Kommentar von Ronen Smoley, PlaxidityX Wie KI die Cybersicherheit in der Automobilindustrie gestaltet

Von Ronen Smoley 3 min Lesedauer

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Die Automobilindustrie befindet sich in einer Phase des technologischen Umbruchs, in der softwaredefinierte, vernetzte und automatisierte Fahrzeuge die Branche grundlegend verändern. Diese Entwicklungen bieten Chancen, bringen jedoch auch erhebliche Herausforderungen mit sich – insbesondere in der Cybersicherheit.

Der Autor: Ronen Smoley ist CEO von PlaxidityX(Bild:  bennygamzo.com)
Der Autor: Ronen Smoley ist CEO von PlaxidityX
(Bild: bennygamzo.com)

Die digitale Infrastruktur moderner Fahrzeuge hat sich in den vergangenen Jahren von einfachen Infotainmentsystemen zu komplexen Netzwerken entwickelt. Diese umfassen Millionen von Codezeilen und zahlreiche Rechenplattformen. Technologien wie Fahrerassistenzsysteme, drahtlose Software-Updates und V2X-Kommunikation prägen das moderne Fahrzeug. Gleichzeitig eröffnen diese Innovationen neue Angriffsflächen für Cyberkriminelle. Die zunehmende Häufigkeit von Angriffen auf Fahrzeuge und Lieferketten verdeutlicht, dass Cybersicherheit eine zentrale Rolle für die Zukunft der Branche spielen muss.

Bedrohungslandschaft im Wandel

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Cyberangriffe auf die Automobilbranche erheblich zugenommen – von Datenschutzverletzungen in Unternehmensnetzwerken bis hin zur gezielten Fernsteuerung von Fahrzeugen. Während frühere Angriffe häufig Infotainmentsysteme oder Hersteller (OEMs) betrafen, richten sich heutige Bedrohungen verstärkt auf sicherheitskritische Fahrfunktionen und persönliche Daten. Zudem entstehen neue Angriffsziele durch monetarisierte Fahrzeugfunktionen wie On-demand-Dienste und Premium-Features.

Angreifer finden in diesen neuen Geschäftsmodellen zusätzliche Anreize. Die Manipulation abonnementbasierter Dienste oder das Freischalten kostenpflichtiger Funktionen bieten direkte finanzielle Möglichkeiten. Gleichzeitig erhöht die Komplexität der automobilen Lieferkette das Risiko von Sicherheitslücken. Schwachstellen in Tier-2- und Tier-3-Zulieferern können weitreichende Folgen haben, da sie sich auf mehrere Hersteller und Fahrzeuge auswirken können. Das verdeutlicht einmal mehr die Notwendigkeit von Transparenz und kontinuierlicher Risikoüberwachung.

Die Einführung internationaler Vorschriften wie UNECE R155 und R156 stellt zusätzliche Anforderungen. Neue Fahrzeuge müssen strikte Sicherheitsstandards erfüllen, um das Vertrauen der Verbraucher langfristig zu sichern.

KI als Schlüssel zur Cyberabwehr

Mit zunehmender Raffinesse der Angriffe werden auch die Abwehrmaßnahmen anspruchsvoller. Künstliche Intelligenz (KI) spielt dabei eine zentrale Rolle, da sie in der Lage ist, große Datenmengen effizient zu analysieren und verdächtige Aktivitäten frühzeitig zu erkennen. In der Automobilindustrie, wo bereits geringe Anomalien gravierende Folgen haben können, ist das besonders entscheidend.

KI-gestützte Systeme überwachen Fahrzeugnetzwerke, V2X-Kommunikation und Firmware-Updates kontinuierlich. Abweichungen von bekannten Mustern werden sofort identifiziert, um potenzielle Angriffe zu unterbinden. Darüber hinaus ermöglichen prädiktive Analysen, zukünftige Angriffsmuster zu antizipieren. Dies hilft Herstellern und Zulieferern, Schwachstellen frühzeitig zu schließen und Abwehrmaßnahmen proaktiv zu gestalten.

Kollaboration als Erfolgsfaktor

Die zunehmende Komplexität moderner Fahrzeuge erfordert eine branchenweite Zusammenarbeit. OEMs und Zulieferer müssen Bedrohungsinformationen teilen, gemeinsame Sicherheitsstandards entwickeln und die Zusammenarbeit mit externen Anbietern intensivieren. Plattformen, die Bedrohungsdaten zentral sammeln und auswerten, können hierbei eine Schlüsselrolle spielen.

Ein solcher Ansatz ermöglicht es, Angriffsmuster schneller zu erkennen und Sicherheitslücken effizient zu schließen. Die umfassende Sichtbarkeit entlang der Lieferkette – ergänzt durch KI-basierte Überwachung – trägt dazu bei, Risiken frühzeitig zu identifizieren und systematisch zu reduzieren.

Integration von Cyber- und Fahrzeugsicherheit

Die Sicherheit moderner Fahrzeuge umfasst mehr als den Schutz sensibler Daten. Mit der zunehmenden Automatisierung und der Verbreitung von Fahrerassistenzsystemen (ADAS) wird Cybersicherheit zu einer Frage des Personenschutzes. Angriffe auf sicherheitskritische Systeme können gravierende Folgen für Insassen und Verkehrsteilnehmer haben.

KI kann als Bindeglied zwischen Cybersicherheit und funktionaler Sicherheit fungieren. So kann ungewöhnliches Sensorverhalten, das auf Cyberangriffe hindeutet, erkannt und Sicherheitsmaßnahmen automatisch eingeleitet werden. Beispielsweise könnten betroffene Fahrzeuge auf manuelle Steuerung umstellen oder sichere Stopp-Prozesse einleiten, um potenzielle Risiken zu minimieren.

Herausforderungen durch KI-gestützte Angriffe

Die gleiche Technologie, die die Abwehr stärkt, bietet auch neue Werkzeuge für Angreifer. Automatisierte Schwachstellensuche, adaptive Malware und gezielte Phishing-Angriffe nutzen KI, um Sicherheitslücken effizienter auszunutzen. Das erfordert von der Branche kontinuierliche Wachsamkeit und innovative Abwehrmaßnahmen.

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Zukunftssichere Strategien

Die Automobilbranche steht vor entscheidenden Herausforderungen. Um die Chancen von vernetzten und automatisierten Fahrzeugen zu nutzen, muss Cybersicherheit in jede Phase der Fahrzeugentwicklung integriert werden. Unternehmen, die frühzeitig auf innovative Sicherheitslösungen und Kooperationen setzen, sichern nicht nur ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit, sondern stärken auch das Vertrauen der Verbraucher.

Ein ganzheitlicher Ansatz, der sowohl technologische als auch organisatorische Maßnahmen umfasst, wird die Grundlage für eine sichere und nachhaltige Zukunft der Automobilindustrie bilden.

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