Fachkräftemangel in der IT-Sicherheit Qualifizierungslücke in der Cyber­sicherheit ist größer als gedacht

Ein Gastbeitrag von Dr. Martin Krämer 4 min Lesedauer

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Es fehlen immer mehr Cybersecurity-Fachkräfte! Laut einer Studie vergrößert sich diese Qualifikationslücke in der IT-Sicherheit sogar weiter, da die Anzahl der Arbeitskräfte ab 2022 um 9 Prozent steigt, die Lücke aber noch schneller wächst nämlich auf 13 Prozent. Dies führt dazu, dass weltweit vier Millionen Cybersicherheitsexperten benötigt werden. In Europa liegt das Wachstum bei 7,2 Prozent und in Deutschland bei 1,9 Prozent. Die Lücke liegt in Europa bei 9,7 und in Deutschland bei 0,4 Prozent.

57 Prozent der IT-Security-Fachleute glauben, dass ihr Unternehmen aufgrund des Personalmangels einem mäßigen oder extremen Risiko ausgesetzt ist.(Bild:  peterschreiber.media - stock.adobe.com)
57 Prozent der IT-Security-Fachleute glauben, dass ihr Unternehmen aufgrund des Personalmangels einem mäßigen oder extremen Risiko ausgesetzt ist.
(Bild: peterschreiber.media - stock.adobe.com)

In der im November veröffentlichten Cyber Workforce Study 2023 von der ISC2 in Kooperation mit Forrester Research, Inc. wurden weltweit mehr als 14.800 Fachleute aus der IT-Sicherheit zu aktuellen Themen und ihrer eigenen beruflichen Lage befragt. Doch über die reinen Zahlen zur Erläuterung der Qualifizierungslücke liefert die Studie noch weitere Einblicke in die Branche. 57 Prozent der Fachleute glauben beispielsweise, dass ihr Unternehmen aufgrund des Personalmangels einem mäßigen oder extremen Risiko ausgesetzt ist, Opfer eines Cyberangriffs zu werden. Ein Grund für diese Annahme sind Kürzungen in der gesamten Belegschaft durch Entlassungen, Budgetkürzungen, Einstellungs- oder Beförderungsstopps bei 47 Prozent der Unternehmen.

Besorgniserregende Entwicklungen

Ein weiterer Grund sind sogar Entlassungen im Cyberbereich. Doch hier gibt es Unterschiede bei den Branchen, am wenigsten betreffen diese Maßnahmen die Sektoren Militär, Behörden, Bildung, Luft- und Raumfahrt oder Transport, am meisten die Bereiche Unterhaltung, Bauwesen, Entwicklung von Sicherheitssoftware bzw. -hardware, die Automobilindustrie oder die Anbieter von Cloud-Diensten. Daraus resultierende Nebeneffekte betreffen Verzögerungen bei der Beschaffung, die Umstrukturierung der Teams, die strategische Ausrichtung der Unternehmungen, die Zunahme der Arbeitsbelastung der verbliebenen Arbeitskräfte und einen Rückgang bei der allgemeinen Moral und Arbeitseinstellung. Diese Herausforderung lässt sich nur zusammen bewältigen. Die Verantwortlichen, ganz gleich ob aus IT-Sicherheit oder anderen Abteilungen, müssen die Aufgabe ganzheitlich betrachten. Der Fachkräfte- bzw. Qualifizierungsmangel lässt sich über das Mitwirken vieler Mitarbeiter und durch die Etablierung einer Sicherheitskultur erreichen.

Die wirtschaftliche Unsicherheit erhöht die Risiken für böswillige Insider. 39 Prozent der für die Studie Befragten kennen jemanden oder wurden bereits selbst von einem bösartigen Akteur angesprochen. Besonders betroffen sind Unternehmen, die viele Angestellte entlassen mussten. Hier war die Gefahr laut der Studie dreimal höher als bei anderen Firmen.

Security Awareness Training kommt in ungewissen Zeiten eine besondere Bedeutung zu. Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen sowie die Steigerung der Lebenshaltungskosten für jeden Einzelnen führen zu einer Steigerung des Risikos von Insider Threats. Dabei können Spionage, Erpressung bis hin zu absichtlichem Fehlverhalten oder die Gefährdung von KollegInnen eine Rolle spielen. Doch auch die Unachtsamkeit aufgrund fehlender Motivation oder Angst sind schädliche Faktoren für die Informationssicherheit eines Unternehmens. Hier kann ein gut gemachtes Security Awareness Training entgegenwirken.

Die angespannte Lage erhöht auch die Gefahr auf Phishing E-Mails hereinzufallen, unter anderem dann, wenn Einzelpersonen vor finanziellen Herausforderungen stehen. Security Awareness Programme können, mit den nötigen Inhalten und entsprechendem Engagement von allen Seiten, zudem dabei helfen Personen für die Cybersicherheit zu begeistern. Dies kann zunächst in einem kleinen Rahmen erfolgen, sich aber mit Unterstützung von Vorgesetzen und der Personalabteilung sogar zu einer Akquirierung der benötigten Fachkräfte aus den eigenen Reihen entwickeln. Hierdurch lassen sich mehr MitarbeiterInnen für Weiterbildungen oder Quereinstiege gewinnen, die ihre Motivation und Fähigkeiten zuvor nicht zeigen konnten. Immer wieder betont wird hier eine oft vernachlässigte Fähigkeit, die der Kommunikation. Security Awareness braucht gute Kommunikatoren, um erfolgreich zu sein, deshalb sollten sich die Fachkräfte, die diese Programme leiten entsprechende Unterstützung aus der HR und Kommunikationsabteilung dazu holen.

Mehr Diversität und mehr Quereinsteiger

Positiv jedoch lässt sich feststellen, dass sich die Wege in die Cybersicherheit weg von reinen Abschlüssen im Bereich Cybersicherheit hin zu Absolventen, die nicht aus dem IT-Bereich kommen, verlagert. Darüber hinaus geht es auch um Personen, die erst später in ihre Cyber Karriere also innerhalb eines zweiten Bildungsweges einsteigen. Erfreulich ist zudem, dass nun noch mehr diverse Mitarbeiterinnen den Beruf für sich entdeckt haben. Der vielfach in der Branche konstatierte Mangel ist zwar noch lange nicht behoben, doch gibt es mehrere positive Beispiele für diese Entwicklung.

Generell sehen sich die Fachleute mit der Herausforderung konfrontiert ein Leben lang zu lernen, denn die IT entwickelt sich besonders dynamisch weiter. Immer öfter werden Kenntnisse aus dem Bereich Cloud Computing erforderlich, um den Anforderungen des Aufgabenbereichs gerecht zu werden. Weitere Fachexpertise wird bei KI und ML gefordert, so ist es nicht weiter überraschend, dass diese zu den fünf am meisten nachgefragten Fähigkeiten gehören.

Fazit

Noch immer gilt, dass berufliche Erfahrung einer formalen Ausbildung überlegen ist. Ein wichtiger Nachweis der Fähigkeiten ist daher die fachliche Qualifikation und weniger die schulische bzw. universitäre. Qualifikationsdefizite sind möglicherweise schwieriger zu beseitigen als Personalmangel. Der Personalmangel (67 Prozent) und die Qualifikationsdefizite (92 Prozent) sind dennoch gleichbleibende Herausforderungen. Besonders hinsichtlich aktueller Trends wie Cloud Computing Security, KI/ML und Zero Trust.

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Über den Autor: Dr. Martin J. Krämer ist Security Awareness Advocate bei KnowBe4.

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