Blockchain, Biometrie und Token

Technologien für nahtloses und sicheres Reisen am Flughafen

| Autor / Redakteur: Klaas Fokkema* / Peter Schmitz

Wird der Token als vertrauenswürdige Identität des Reisenden von allen Flughäfen weltweit anerkannt, ermöglicht dies eine eine deutlich effizientere Personenabfertigung.
Wird der Token als vertrauenswürdige Identität des Reisenden von allen Flughäfen weltweit anerkannt, ermöglicht dies eine eine deutlich effizientere Personenabfertigung. (© Gina Sanders - Fotolia.com)

Gerade in der Luftfahrtindustrie spielt Sicherheit eine entscheidende Rolle. Am Check-in, an der Sicherheitsschleuse, beim Boarding oder bei der Ankunft am Zielflughafen – überall werden die Reisedaten mit den Daten im Reisepass manuell überprüft. Dies kann mitunter zu langen Warteschlangen und wegen des hohen Arbeitsaufkommens zu Fehlern führen. Neue Technologien sind in der Lage, die Sicherheit zu erhöhen und sorgen gleichzeitig für einen reibungslosen Ablauf bei der Personenabfertigung.

Seit der Dachverband der Fluggesellschaften (IATA) im Jahr 2014 von einer veränderten Tür-zu-Tür-Erfahrung sprach, arbeitet die Branche an Konzepten zu deren Umsetzung. Passagieren soll ermöglicht werden sich nahtlos durch den Flughafen zu bewegen, ohne sich dabei jedes Mal identifizieren zu müssen. Biometrische und moderne Blockchain-Technologien rücken hier in den Vordergrund. Es ist eine gigantische Herausforderung für die Industrie, die ultimative, branchenübergreifende „One Identity" -Lösung bereitzustellen, wie sie auf dem Internationalen Passagiersymposium 2016 in einem IATA-Weißbuch umrissen wurde.

Bereits heute laufen an Flughäfen Feldversuche, in denen deutliche Fortschritte bei der Verwirklichung einer reibungslosen Reiseerfahrung erzielt werden. Eines dieser Verfahren ist das sogenannte Smart Path, bei dem biometrische Daten der Passagiere und seine dazugehörigen Reise-Informationen in einem einzigen digitalen Datensatz, dem sogenannten Token, gespeichert werden. Mithilfe dieses Tokens sind Reisende künftig in der Lage sich bei Sicherheitskontrollen identifizieren zu können, ohne hierfür ihren Reisepass oder ihre Bordkarte vorzeigen zu müssen.

Das Prinzip hinter dem Smart Path Verfahren ist simpel: Auf dem ersten Berührungspunkt der Reise, beispielsweise beim Check-in an einem Kiosk oder einem Bag-Drop, werden die biometrischen Details eines Passagiers durch einen Gesichts-Scan erfasst. Nachdem die daraus gewonnenen Informationen mit den Reisedokumenten des Passagiers abgeglichen wurden, wird ein sogenannter Single-Token erstellt. Die darin gespeicherten Informationen werden in einer biometrischen Datenbank innerhalb des Flughafens gespeichert, sodass die Reisenden den Token zur Identifikation bei Sicherheitskontrollen am Flughafen oder beim Boarding verwenden können. Zentral dabei ist, dass die Informationen des Single-Tokens nur für die Dauer des Aufenthaltes am Airport gelten – sobald der Passagier den Flughafen verlässt, werden seine biometrischen Daten gelöscht.

Die Globalisierung stoppt nicht bei Sicherheitsfragen

Die Forschung geht noch einen Schritt weiter. Aktuell wird an einem wiederverwendbaren mobilen Token gearbeitet, bei dem die Informationen nicht auf Servern des Flughafens, sondern auf dem eigenen Smartphone gespeichert werden können. Auf diese Weise sind Passagiere in der Lage, die Kontrolle über ihre Daten zu behalten und sich weltweit an jedem Airport zu identifizieren, ohne hierfür einen Single-Token anlegen zu müssen.

