Neue Sicherheitslücken durch Funkchips

RFID-Abschirmung gegen den Identitätsdiebstahl

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RFID-Abschirmung – schwieriger als angenommen

Gerade bei sensiblen Daten sollte das Auslesen von RFID-Kennungen aber grundsätzlich nur möglich sein, wenn der Betroffene dies ausdrücklich wünscht. Abschirmen heißt also die Devise. Doch das ist in der Praxis leichter gesagt als getan. Denn wie bereits erwähnt, ist RFID ausgesprochen fehlertolerant ausgelegt. So haben denn auch viele auf dem Markt befindliche Abschirm-Lösungen einen ganz entscheidenden Nachteil: Sie funktionieren nicht.

Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Leser mit verschiedensten Frequenzspektren arbeiten. So kommen LF-Geräte mit 30 bis 500 kHz ebenso zum Einsatz wie HF, UHF, oder Mikrowellen mit 5,8 GHz und darüber. Und gerade die Hochfrequenztechnik hat es in sich: Oft wird das abschirmende Material selber wieder zum Sender, und die Signale finden schließlich doch den Weg zum Reader.

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Sicherheitsausweise müssen beispielsweise außerdem sichtbar getragen werden. Die Abschirmung muss in diesem Fall auch ohne kompletten Eischluss gewährleistet sein. Sicher, dickes Metall wirkt zuverlässig, aber wer will schon mit einer scheppernden Blechkassette in der Hosentasche auf sich aufmerksam machen.

Nur Speziallegierungen bieten optimalen Schutz

Von selbst improvisierten Abschirmungen oder Billig-Lösungen raten Experten in jedem Fall ab. „Einfache Alufolie, Zink, oder Kupferbeschichtungen können das Auslesen oft nicht verhindern“, erklärt Stefan Horvath, Managing Director bei Kryptronic, wo man sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema RFID-Abschirmung befasst. „Wir mussten lange experimentieren, bis wir mit Cryptalloy eine spezielle Legierung gefunden haben, die auch in jeder Situation zuverlässig RFID-dicht ist.“

Ein weiterer Vorteil solcher Speziallegierungen: Sie schirmen nicht nur ab, sondern verändern auch das Signal. Daher darf die Abschirmung auch nach einer Seite offen sein, zum Beispiel bei Ausweishüllen – RFID-Hacker haben dennoch keine Chance. Wichtig sind aber nicht nur die elektrischen, sondern auch die mechanischen Eigenschaften. Die selbst gebastelte Hülle aus Alufolie reißt schnell und wird damit zum Sicherheitsrisiko. „Bewährt hat sich bei uns die Kombination mit einem Schichtträger aus PET“, weiß Stefan Horvath.

Qualitätskontrolle und Zertifizierung sind entscheidend

Ist der richtige Werkstoff im Einsatz, reicht schon ein Zehntelmillimeter, um Sicherheit und Privatsphäre zu gewährleisten. Das Material kann wie eine normale Verbundverpackung verarbeitet werden, zum Beispiel durch schweißen. Die sehr widerstandsfähige Folie lässt sich auch dezent in Leder-Geldbörsen oder Ausweishüllen aus PVC integrieren. Wichtig aber ist, dass Produktmuster genau auf RFID-Abschirmeigenschaften untersucht werden. Hier lohnt es sich, den Prüfungs- und Zertifizierungs-Service zu nutzen.

RFID-Exploits sind eine reale Gefahr und werden im selben Maße zunehmen, wie die Durchdringung unseres täglichen Lebens mit RFID-Tags. Auch wenn – natürlich – jeder RFID-Hersteller beteuert, seine Produkte seien vor Hackern sicher: Die Erfahrung, gerade im Computerbereich, hat gezeigt, dass jede logische Absicherung prinzipiell knackbar ist – und früher oder später auch geknackt wird. Wirklich sicher ist nur, wer das Auslesen physikalisch verhindert.

RFID ist eine sinnvolle und heute nicht mehr wegzudenkende Technologie. Wer aber Daten- und Identitätsdieben zuvorkommen will, der sollte genau prüfen, wie viele RFID-Tags er jeden Tag mit sich herumträgt. Und er sollte sicher stellen, dass er selbst bestimmt, wann ein Auslesen möglich ist und wann nicht. Eine wirkungsvolle Abschirmung kostet nur wenige Euro, aber sie nimmt Kriminellen einen sehr leicht zu missbrauchenden und leider oft unterschätzten Angriffspunkt.

Inhalt

  • Seite 1: Die Technik hinter RFID
  • Seite 2: Hohe Funktionsredundanz schafft Probleme
  • Seite 3: RFID-Abschirmung – schwieriger als angenommen

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