Benutzereingaben öffentlich einsehbar Datenbank mit sensiblen DeepSeek-Daten stand offen im Netz

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Analysten von Wiz haben eine Datenbank mit sensiblen Daten von DeepSeek entdeckt, die im Internet öffentlich zugänglich war. Sie enthielt mehr als eine Million Datensätze mit Benutzereingaben.

Die DeepSeek-Datenbank, die über eine Million Datensätze mit Benutzereingaben enthielt, ist mittlerweile gesperrt worden.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Die DeepSeek-Datenbank, die über eine Million Datensätze mit Benutzereingaben enthielt, ist mittlerweile gesperrt worden.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Sicherheitsforscher aus den USA haben im Internet eine große Datenbank mit sensiblen Daten der chinesischen KI-Anwendung DeepSeek entdeckt. Forscher des Cloud-Sicherheits­unternehmens Wiz aus New York veröffentlichten einen entsprechenden Report. Daraus geht hervor, dass DeepSeek eine seiner wichtigen Datenbanken im Internet ungeschützt veröffentlicht hatte. Dadurch seien unter anderem Benutzereingaben – insgesamt mehr als eine Million Datensätze – für jeden offen einsehbar gewesen.

DeepSeek hatte vor einer Woche die Spitze der App-Charts erklommen und etablierte Anbieter wie OpenAI (ChatGPT) unter Druck gesetzt. Dem chinesischen Start-up war es nach eigenen Angaben gelungen, mit deutlich weniger Ressourcen-Einsatz ein KI-Modell zu entwickeln, das wettbewerbsfähig ist. Nach dem Überraschungs-Erfolg gerieten US-Techkonzerne wie der KI-Chip-Spezialist Nvidia an der Börse unter Druck.

Keine offizielle Anlaufstelle

Nach der Entdeckung der ungeschützten Datenbank von DeepSeek hatten die Forscher von Wiz Probleme, überhaupt Sicherheitsexperten bei dem chinesischen Start-up zu erreichen, da es keine offizielle Anlaufstelle bei DeepSeek für Sicherheitshinweise gegeben habe. Daraufhin habe man die Sicherheitslücke an beliebige DeepSeek-E-Mail-Adressen und LinkedIn-Profile geschickt, die man gefunden oder erraten habe. Die Wiz-Forscher haben nach eigenen Angaben bislang keine Antwort von DeepSeek erhalten.

Datenbank inzwischen wieder gesperrt

DeepSeek habe aber offenbar auf die Hinweise reagiert und die Datenbank innerhalb einer halben Stunde gesperrt. Sie sei dann für nicht autorisierte Benutzer nicht mehr zugänglich gewesen. Ob zuvor jemand auf die Daten zugegriffen oder sie heruntergeladen hat, bleibe unklar.

Experten warnen ganz generell davor, sensible Daten einer Künstlichen Intelligenz in der Cloud anzuvertrauen. Trotzdem nutzen etliche User die KI dazu, um etwa ihre finanzielle Situation analysieren oder komplizierte Arztbriefe in verständliche Sprache übertragen zu lassen.

Inkompatibel mit europäischem Datenschutz

Datenschützer sehen DeepSeek auch deswegen kritisch, weil der Hersteller seine Daten auf Servern in China speichert. Doch die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), erlaubt nur den Datenaustausch mit Staaten, deren Datenschutz sich auf dem Niveau in der Europäischen Union befindet. Für China fehlt es an einem Abkommen mit der EU, damit der Datenaustausch auf einer rechtlich sicheren Basis stattfinden kann.

Aufruf zu mehr Innovation

Auf der anderen Seite sagte das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) gegenüber dpa, dass der Erfolg des chinesischen KI-Start-ups Europa zu mehr Innovation ermutigen sollte. „Es gibt zwar viele Förderprogramme in der EU“, sagte Paul Lukowicz, Wissenschaftlicher Direktor und Leiter des DFKI-Forschungsbereichs Eingebettete Intelligenz. „Aber dass jemand mal eine Milliarde Euro in die Hand nimmt und sagt: 'Jetzt bauen wir ein europäisches Modell.' Das scheint einfach nicht zu passieren. Und das finde ich sehr schade.“

Für Peter Liggesmeyer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserslautern, hat die Entwicklung aus China das Potenzial, die Forschungslandschaft zu verändern. „Das Sprachmodell von DeepSeek scheint tatsächlich einige neue Wege einzuschlagen, um hohe Leistungsfähigkeit mit moderatem Einsatz von Ressourcen zu erreichen.“ Für ihn war das Erscheinen des Sprachmodells von DeepSeek durchaus überraschend. Lukowicz vom DFKI, das ebenfalls in Kaiserslautern angesiedelt ist, sagte, China habe sich wohl angesehen, welche Instrumente wie das US-amerikanische ChatGPT derzeit auf dem Markt seien. „Und da haben sie mit DeepSeek nicht nur aufgeholt, sondern auch leicht überholt.“ Eine „Hysterie“ um das neue KI-Modell wäre aber übertrieben. „Es ist ja nicht etwas von einem anderen Planeten. China hat schlicht aufgeholt und ist jetzt vorne dabei.“

DeepSeek mit Vorsicht genießen

Noch bevor die DeepSeek-Datenbank ungesichert von Wiz im Internet gefunden wurde, sagt Lukowicz der dpa, er erwarte eine breitere Debatte um die Sicherheit von Daten wie bei der Video-App TikTok, nicht. „Diskussion wird es geben, die gibt es zu dem Thema immer. Daten werden heute nahezu überall verarbeitet. Dem sollte man sich bei der Nutzung solcher Systeme bewusst sein.“ Er halte die Problematik aber nicht für primär wichtig. „Der Aspekt, den ich kritisch finde, ist halt die politische Beeinflussung. Wenn ich lese, dass DeepSeek kritische Fragen über China nicht vernünftig beantwortet, ist das viel eher ein Problem.“

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„Es ist zu erwarten, dass gewisse Inhalte des Sprachmodells von DeepSeek mit Vorsicht verwendet werden sollten“, sagte Liggesmeyer. „Mir scheint der dem Modell zugrundeliegende andere Ansatz aber wesentlich interessanter zu sein als die Inhalte des Modells.“

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