Vielreisenden erleichtert diese Innovation den Weg durch den Flughafen enorm. Denn durch ein wiederverwendbares Token können sie mit einem einzigen und wenig zeitaufwendigen Gesichts-Scan weltweit an jedem Flughafen Sicherheits- und Grenzkontrollen passieren, die Lounge besuchen und das Flugzeug boarden. Durch den gegenwärtigen „lokalen“ und „einmaligen“ Single-Token ergeben sich bereits weitreichende Vorteile hinsichtlich der Sicherheit und des Konforts für Reisende, aber die Wiederverwendbarkeit des Tokens in der Zukunft wird diese Vorteile noch weiter erhöhen.

Wiederverwendung beschleunigt den Prozess

Wiederverwendung oder „Re-Enrollment" ist der Prozess, bei dem Passagiere einfach auf die gespeicherten Daten ihres mobilen Gerätes zurückgreifen um ihr wiederverwendbares Token mit dem globalen Token-Service zu teilen, bevor sie einen Flughafen für eine anschließende Reise betreten.

Um die zertifizierte digitale Identität zu erstellen, genügt eine einmalige Anmeldung und die Eingabe der biometrischen und biografischen Reisedaten auf dem eigenen mobilen Gerät. Dieses Verfahren kann an jedem Punkt der Reise durchgeführt werden, beispielsweise bei der Buchung eines Fluges, beim Einchecken oder beim Transit. Möglich sind künftig auch automatische Einstellungen, die – je nach Vorliebe des Reisenden – mit einigen oder allen Flughäfen geteilt werden können.

Blockchain-Technologie als wichtiges Element

Eine entscheidende Rolle für die Umsetzung von „Smart Path“ spielt die Blockchain-Technologie. Bei ihrer Anwendung erhalten weder Behörden noch Agenturen die Kontrolle über die persönlichen und biometrischen Daten, noch ist es nötig, diese auf lokalen Servern zu hinterlegen. Vielmehr werden in diesem Verfahren Informationen in verschiedenen Blöcken gespeichert, die miteinander verbunden, transparent und nicht veränderbar sind. Auf diese Weise könnten biometrische Daten grenzüberschreitend auf allen Flughäfen genutzt werden, ohne dass die Passagierdaten von den verschiedenen Behörden gespeichert werden müssten.

Die Entwicklung von Blockchain als Teil des Identity Management resultiert aus der Idee, manipulationssichere Transaktionen zu schaffen, bei denen Multi-Stakeholder auf Informationen zugreifen können, gleichzeitig aber die Datensicherheit des Reisenden gewahrt bleibt.

In Sachen Sicherheit bietet die Blockchain-Technologie auf diese Weise „Privatsphäre durch Design", sodass Passagierdaten sicher, verschlüsselt, manipulationssicher und für andere Zwecke unbrauchbar sind. Gleichzeitig entfällt die Notwendigkeit für Behörden, die Daten zu speichern, einzusehen und verarbeiten. Vielmehr basiert die krypto-geführte Blockchain-Technologie auf dem Grundsatz, dass die Herkunft und die Geschichte der Daten von allen Beteiligten überprüft werden kann.

End-to-End Lösungen machen das Reisen angenehmer und sicherer

Wird der Token als die wahre und vertrauenswürdige Identität des Reisenden von allen Flughäfen weltweit anerkannt, ermöglicht dies eine eine deutlich effizientere Personenabfertigung. Es stellt sicher, dass alle Transaktionen vollständig und korrekt durchgeführt wurden und nicht manipuliert worden sein können. Zudem stehen die Passagieraktivitäten hinsichtlich aller registrierten Reisen der Kontrolle durch eine staatliche Behörde oder Dritte zur Verfügung. Damit bietet das Smart Path Verfahren in Verbindung mit der Block Chain Technologie Reisenden das Potenzial für ein reibungsloses und sicheres End-to-End-Passagier-Erlebnis.

* Klaas Fokkema ist seit November 2016 Vice President Sales für Nordeuropa bei SITA und verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der IT- und Luftverkehrsbranche. Bis vor kurzem bekleidete Fokkema noch die Position des Vice President Business Management für Airport Services in Europa.

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