HeyData-Analyse zur öffentlichen Videoüberwachung Von Berlin bis Peking: Wo Überwachung Alltag ist

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Eine neue Studie von heyData vergleicht die Dichte öffentlicher Überwachungskameras in 21 internationalen Städten. Die Ergebnisse offenbaren gravierende Unterschiede – und werfen Fragen zur Rolle von KI-gestützter Analyse, rechtlichen Standards und gesellschaftlichen Folgen auf.

Eine aktuelle Analyse von heyData beleuchtet die Verbreitung öffentlicher Überwachungskameras in Städten weltweit und zeigt, wie unterschiedlich Staaten auf Videoüberwachung setzen.(Bild:  KI-generiert)
Eine aktuelle Analyse von heyData beleuchtet die Verbreitung öffentlicher Überwachungskameras in Städten weltweit und zeigt, wie unterschiedlich Staaten auf Videoüberwachung setzen.
(Bild: KI-generiert)

Das Berliner Unternehmen heyData hat 21 Großstädte weltweit hinsichtlich ihrer Überwachungsdichte untersucht und auf ihrer Website aufbereitet. Mit mehr als 8.500 Kameras pro Quadratkilometer führt Dubai die Liste an. München kommt dagegen auf nur 32. Die Untersuchung basiert auf öffentlich zugänglichen Daten und firmeneigenen Auswertungen (Stand: Juli 2025). Neben absoluten Zahlen vergleicht die Analyse auch rechtliche Rahmenbedingungen und technische Einsatzfelder wie KI-gestützte Auswertung und Gesichtserkennung.

Der Einsatz von Videoüberwachung unterscheidet sich weltweit drastisch. KI, Gesichtserkennung und rechtliche Lücken werfen Fragen zum Datenschutz auf.(Bild:  heyData)
Der Einsatz von Videoüberwachung unterscheidet sich weltweit drastisch. KI, Gesichtserkennung und rechtliche Lücken werfen Fragen zum Datenschutz auf.
(Bild: heyData)

In Europa ist London mit rund einer Million Kameras Spitzenreiter. Laut der Analyse entspricht das etwa 600 Kameras pro Quadratkilometer. In Paris liegt die Dichte bei 318, während in Berlin lediglich vier Kameras auf tausend Einwohner entfallen. Diese Zurückhaltung ist auch historisch bedingt: Erfahrungen mit staatlicher Überwachung haben in Deutschland ein besonders ausgeprägtes Datenschutzbewusstsein geschaffen.

KI als Beschleuniger von Verhaltensänderung

Technologisch gehe der Trend laut Analyse klar Richtung Automatisierung. Systeme zur Gesichtserkennung oder KI-basierte Mustererkennung sollen helfen, Bewegungen in Echtzeit zu analysieren.

Doch Datenschützer kritisieren, dass diese Technologien tief in die Privatsphäre eingreifen könnten. Zudem warnen sie vor algorithmischen Verzerrungen: Studien wie NISTIR 8280 aus dem Jahr 2019 belegen, dass Gesichtserkennung bei Minderheiten häufiger fehlerhaft arbeitet – mit potenziell diskriminierenden Folgen. Datenschutz- und Gleichheitsaspekte überlagern sich somit zunehmend.

Der psychologische Effekt flächendeckender Videoüberwachung sei ebenfalls nicht zu unterschätzen. heyData warnt vor Verhaltensanpassungen durch das Gefühl ständiger Beobachtung – ein Effekt, der sich laut Unternehmen auch in demokratischen Staaten ausbreiten könne, sofern die Technik ohne klare Zweckbindung eingesetzt werde.

Rechtlicher Flickenteppich

Die Analyse beleuchtet auch regulatorische Unterschiede. Während in der EU die DSGVO mit Prinzipien wie Zweckbindung und Verhältnismäßigkeit greift, fehlen außerhalb Europas oft vergleichbare Schranken. In Ländern wie Großbritannien, den USA oder China kommen KI-gestützte Analysesysteme laut Bericht wesentlich häufiger und großflächiger zum Einsatz. In Peking seien rund 800.000 Kameras in Betrieb.

Miloš Djurdjević, Co-Founder und Managing Director von heyData: „Die wachsende Zahl an Kameras und der Einsatz neuer Technologien wie Gesichtserkennung bergen enorme Risiken für unsere Freiheit. Wenn wir nicht aufpassen, könnten öffentliche Räume bald Orte werden, an denen Menschen sich nur noch überwacht und eingeschränkt bewegen. Deshalb brauchen wir weitere klare Regeln und eine offene Debatte über die Grenzen von Überwachung.“

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