Globale Betrugstrends und staatliche Schutzmechanismen Milliardenverluste durch Scams treffen auf schwache staatliche Kontrolle

Von Paula Breukel 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Digitale Betrugsversuche nehmen weltweit zu. Grund hierfür: Organisierte Kriminalität, Künstliche Intelligenz und Lücken im Schutzsystem. Zwei neue Reports zeigen die strukturelle Schieflage.

Einbruch der Betrugserkennung: Weltweit steigen SMS-Phishing- und Vishing-Angriffe massiv. Besonders dort, wo Governance und digitale Schutzmaßnahmen fehlen.(Bild: ©  whitestorm - stock.adobe.com)
Einbruch der Betrugserkennung: Weltweit steigen SMS-Phishing- und Vishing-Angriffe massiv. Besonders dort, wo Governance und digitale Schutzmaßnahmen fehlen.
(Bild: © whitestorm - stock.adobe.com)

Banking-Betrug hat weltweit um 65 Prozent zugenommen. In absoluten Zahlen bedeutet das: Verbraucher verlieren jährlich über eine Billion US-Dollar. Der neue „Global Scams Report 2025“ von BioCatch zeichnet ein düsteres Bild. Von verdoppelten Voice-Phishing-Attacken über einen zehnfachen Anstieg bei SMS-Phishing bis hin zu Romance- und Investment-Scams, die teils um über 60 Prozent zunahmen.

Zugleich liefert Sumsub mit dem „Global Fraud Index 2025“ eine datengetriebene Stand­ortbestimmung. Dafür wurden 112 Länder analysiert und vier zentrale Einflussfaktoren be­wer­tet. Das Ergebnis: Viele Länder verfügen nicht über die nötige Governance, um dem struk­turell verankerten Betrug etwas entgegenzusetzen. Während Luxemburg, Dänemark und Finnland zu den weltweit sichersten Ländern zählen, belegt Pakistan erneut den letzten Platz. Deutschland verliert im globalen Vergleich fünf Plätze und fällt auf Rang 38 zurück.

Wer steckt hinter den Angriffen?

BioCatch verweist auf die Rolle organisierter Kriminalität. Diese nutzt digitale Kanäle sys­te­matisch aus, um in großem Stil Vermögen umzuleiten. Ian Mitchell von The Knoble spricht von einem „System zur Ausbeutung“: Menschen würden nicht nur finanziell geschädigt, son­dern in Einzelfällen sogar versklavt oder für Geldwäsche instrumentalisiert. Erin West von Operation Shamrock ergänzt, dass in manchen Regionen regelrechte Scam-Boomtowns entstehen würden, in denen Betrug das Geschäftsmodell ganzer Stadtteile ersetze.

Der Global Fraud Index greift diese Strukturen indirekt auf. Dort, wo Regierungen wenig ein­greifen, wirtschaftliche Instabilität herrscht und Ressourcen zur Verifizierung fehlen, ist das Betrugsrisiko besonders hoch. Die Methodik basiert auf dem Fraud-Triangle. Hierbei handelt es sich um ein Modell, das betrügerisches Verhalten aus Druck, Gelegenheit und Rationalisierung ableitet.

Wie gut ist Europa aufgestellt?

Im europäischen Vergleich landet Deutschland auf Platz 38, direkt hinter Spanien.(Bild:  Sumsub)
Im europäischen Vergleich landet Deutschland auf Platz 38, direkt hinter Spanien.
(Bild: Sumsub)

Der Index zeigt, dass Europa den Großteil der 15 Länder mit dem besten Schutz stellt. Den­noch ist auch hier nicht alles stabil. Deutsch­land liegt im europäischen Mittelfeld, hinter Staaten wie Österreich, Niederlande oder Litauen. Im Vergleich zu asiatischen Ländern, etwa Malaysia oder Singapur, schneiden viele europäische Staaten jedoch besser ab.

Besonders alarmierend: Die USA fallen dras­tisch zurück, von Platz 55 im Vorjahr auf Rang 91. Sumsub und Statista führen dies nicht nur auf eine Zunahme der Betrugsversuche, son­dern auch auf mangelhafte staatliche Gegenmaßnahmen zurück. Der Sumsub-Report ergab zudem, dass es in anderen Regionen wie Afrika und Südostasien vielfach an digitaler Infra­struktur zur Betrugserkennung fehlt.

Wie kann Technologie helfen?

Trotz der düsteren Zahlen liefert der BioCatch-Report auch ein positives Signal. Banken, die auf verhaltensbasierte Betrugserkennung setzen, verzeichnen laut Report einen Rückgang von Iden­titätsbetrug um 15 Prozent. Die BioCatch-Plattform analysierte dafür rund 15 Milliarden digitale Sitzungen pro Monat und nutzt dabei über 3.000 Verhaltensmerkmale und schützt laut eigenen Angaben rund 500 Millionen Nutzer weltweit. Die hauseigene Plattform decke gezielt schwer erkennbare Betrugsarten wie Romance- oder Investment-Scams auf.

(ID:50622000)

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zur IT-Sicherheit

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung