Definition RDP | Remote Desktop Protocol Was ist RDP?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 4 min Lesedauer

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RDP ist eine von Microsoft entwickelte Technologie und ein Netzwerkprotokoll. Mit dem Remote Desktop Protocol lassen sich Computer aus der Ferne über Netzwerke hinweg administrieren und bedienen. Außer für Windows gibt es auch RDP-Implementierungen für andere Betriebssysteme.

RDP (Remote Desktop Protocol)  ist ein Netzwerkprotokoll von Microsoft für den Fernzugriff auf Computer.(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
RDP (Remote Desktop Protocol) ist ein Netzwerkprotokoll von Microsoft für den Fernzugriff auf Computer.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Das Remote Desktop Protocol (RDP) wurde von Microsoft entwickelt. Es handelt sich um ein Protokoll und eine Technologie zur Administration und Bedienung von Rechnern aus der Ferne über Netzwerke hinweg. RDP überträgt Bildschirminhalte und Steuerbefehle (Tastatur- und Mauseingaben) zwischen dem steuernden (Client) und dem zu steuernden Rechner (Server) in nahezu Echtzeit. Auch Druckerdaten, Audiodaten oder Daten des USB-Ports und andere Peripheriefunktionen können zwischen Client und Server ausgetauscht werden.

RDP ist fester Bestandteil der meisten Windows-Versionen und die Standardlösung zur Fernwartung von Rechnern in Windows-Umgebungen. Ursprünglich war RDP herstellerspezifisch und nur für Computer mit dem Betriebssystem Windows vorgesehen. Die Spezifikation war nicht offengelegt. Mittlerweile ist die Spezifikation des Netzwerkprotokolls von Microsoft offengelegt. Entsprechende Software für Clients und Server gibt es daher auch für andere Betriebssysteme außer Windows wie für macOS, Linux, FreeBSD, iOS, Android oder Chrome OS. Auch Java-Implementierungen des Remote Desktop Protocol existieren. Für RDP-Software sind sowohl kommerzielle als auch Open-Source-basierte Lösungen verfügbar.

Das Remote Desktop Protocol wurde so konzipiert, dass es unabhängig von der zugrundeliegenden Übertragungs- oder Netzwerktechnik funktioniert. Im OSI-Referenzmodell ist das auf dem ITU-Standard T.120 basierende Protokoll auf den Ebenen vier bis sieben (Transportschicht, Sitzungsschicht, Darstellungsschicht und Anwendungsschicht) angesiedelt. In heutigen Netzwerkumgebungen dominiert die Verwendung von RDP über TCP/IP und die Protokolle IPv4 oder IPv6. Im TCP/IP-Referenzmodell ist das Remote Desktop Protocol ein Protokoll der Anwendungsschicht. Es verwendet für den Verbindungsaufbau und den Transport der Daten das Transmission Control Protocol (TCP). Das verbindungslose UDP (User Datagram Protocol) kann RDP ebenfalls nutzen. In beiden Protokollen wird jeweils der Port 3389 verwendet. Die aktuelle Version von RDP basiert auf der Grundversion 10, die mit Windows 10 und Windows Server 2016 erstmals eingeführt wurde. Im Anwendungsbereich der Fernsteuerung und Fernwartung von Rechnern steht RDP in Konkurrenz zu anderen Protokollen und Lösungen wie VNC (Virtual Network Computing) oder X11.

Prinzipielle Funktionsweise von RDP

RDP ist nach dem Client-Server-Prinzip aufgebaut. Der Server agiert als Terminalserver und überträgt seine Bildschirminhalte über ein Netzwerk an den Client. Der Client überträgt die Steuerbefehle wie Maus- und Tastatureingaben in umgekehrter Richtung an den Server. Darüber hinaus lassen sich viele weitere Daten und Befehle bidirektional austauschen. RDP unterstützt unterschiedliche Modi und Remote-Control-Arten. Zu einem Client lassen sich bereits auf dem Server bestehende Sitzungen oder neu geöffnete Sitzungen übertragen. Bei einer bereits existierenden Sitzung sehen die Anwender auf der Client- und der Server-Seite jeweils die gleichen Bildschirminhalte. Die Steuerung ist parallel oder exklusiv durch einen der beiden Anwender möglich. Eine neue Sitzung ist für den Remote-Anwender exklusiv nutzbar.

