Ethische Standards auch außerhalb der Lieferkette

Respektiert das Fairphone die Interessen der Nutzer?

| Autor / Redakteur: Joachim Jakobs / Stephan Augsten

Wie fair ist das Fairphone im Umgang mit den Benutzerdaten?
Wie fair ist das Fairphone im Umgang mit den Benutzerdaten? (Bild: Fairphone.com / Augsten)

Die Macher des „Fairphone“ behaupten, sie würden soziale Werte und ethische Standards in der Produktionskette berücksichtigen. Wie aber sieht es mit der Achtung vor dem Kunden aus? Wir wollten wissen, ob das Fairphone die Privatsphäre der Smartphone-Nutzer respektiert.

Ich bekenne: Ich bin unberechenbar! Schlimmer noch: Ich reagiere allergisch auf jeden Versuch, mich und mein Verhalten zu kalkulieren: „Haben Sie 'ne Payback-Karte?“ „Nein, ich bin schon gläsern!“ So war ich bisher felsenfest davon überzeugt, niemals eines dieser Geräte mit dem neudeutschen Präfix „Smart“ zu besitzen.

Schlimm genug, dass ich mich im Netz ausschnüffeln lassen muss – da will ich nicht auch noch für Lebens-Wanzen aller Art bezahlen. Dann aber habe ich vom Fairphone gelesen – einem Telefon, das angeblich unter ‚fairen‘ Bedingungen hergestellt wird. Außerdem sollen die Einnahmen nicht der Finanzierung von Bürgerkriegen dienen.

Das hat mich neugierig gemacht: Ist der Hersteller auch fair zu seinen Kunden und lässt ihnen ihre Privatsphäre? Im Folgenden wollen wir uns dieser Frage widmen – ob die Technik allerdings an sich sicher ist, kann und soll hier nicht untersucht werden.

Freie Software-Lizenzen schützen vor Hintertüren

Die Lizenzbedingungen hinterlassen bereits einen vielversprechenden Eindruck: Das Fairphone-Handbuch betont, der Entwickler Kwamecorp habe das Betriebssystem des Telefons unter der GNU General Public License (GPL) veröffentlicht. Diese Lizenz garantiert den Kunden, die Software nutzen, studieren, verbreiten (kopieren) und ändern zu dürfen.

Dadurch reduziert sich zum einen die Wahrscheinlichkeit, dass der Software-Entwickler Hintertüren eingebaut hat: Da der Quellcode bei GPL-lizensierter Software veröffentlicht werden muss (im Falle des Fairphone auf Github.com), kann ein Jeder jederzeit prüfen, ob der Entwickler gute Arbeit geleistet oder im Gegenteil Löcher hinterlassen hat. Zumindest kann man einen sachverständigen Dritten darum bitten.

Zum anderen kann der Nutzer ein anderes System nach seinem Geschmack aufspielen. Der Vollständigkeit halber möchte ich darauf hinweisen, dass das Fairphone allerdings auch proprietäre Software von Dritten enthält; deren Lizenzen sind laut Kwamecorp „sehr lang und langweilig“. Die Niederländische Fairphone B.V. hat mir so ein Gerät zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt. Der Systementwickler Volker Dormeyer erklärte sich außerdem bereit, mir mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

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