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Domscheit-Berg regt zum Nachdenken an
In der zweiten großen Keynote zeichnete der Ex-Wikileaks-Sprecher und Buchautor Daniel Domscheit-Berg im gleichnamigen Vortrag ein ‚Big Picture der Digitalen Revolution‘. Letztlich wollte der Referent damit aufzeigen, für welche profanen Zwecke wir das Internet und die allgegenwärtige Vernetzung eigentlich nutzen.
Im Hintergrund visualisierte eine Echtzeit-Grafik die Zahl der App-Downloads und Video- sowie Audio-Streams, die Posts auf Facebook und Twitter, Suchanfragen über Google und LinkedIn, die Kommunikation per Skype und WhatsApp. „Wir werden sehen, wie viele Daten im Internet generiert werden, während wir hier Zeit miteinander verbringen“. So viel vorweg: In 120 Sekunden kamen 2,7 Millionen Gigabyte zustande, am Ende des knapp 30-minütigen Vortrags standen 40 Millionen Gigabyte zu Buche.
Nach eigener Aussage schätze sich Domscheit-Berg einerseits glücklich, als Kind der späten 1970er die digitale Revolution miterlebt zu haben. Mit Blick darauf, dass jedem Smartphone-Nutzer heute das Hundertfache der Rechenleistung einer Apollo-11-Mission zur Verfügung steht, übte er aber auch Kritik: „Wir denken viel zu wenig darüber nach, welche Möglichkeiten wir mit der heute zur Verfügung stehenden Technologie hätten, wirklich wichtige Probleme zu lösen.“
Der Informatiker und Whistleblower umriss das Bild einer nicht allzu fernen Zukunft, in der sich ein Herz zwar im 3D-Drucker produzieren lässt, die zentrale Frage aber sei, wer das Copyright auf das Organ hat. Natürliche Grenzen gebe es dann nicht mehr, sondern vielmehr eine künstliche Verknappung. Moralisch und gesellschaftlich stehe die Menschheit vor einer großen Herausforderung.
IT richtig und für die richtigen Zwecke nutzen
Mit jeder industriellen Revolution stehe die Welt, wie sie die jeweiligen Zeitgenossen kennen, in Frage. Domscheit-Berg stellte beispielsweise heraus, wie wichtig Netzneutralität in einer gleichberechtigten Welt wirklich ist. „Stellen Sie sich vor, der Papst und der Vatikan im Mittelalter hätten Kontrolle darüber gehabt, wer eine Buchpresse bekommt.“ Unsere Welt, wie wir sie kennen, hätte es dann womöglich nicht gegeben.
Gesellschaftliche und politische Herausforderungen der digitalen Revolution wurden auch am späten Nachmittag noch einmal diskutiert. Unter dem Motto „Umbruch und Wandel – Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft“ stellten sich Domscheit-Berg und Bärmichl den Fragen des Publikums. So erörterten die Referenten beispielsweise, welche Verantwortung mit den technischen Möglichkeiten einhergeht. An den vorangegangenen Konferenztagen waren noch das IT-Sicherheitsgesetz und die kindliche IT-Früherziehung die beherrschenden Themen gewesen.“
Als dritter Keynote Speaker konnte 2015 einmal mehr Wilfried Reiners zum Komplex „Privacy und Compliance“ gewonnen werden. Der Rechtsanwalt ließ sich in seinem Fachvortrag über das IT-Sicherheitsgesetz aus. Er wies darauf hin, dass das Gesetz „an vielen Stellen noch unklar ist und Fragen unbeantwortet lässt“. So z.B. die Fragen, welche Unternehmen betroffen seien und was sie konkret veranlassen müssten. Im zweiten Teil ging Herr Reiners darauf ein, wem unsere personenbezogenen Daten gehören.
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