Um Daten zwischen dem Client und dem Server auszutauschen, öffnet RDP in IP-Netzen dedizierte TCP-Netzwerkverbindungen oder nutzt das verbindungslose UDP. Zum Aufbau dieser RDP-Verbindungen sind über das Netzwerk erreichbare IP-Adressen notwendig. Firewalls müssen diese Verbindungen zulassen. Gegebenenfalls sind bei der Verwendung von Network Address Translation (NAT) entsprechende Portweiterleitung einzurichten. Damit die übertragenen Daten für Unbefugte weder einsehbar sind noch manipuliert werden können, verschlüsselt RDP sämtliche Daten. Zudem ist für eine Verbindung zwischen Client und Server eine Authentifizierung notwendig. Dadurch ist das Remote Desktop Protocol auch über öffentliche Netzwerke wie das Internet nutzbar.

Einsatzmöglichkeiten von RDP

Das Remote Desktop Protocol ist für eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten geeignet. Es lässt sich verwenden für die Bereitstellung des Fernzugriffs auf einen Arbeitsplatzrechner (zum Beispiel für die Arbeit von zu Hause aus), für Wartungsaufgaben, für die Remote-Administration von Desktop-Rechnern oder Servern, für ein Remote-Troubleshooting, für die gemeinsame Arbeit mehrerer Mitarbeiter oder Partner an einem Dokument, Thema oder Projekt (zum Beispiel über virtuelle Whiteboards), für Desktop-Freigaben bei Video- und Telefonkonferenzen, für die Durchführung von Schulungen oder Demonstrationen, für die Remote-Installation von Software, für das Remote-Drucken, für die gemeinsame Nutzung von Peripherie- oder Speichergeräten, für die Übertragung der Zwischenablage und für vieles mehr.

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Vorteile des Remote Desktop Protocol

Das Remote Desktop Protocol bietet eine Vielzahl an Vorteilen. Es ist in den meisten Windows-Betriebssystemen standardmäßig enthalten und vielseitig einsetzbar. Auch für andere Betriebssysteme sind entsprechende Lösungen und Software-Clients für Verbindungen mit Windows-Servern verfügbar. RDP sorgt für die Verschlüsselung der übertragenen Daten auch ohne die Verwendung eines VPNs und ist in öffentlichen Netzen wie dem Internet nutzbar. Das Remote Desktop Protocol stellt zentralisierbare Desktop-Ressourcen zur Verfügung und ermöglicht die Fernwartung und Remote-Bedienung von Desktop-Rechnern oder Servern von beliebigen Orten und Geräten aus.

Nachteile des Remote Desktop Protocol

Ein Nachteil von RDP ist, dass die Netzwerkübertragung die Darstellung der Bildschirminhalte und die Ausführung der aus de Ferne abgesetzten Steuerbefehle verzögert. Für vernünftiges Arbeiten aus der Ferne ist daher eine Mindestqualität der Netzwerkverbindung notwendig.

Der größte Nachteil von RDP sind die vielen Schwachstellen des Remote Desktop Protocol, die aktiv und oft automatisiert ausgenutzt werden, um RDP-Server zu übernehmen oder auf diesem Weg Zugang zum Unternehmensnetzwerk zu erlangen. RDP-Verbindungen zwischen Client und Server sind außerdem in öffentlichen Netzen einem signifikanten Sicherheitsrisiko ausgesetzt, wenn sie nicht über einen verschlüsselten Tunnel erfolgen. Ohne VPN können sich Cyberkriminelle Zugang zu bestehenden Verbindungen verschaffen und sensible Daten ausspionieren. Regelmäßige Updates und die Verwendung aktueller, sicherer Versionen von Client- und Server-Software sind unerlässlich.

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