud-Bereich dafür sorgen, dass Sicherheit Vorrang hat, so etwa auf Windows Azure und entsprechenden Apps. Wie Adobe misst das MMPC ständig seinen Erfolg. Im Januar 2013 meldeten 99,91% aller Kunden-PCs, die über Echtzeitschutz verfügten (wie Windows 8 Defender), keine Infektion. Das Ziel, keine Störung der Geschäftstätigkeit der Microsoft-Kunden zuzulassen, scheint erreicht zu werden.
Marktreaktion
"Die Fokussierung auf nicht realitätsnahe Tests mit einem definierten Pool von Schadsoftware-Samples als alleinseligmachende Kennzahl durch einige Testorgane und Kunden führt(e) zu der teilweise absurden Situation, dass Produkte in Tests sehr gut abschnitten (da dafür optimiert), im realen Leben aber versagten", bestätigt Udo Schneider, Senior Manager PR Communications DACH, Trend Micro.
"In diesem Kontext ist Microsofts Strategie, den Nutzen für den realen Benutzer in den Vordergrund zu stellen und eventuell auch eine schlechtere Bewertung in Tests zu riskieren, sehr zu begrüßen. Unabhängig von der jeweiligen Technologie zur Schadsoftware-Erkennung (z.B. statische Pattern vs. Cloud-basierte Reputation) sollte der Nutzen für den Kunden im Vordergrund stehen – und nicht „getunte“ Testergebnisse.
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